Gespräch im NOZ-Medienzentrum Michael Patrick Kelly stellt Friedensprojekt "Peacebells" vor

Martina Blasberg-Kuhnke, Ulrich Bunsmann (nicht im Bild), Dirk Geuer und Michael Patrick Kelly sprechen über die Peacebells im NOZ-Medienzentrum. Foto: André Havergo. Foto: André HavergoMartina Blasberg-Kuhnke, Ulrich Bunsmann (nicht im Bild), Dirk Geuer und Michael Patrick Kelly sprechen über die Peacebells im NOZ-Medienzentrum. Foto: André Havergo. Foto: André Havergo

Osnabrück. Glocken statt Waffen. Aus Kriegsschrott stellt Michael Patrick Kelly Kirchenglocken, die "Peacebells", her und dreht damit einen Prozess des Ersten Weltkriegs um.

Für Michael Patrick Kelly sind seine Peacebells eine Herzensangelegenheit. „Es hat im Tiefen gutgetan“, sagte der Sänger und Künstler bei der Vernissage im NOZ-Medienzentrum in Osnabrück am Freitagabend über seine aus Kriegsschrott gegossenen Friedensglocken. Eine akustische Hörprobe lieferte er wie bei seinen Konzerten verbunden mit einer Schweigeminute gleich mit.

Ein Gänsehaut-Moment

Mit diesem Konzept hatte Kelly den Galeristen Dirk Geuer sofort auf seiner Seite, wie er  beim Podiumsgespräch rekapitulierte: „Ich hatte sofort Gänsehaut. Die Idee klingt so einfach – das ist perfekt.“ Kunst könne viel im sozialen Bereich bewirken und auf Themen aufmerksam machen. Kellys Botschaft lautet: Stoppt Kriege! Oder positiv ausgedrückt: Lasst uns den Frieden bewahren. Durch das Einschmelzen alter Patronenhülsen und Granaten habe Kelly „das Material und den Klang verändert“. Upcycling, würde man auf Neudeutsch sagen. Doch diese Botschaft kommt offensichtlich an. „Es ist toll, dass die Idee ein Hit geworden ist und sie die Leute anspricht“, sagte auch Kelly. Seine Peacebells träfen den Nerv der Zeit: „Die Leute machen sich Gedanken über die politische Zukunft.“

Die Glocke als Symbol des Friedens – das passt, fand auch Martina Blasberg-Kuhnke von den Osnabrücker Friedensgesprächen. Deren Funktion sei seit jeher, Menschen zusammenzubringen; zu den verschiedensten Anlässen. „Glocken sind Persönlichkeiten“, hob Blasberg-Kuhnke hervor. Und wenn Persönlichkeiten wie Kelly ihre Popularität nutzen, um diese Botschaft zu verbreiten, sei das der beste Weg, von der eigenen Reichweite Gebrauch zu machen. „Symbolische Aktionen sind sehr wichtig“, sagte sie. Denn bei einer Studie mit Kindern habe sich gezeigt: „Frieden ist langweilig.“ Er könne schlecht gespielt werden, Krieg sei da interessanter.

Viel Symbolik

An Symbolik hat Kelly an seinen Peacebells auch nicht gespart. Verziert sind sie etwa mit einer Friedenstaube, die ein „Stopp“-Schild im Schnabel trägt. An anderer Stelle ist die Inschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ zu finden – ein Bibelzitat, das bereits die Friedensinitiativen in der DDR benutzt hatten. Statt eines Klöppels hängt aus der Glocke ein G3-Maschinengewehr heraus, mit dem sie auch geläutet wird. Von diesem Modell sind laut Kelly weltweit sieben Millionen Stück im Umlauf.

Angetan von den Friedensglocken regte Blasberg-Kuhnke gleich an, eine solche in die Friedensstadt Osnabrück zu holen. 2023 sei schließlich das Friedensjahr, die Vorbereitungen dafür liefen bereits. „Wir könnten die Glocke zu den einzelnen Veranstaltungen mitnehmen“, regte sie an. Auch im Friedenssaal oder in der Marienkirche wäre sie gut aufgehoben. 

Auf die Idee mit den Peacebells kam Kelly, als von der Beschlagnahmung von rund 150.000 Glocken während des Ersten Weltkrieges las. Sie wurden damals eingeschmolzen und zu Kriegsgerät verarbeitet. „Ich fand das furchtbar“, sagte er in einer Fernseh-Dokumentation. Diesen Prozess habe er umkehren wollen. Erstmals in der Öffentlichkeit wurde die Peacebell dann am 11. November 2018 – auf den Tag Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs –in der Christuskirche zu Mainz. In Anlehnung daran äußerte Galerist Geuer den Wunsch, eine der Peacebells bei Verdun aufzustellen. „Man kann sich nicht vorstellen, was dort passiert ist“, sagte er. Allein am ersten und zweiten Tag sollen dort schätzungsweise jeweils eine Million Granaten explodiert sein.

Spenden für Friedensdorf

Die Erlöse aus dem Verkauf spendet Kelly an das israelische Friedensdorf Newe Schalom/Wahat al-Salam. Dort lebten Israelis und Palästinenser trotz unterschiedlicher Feiertage, die auf der jeweils anderen Seite verhasst seien, tolerant miteinander.


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