Vierbeinige Gärtner Für die Artenvielfalt: Ziegen im botanischen Garten

Im Schatten erholen sich die Ziegen von ihrer wichtigen Aufgabe. Foto: Vivienne KrausIm Schatten erholen sich die Ziegen von ihrer wichtigen Aufgabe. Foto: Vivienne Kraus

Osnabrück. Diesen Sommer haben 17 Ziegen im Steinbruch am botanischen Garten der Universität Osnabrück ihren Beitrag zur Erhaltung Einheimischer Pflanzen geleistet. Am Westerberg sind die Tiere mittlerweile eine kleine Attraktion.

Das Glöckchen der Leitziege Flick-Flack klingelt leise zwischen den Büschen der oberen Ränge des stillgelegten Steinbruchs auf dem Westerberg. Am Montagmorgen liegen die Tiere träge im Dickicht des innerstädtischen Landschaftsschutzgebietes, in dem vor mehr als fünfzig Jahren noch Gestein abgebaut wurde. Hier bereiten sich die Hornträger auf ihren Arbeitstag vor, denn sie übernehmen eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege im botanischen Garten der Universität Osnabrück.

Wildpflanzen schützen

Bereits seit 2016 werden die Ziegen im Steinbruch am botanischen Garten eingesetzt. Mit finanzieller Unterstützung durch die Haarmann-Stiftung wird das Projekt alljährlich umgesetzt.  Im Frühjahr und im Spätsommer sind die Tiere von Schäfer Ludger Weiligmann jeweils für einige Wochen im Schutzgebiet zu Hause. Die Ziegen sollen ungewünschte Gehölze, wie zum Beispiel die Waldrebe, verbeißen und andere Sträucher klein halten, damit schützenswerte Pflanzen überleben können. Vor allem für die gesetzlich geschützte Kalk-Magerase, eine besondere Form des Grünlands, ist der Einsatz der Ziegen wichtig. "Dieses Jahr können sich die Tiere zum ersten Mal frei im ganzen Steinbruch bewegen," erklärt Yvonne Bouillon, technische Leiterin im botanischen Garten, "in den vergangenen Jahren wurden sie nur auf Teile der Fläche gelassen. So versuchen wir die flächendeckenden Gewächse in Schach zu halten, damit sich seltene Gräser und Stauden weiter fortpflanzen und ansiedeln können." Für den ökologischen und wissenschaftlichen Nutzen des Landschaftsschutzgebietes im Steinbruch sei es wichtig, dass invasive Arten wie Japan-Knöterich und Herculesstaude möglichst klein gehalten werden. 

Bitte nicht füttern

Der Speiseplan der Ziegen ist durchaus ausgewogen. Neben unerwünschten Dornengestrüppen und Stauden, haben die Tiere eine besondere Vorliebe für die jungen Triebe von Esche und Ahorn. Das sorge dafür, dass die Gehölze nicht allzu groß werden und sich im Steinbruch kein Wald bilde, so Bouillon. Damit die Tiere ihren ökologischen Zweck erfüllen sei es allerdings wichtig, dass sie von Spaziergängern und Anwohnern nicht zusätzlich gefüttert werden. Bouillon betont, dass menschliche Nahrung nicht für die Ziegen geeignet sei. "Die Ziegen fühlen sich wohl und sind sehr freundliche Tiere. Die Gärtner schauen jeden Morgen nach dem Rechten." Die technische Leiterin berichtet von zahlreichen interessierten, aber auch besorgten Anrufen. Vor einigen Wochen habe sich ein junger Ziegenbock vom Rest der Herde abgegrenzt und mehrere Stunden auf einem schmalen Vorsprung der Steinwand ausgeharrt. Mit gutem Zuspruch des Personals und der Unterstützung der restlichen Herde habe sich das junge Tier aber problemlos aus der misslichen Lage befreien können. 

Der Einsatz der Ziegen im botanischen Garten endet bereits in wenigen Tagen. Dann zieht die Herde weiter in andere Naturschutzgebiete wie den Lengericher Canyon oder auf den Silberberg in Hagen a.T.W., bevor es im Winter in den Stall geht. 

Zur Sache

Aktionstag im Steinbruch
Für den Aktionstag am 26. Oktober 2019 werden Freiwillige gesucht!

Der Südhang des Steinbruchs soll von Waldreben befreit werden. Alle Helfer werden mit einem kostenlosen Mittagessen für ihre Mithilfe im Naturschutz entlohnt. 

Weitere Infos: https://www.bogos.uni-osnabrueck.de/ 


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