Workshops im Zentrum der Fachtagung in der Lagerhalle „Bildung ist der Schlüssel für Zukunftschancen“

Viel zu bereden gab es bei der Fachtagung „Ankommen in Osnabrück  – Bildungsperspektiven für neuzugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene“ mit (von links) Katharina Pötter, Sozialvorstand Stadt Osnabrück; Frauke Keck-Pergner vom Nds. Kult.-ministerium; Nicole Anell, GeFü Jobcenter Osnabrück;Eckhard Lammers, stellv. HauptGeschFü  IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim;
Maren Wilmes, Fachbereichsleitung Migration, Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück;Katja Keese, Ber.Lt. Arbeitgeberservice und Arbeitsvermittlung Agentur für Arbeit, Stadt Osnabrück. Foto: Jörn MartensViel zu bereden gab es bei der Fachtagung „Ankommen in Osnabrück – Bildungsperspektiven für neuzugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene“ mit (von links) Katharina Pötter, Sozialvorstand Stadt Osnabrück; Frauke Keck-Pergner vom Nds. Kult.-ministerium; Nicole Anell, GeFü Jobcenter Osnabrück;Eckhard Lammers, stellv. HauptGeschFü IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim; Maren Wilmes, Fachbereichsleitung Migration, Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück;Katja Keese, Ber.Lt. Arbeitgeberservice und Arbeitsvermittlung Agentur für Arbeit, Stadt Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Situation junger Zuwanderer sorgte in der Vergangenheit bereits des öfteren für Aufregung. Doch wie steht es wirklich um sie? Das war Thema der Fachtagung „Ankommen in Osnabrück – Bildungsperspektiven für neuzugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene“ in Osnabrück, die am Donnerstag in der Lagerhalle mit einer themenreichen Podiumsdiskussion ihr Ende fand.

Der Moderator Tilman Zschiesche vom Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung aus Göttingen wollte mit seinen Fragestellungen an die Diskussions- teilnehmer ein Résumé der Ergebnisse aus vier interessanten Workshops abfordern. In einem letzten Statement ging es darum, wo die Vertreter der einzelnen Institutionen sich bei der Integration in drei Jahren sehen. Um es vorweg zu nehmen, zeichnen sich bei allen Rednern gute Zukunftperspektiven ab. 

In den Workshops, an denen sich rund 150 Fachleute aus der Sozial- und Bildungsarbeit beteiligten standen jeweils fiktive junge zugewanderte Leute mit ihren individuellen Problemen im Zentrum. Avid, ein minderjähriger Flüchtling aus Eritrea, hatte in der Heimat nur die Grundschule besucht. Nun soll er an der Berufsschule Deutsch lernen. Suleiman stammt aus dem Sudan, beginnt eine Ausbildung, in der er aber bald mit der Fachsprache überfordert wird. Karima aus dem Irak hatte das Ziel eines Studiums, muss diesen Traum aber zugunsten einer anderen Berufsausbildung überdenken. Schließlich ging es im letzten Workshop um Dimitrij aus Bulgarien, der mit Lohnarbeit seiner Familie eine Zukunftsperspektive bieten will.

Nachjustierungen erforderlich

Katharina Pötter, Sozialvorstand der Stadt Osnabrück, Nicole Anell, Geschäftsführerin des Jobcenters, Maren Wilmes, Fachbereichsleiterin Migration bei der Caritas, Eckhard Lammers, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Katja Keese, Bereichsleiterin bei der Arbeitsagentur und Frauke Keck-Pergner vom niedersächsischen Kultusministerium stellten sich den herausfordernden Fragen von Tilman Zschiesche. Jeder beleuchtete die Themen natürlich unter den spezifischen Aspekten seiner Funktion. Erfreulicherweise waren sich alle in ihren Beiträgen einig, dass die Zusammenarbeit der zehn kooperierenden Partnern gut funktioniert. An einzelnen Stellen sind noch Nachjustierungen erforderlich. Nicole Anell brachte es so auf den Punkt: „Alle wollen möglichst viele junge Menschen in Ausbildung und Berufe bringen. Dafür ist eine gute Vernetzung erforderlich.“  Weiterhin machte sie deutlich, dass die Mehrzahl der neu zugewanderten jungen Menschen das Ziel hat möglichst bald ein menschenwürdiges Leben ohne staatliche Leistungen zu erreichen. 

Maren Wilmes von der Caritas stellte besonders heraus, dass an manchen Stellen schwerfällige Strukturen verändert werden müssen, damit junge Leute auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben und in ihren Beruf nicht scheitern. Sie regte dazu auch eine verlängerte Ausbildung an, womit sie besonderen Applaus von allen Teilnehmern bekam. Eckhard Lammers brachte Zahlen sowohl von der IHK als auch der Handwerkskammer mit. Danach bieten die rund 70.000 Unternehmen knapp 19.000 Ausbildungsplätze. Davon sind aber nur 500 mit geflüchteten jungen Menschen besetzt. Die geringe Zahl begründete er insbesondere mit mangelnden Sprachkenntnissen. In der Regel plädiert er vor Ausbildungsbeginn von B1 bis B2 Sprachniveau. Auch Lammers sprach sich deutlich dafür aus, auf alle Fälle ein Scheitern zu vermeiden. „Scheitern führt zu Desintegration“, stellte Lammers klar heraus. Deshalb plädiert er dafür, vor Ausbildungsbeginn das Sprachniveau ausreichend zu stärken.

Erfahrungen aus dem SPRINT-Programm

Und genau hierzu brachte Frauke Keck-Pegner die gute Nachricht mit, dass dazu die Berufseinstiegsschulen eingeführt werden. Dabei wird auf die Erfahrungen aus dem SPRINT-Programm, das 2015 mitten in der Flüchtlingswelle geschaffen wurde, aufgebaut. Diese Schulen sollen flexibel durchlaufen werden und dabei die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen berücksichtigen. Keck-Pegner signalisierte, dass das Kultusministerium – da teilweise andere Zuständigkeiten gegeben sind – im engen Dialog mit anderen Ministerien steht, um die Bildung der jungen Menschen zu fördern.

Schlagwortartig fasste Zschiesche zum Schluss der Runde seine Eindrücke als Feedback zusammen: Sich widersprechende Rechtsbereiche müssen passend koordiniert werden,  auch müssen sich alle mehr Zeit nehmen. Der Zeitfaktor war in der Vergangenheit oft zu kurz gewählt worden. Weiter führe eine selbstbestimmte Berufswahl zu geringeren Abbruchquote bei den Ausbildungen. Wichtig für junge Menschen sei zudem die Kontinuität in der Bezugsperson bzw. – institution.  Nicht zuletzt bestehe in der Öffentlichkeit und in der Politik der Eindruck, die Probleme seien weitgehend gelöst. Das sei eine Fehleinschätzung. Man stehe mitten im Prozess.

Dass alles noch Zeit braucht machte Tilman Zschiesche mit seinem Schlusswort klar: „Deutschland ist ein Vielvölkerstaat mit Bajuwaren, mit Franken, mit Sachsen und mit Friesen. Die verstehen sich auch nicht untereinander.“ Mit diesem zum Schmunzeln anregenden Vergleich beschloss er die in seinen Augen konstruktive Fachtagung.


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