Lesung im Wirtschaftswunder Offizierin Hammouti-Reinke: Weiß und blond sind nicht die Nationalfarben

"Deutsch ist, wer Deutschland dient", stellt Nariman Hammouti-Reinke bei der Buchvorstellung von "Ich diene Deutschland" im klar. Foto: Jörn Martens"Deutsch ist, wer Deutschland dient", stellt Nariman Hammouti-Reinke bei der Buchvorstellung von "Ich diene Deutschland" im klar. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Was reizt eine junge Frau zum Dienst an der Waffe? Auch darum ging es beim Besuch der Marine-Offizierin Nariman Hammouti-Reinke am Donnerstag in Osnabrück. Dort stellte sie auf Einladung der Osnabrücker CDU ihr Buch "Ich diene Deutschland" vor, einen Erfahrungsbericht aus 14 Jahren bei der Bundeswehr, mit mal amüsanten, mal bewegenden Einblicken in das Innenleben der Truppe.

"Weiß und blond sind nicht die deutschen Nationalfarben", stellte die 1979 als Kind marokkanischer Elter in Hannover geborene Offizierin bei der Veranstaltung Restaurant "Wirtschaftswunder" klar. Deutschland sei ihre Heimat und: "Deutsch ist, wer Deutschland dient." Mehr Deutschland war selten. Aber Hammouti-Reinke ist eben auch Soldatin geworden, um Werte zu leben wie "Ehre, Kameradschaft und hehre Ziele". Das Vorurteil, Angehörige der Bundeswehr seien "rassistisch, sexistisch und dumpfbackig" beruhten auf Einzelfällen, seien aber insgesamt unzutreffend. 

Film "Pearl Harbor" prägt

Mit entscheidend für ihre Orientierung zum Militär: der Film Pearl Harbor über den Überraschungsangriff der Japanischen Marineluftstreitkräfte auf die Pazifikflotte der USA am 7. Dezember 1941. Dabei wurden nach aktuellem Wissensstand knapp 2500 US-Soldaten getötet, zahlreiche Schiffe und Flugzeuge zerstört. "Schon beim Abspann wusste: Ich werde Soldat", so Hammouti-Reinke. 

Im Alter von 24 Jahren begann sie nach anfänglichem Zaudern ihre Karriere bei der Bundeswehr. Humorvoll ihr Bericht über den Einstellungstest, packend ihre Schilderung der psychischen Belastung bei den Einsätzen in Afghanistan 2008 und 2011. Auch gründliches Training könne nur unzureichend vorbereiten auf das, was einen im Einsatz erwarte: "Irgendwann ist man dort, und dann ist es echt."

Monatelanger Schlafmangel, permanente Alarmbereitschaft und das Bewusstsein, dass nahe Explosionen nicht Teil von Übungen sind. "Zugleich etwas betäubt und hellwach", beschreibt Hammouti-Reinke den besonderen Zustand, den sie als Soldatin im Einsatz erlebt hat. 

Frauen gehören mittlerweile dazu

Auf die Frage, ob Deutschlands Sicherheit tatsächlich "am Hindukusch verteidigt" wird, ging die Offizierin zwar nicht näher ein, sondern verwies hier nur knapp auf die Bekämpfung des islamistischen Terrors. Dass die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan aber Verbesserungen bewirkt hat, davon ist sie überzeugt. So berichtete sie vom Aufbau eines Waisenhauses und von der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte mit deutscher Hilfe. 

Bei aller Reflexion über Gründe und Nutzen solcher Einsätze ist die Sicht von Soldatin Hammouti-Reinke aber ganz pragmatisch: "Diejenigen, die darüber entscheiden, sind nicht wir selbst." Nachvollziehbar darum auch ihr Ärger über die Verweigerung von Mitteln durch die Politik, hier diskutiert am Beispiel einer nicht genehmigten Aufklärungsdrohne. 

An der Ausstattung der Bundeswehr gibt es anscheinend Einiges auszusetzen, nicht aber an der Entwicklung von Akzeptanz der Frauen in der Truppe, wenn man Hammouti-Reinke folgt: "Anfangs hat es da starke Probleme gegeben, besonders bei der Marine." Heute aber gehörten Frauen zum normalen Bild, auch wenn sie immer noch lediglich 12 Prozent des Personals der Streitkräfte ausmachen. 

Nariman Hammouti-Reinke: Ich diene Deutschland: Ein Plädoyer für die Bundeswehr – und warum sie sich ändern muss, Rowohlt, 256 Seiten.


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