Besuch in Osnabrück Bischof Bode denkt über Kooperation mit der Tafel nach

Hier wird täglich das gespendete Obst und Gemüse sortiert. Die meisten Lebensmittel werden von Supermärkten und Produktionsfirmen gespendet, erfuhr Bischof Bode (Vierter von links). Angenommen würden aber auch gerne Spenden aus den Gärten der Bevölkerung. Foto: Andre HavergoHier wird täglich das gespendete Obst und Gemüse sortiert. Die meisten Lebensmittel werden von Supermärkten und Produktionsfirmen gespendet, erfuhr Bischof Bode (Vierter von links). Angenommen würden aber auch gerne Spenden aus den Gärten der Bevölkerung. Foto: Andre Havergo

Osnabrück. Bischof Bode hat der Osnabrücker Tafel hohe Anerkennung für die Arbeit und das „wahnsinnig große ehrenamtliche Engagement“ gezollt. Zugleich mahnte er an, dass Politik und Gesellschaft trotz der vielen Tafeln in Deutschland den Kampf gegen die Ursachen von Armut nicht vernachlässigen dürften.

„Happy Easter“, frohe Ostern, stand auf den Servietten auf der Kaffeetafel, zu der Vorstand und Mitarbeiterschaft den Bischof eingeladen hatten. Während der Kuchen selbst gebacken war, stammen die Servietten aus Spenden. Und ohne Spenden geht es nicht, verdeutlichte der Vorsitzende Hermann Große-Marke dem Gast.

Immerhin versorge die 1996 gegründete Osnabrücker Tafel mit ihren sieben Außenstellen wöchentlich 3500 Kunden, davon rund 1000 Kinder. Fünf Transporter seien täglich unterwegs, um Lebensmittel auch aus Bremen und dem Ruhrgebiet nach Osnabrück zu holen. Pro Woche seien das 50 bis 60 Tonnen Lebensmittel, von denen rund zehn Millionen unbrauchbar seien und in den Müllcontainern landeten. Abgegeben werde nur das, was die Mitarbeiter auch selber essen würden.

Ausnahme: Lieferung nach Haus

Rund 150 Kunden, die aus Krankheits- und Altersgründen nicht mehr persönlich zur Tafel kommen können, erhielten Lebensmittel nach Haus geliefert. Zudem versorge die Kindertafel seit 2006 rund 500 Kinder in 22 Einrichtungen mit einem gesunden Frühstück oder Essen. Die Zutaten dafür müssten allerdings gekauft werden, weil die Kinder und Jugendlichen nur Frisches bekommen sollten, erläuterte Birgitta Marquardt-Meer, Mitarbeiterin und Kindertafel-Gründerin.

Allein das koste die Tafel monatlich 2000 bis 2500 Euro. Jährlich müsse die Tafel 500.000 Euro Kosten stemmen, ausschließlich aus Spenden, die nicht immer gleichmäßig eingingen, berichtete der Vorsitzende. Er nutzte die Gelegenheit, den Bischof nach Fördermöglichkeiten aus Töpfen der katholischen Kirche zu fragen. Bode versprach, darüber nachzudenken.

Garten zum Plaudern und Spielen

Bei einem Gang durch das Haus in der Schlachthofstraße begegnete Bode auch einigen Kunden der Tafel und lernte den noch recht neuen Bienen- und Blumengarten im Eingangsbereich kennen, der auf Anregung von Marquardt-Meer angelegt worden ist. Im kleinen Pavillon säßen mitunter schon um 7 Uhr morgens Kunden, um Zeitung zu lesen oder miteinander zu plaudern. Für Kinder der wartenden Kunden wurde eine Spielecke angelegt.

Bode zeigte sich beeindruckt, wie auf diese Weise Menschen und verschiedene Kulturen zusammengeführt würden. Der Garten sei ebenso fantastisch wie das Netzwerk der Tafel, die unter anderem auch die Wärmestube, die Tageswohnung für Wohnungslose und die katholische Familienbildungsstätte für die Kinder-Mahlzeit beliefert.

„Die Tafel macht eigentlich nur zwei Dinge“, fasste es Große-Marke schlicht zusammen: „Sie hilft Menschen und rettet Lebensmittel vor dem Wegwerfen“. „Ich bin sehr an einer Zusammenarbeit interessiert“, sagte Bode ebenso schlicht.


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