150 Jahre Krankenhausgeschichte Kinderhospital eröffnet Museum mit hunderten Exponaten

Staunen über medizinische Geräte der Vergangenheit: Wilfried Lübbers und Wilfried Siemering (von links) im Museum des Kinderhospitals Osnabrück. Foto: Ullrich SchellhaasStaunen über medizinische Geräte der Vergangenheit: Wilfried Lübbers und Wilfried Siemering (von links) im Museum des Kinderhospitals Osnabrück. Foto: Ullrich Schellhaas

Osnabrück. Das Kinderhospital am Schölerberg ist ein Stück Osnabrücker Geschichte. Mit der Geschichte des Krankenhauses selbst befasst sich seit Jahren Wilfried Lübbers. Nun eröffnete er ein Museum.

Am augenfälligsten in dem etwa 60 Quadratmeter großen Raum im ehemaligen Schwesternwohnheim hinter dem Krankenhausgebäude am Schölerberg ist sicherlich die Eiserne Lunge. Der Stahlkasten sieht eher aus wie ein Foltergerät, diente aber dazu, Leben zu retten. „1954 gab es in Deutschland vermehrt Fälle von Kinderlähmung“, sagte Wilfried Lübbers zu der beeindruckenden Maschine, „darum hat auch das Kinderhospital seinerzeit eine angeschafft, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.“ Benötigt und eingesetzt wurde sie seines Wissens nach nie.

Wandelndes Geschichtsbuch

1954 gab es das Kinderhospital Osnabrück schon 82 Jahre und auch Wilfried Lübbers lebte schon. Die Leitung des Krankenhauses als Verwaltungschef hatte er von 1967 bis 2006 inne. Schon damals faszinierte ihn die Technik, die er heute zeigt in seinem Museum zeigt und von der er viele Stücke selbst angeschafft hat, ebenso wie die Geschichte des Hauses. Sein Museum ist es zwar nicht wirklich, aber auf seine Initiative geht die Idee und die Ausführung zurück, bestätigte auch Wilfried Siemering, Lübbers' Nachfolger als Verwaltungschef.

So faszinierend die Eiserne Lunge auch ist – für Wilfried Lübbers sind andere Ausstellungstücke interessanter. Am Beispiel das Operationstisches aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als das Kinderhospital noch an der Klubstraße, heute Hans-Böckler-Straße oder die grüne Wiese zwischen Stadthalle, Ratsgymnasium und Schloss geelegen war, kann der Mann mit dem umfassenden Wissen über das Krankenhaus leicht ins erzählen geraten. Von der Gründung des Hauses an der Ziegelstraße durch Irmgard Stolzenberg und Bertha Reinecke, geborene Pagenstecher, im Jahr 1872. Von den finanziellen Problemen, die damals herrschten, weil es keine Krankenversicherung gab.

Kuriositäten und medizinisches Gerät

Und von der dadurch bedingten Gründung des Freibettenfonds, weil die Gottlieb-Sammelbüchse mit dem Spruch „Wer spendet, denn hat Gott lieb“ zur Finanzierung nicht ausreichte. Die entsprechenden Papiere hat Wilfried Lübbers ebenso zusammengestellt wie Buschmanns Krankenakte, der, von der Mutter nicht angenommen, im Kinderhospital aufgezogen wurde und oft genug über Lübbers' Schreibtisch turnte. „Heutzutage wäre das natürlich undenkbar“, sagte er dazu schmunzelnd.

So erwachen im Museum die hunderte Exponate zum Leben. Interessierte Besucher können alte Zeitungsausschnitte bis zurück ins Jahr 1876 bestaunen, einen C128-Computer bewundern, der zur Lerntherapie eingesetzt wurde, die Findigkeit der ehemaligen Mitarbeiter am selbst gebauten Lungenfunktionstest erleben und über Spritzen, Kanülen, Schreibmaschinen und allerlei Papiere aus der Vergangenheit den Kopf schütteln.

Besuch planen

Reguläre Öffnungszeiten hat das Museum im Kinderhospital nicht, da Wilfried Lübbers und einige Helfer es rein ehrenamtlich betreiben. „Interessierte Menschen oder Gruppen können sich aber gerne an der Pforte telefonisch unter 05 41/5 60 20 melden“, sagte Wilfried Siemering, „wir koordinieren das dann und bieten zeitnah Führungen an.“ 


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