Osnabrücker Student und Westerkappelner Paar angeklagt Angestellte bestahlen Supermarkt in Haste

Für Justizia zählt nicht der Glaube, sondern, was an Schuld tatsächlich nachgewiesen werden kann. Foto: Peter Steffen/dpaFür Justizia zählt nicht der Glaube, sondern, was an Schuld tatsächlich nachgewiesen werden kann. Foto: Peter Steffen/dpa

Osnabrück. Mit zwei Verurteilungen und einem Freispruch endete ein Prozess vor dem Osnabrücker Amtsgericht. Angeklagt waren zwei Männer und eine Frau. Sie hatten in einem Supermarkt in Haste Waren mitgehen lassen lautete der Vorwurf.

Die drei arbeiteten stets in den Abendstunden in dem Verbrauchermarkt. Ein 20-jähriger Biologiestudent aus Osnabrück  jobbte dort an der Kasse, ein 56-jähriger Westerkappelner war in seiner Funktion als Chef eines Sicherheitsunternehmens vor Ort. Die Kontrolle der mitgebrachten Kundentaschen nahm aber nicht er vor, sondern seine Ehefrau, ebenfalls 56 Jahre alt.

Waren für 1500 Euro mitgehen lassen

Laut Anklage soll das Trio vor einem Jahr gemeinsam und als Bande handelnd, Waren ohne Bezahlung aus dem Supermarkt am Östringer Weg gebracht haben. Zumeist ging es beim Diebesgut um Alkohol, Zigaretten und Haushaltsprodukte, listete der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklageschrift auf. Insgesamt entstand dem Supermarkt ein Minus von knapp 1500 Euro.

Während der Student und die Frau einräumten, die Taten begangen zu haben, bestritt der 56-jährige Ehemann jeden Vorwurf. Er habe davon nichts mitbekommen und seiner Frau geglaubt, wenn sie zum Feierabend gegen Mitternacht meinte, die Waren habe sie bereits bezahlt.

Robin Hood der Lebensmittelbranche

Warum er denn als Chef des Sicherheitsunternehmens seinen Auftrag nicht selbst versehen habe, statt ihn an die Ehefrau zu delegieren, wollte die Richterin wissen. „Ich habe ihr meinen Job überlassen, damit ich in dieser Filiale die Dinge richtig mache, die falsch liefen“, antwortete der 56-Jährige. Wie er berichtete, habe er in den Abendstunden nicht nur freiwillig und unbezahlt die Leergut-Situation im Markt optimiert, sondern auch den gesamten Getränke- und Spirituosenbestand auf Vordermann gebracht.

Hintergrund seines freiwilligen Engagements sei seine berufliche Sozialisation als Einzelhandelskaufmann gewesen. „Sie können mit hier als Angeklagter erzählen, was Sie wollen, aber Sie müssen nicht denken, dass wir diese Märchenstunde vom Robin Hood der Lebensmittelbranche glauben“, gab die Richterin zurück.

Videomitschnitte entlasten einen Angeklagten

Wie flogen die Diebstähle schließlich auf? „Wir hatten über Wochen Minusdifferenzen in der Kasse“, schilderte der vom Supermarkt bestallte Detektiv im Zeugenstand. „Zunächst haben wir geschaut, wer hat wann gearbeitet, womit wir aber nicht richtig weiterkamen. Erst durch den Einbau der Videokamera war es dann klar.“

Durch Sichtung dieser Videomitschnitte vor Gericht konnte dem 56-Jährigen Angeklagten eine konkrete Beteiligung an den Diebstählen nicht nachgewiesen werden. Daher beantragte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag, dass der Mann freizusprechen sei. Dem folgte auch das Gericht, „obwohl wir genügend Fantasie haben, uns vorzustellen, was vielleicht wirklich gelaufen ist, und dass Sie so gar nichts damit zu tun haben, glauben wir nicht“, meinte die Richterin. Aber entscheidend vor Gericht sei nicht der Glaube, sondern der Nachweis der Schuld und den könne man in diesem Fall nicht führen.

13 Fälle des gewerbsmäßigen Diebstahls

Damit fiel der Vorwurf des bandenmäßigen Diebstahls unter den Tisch, denn dafür braucht es mindestens drei Täter. Übrig blieben daher je sechs Delikte des gewerbsmäßigen Diebstahls für den Studenten sowie sieben Straftaten für die 56-Jährige.

Unmut äußerte dann einer der drei Verteidiger. Gegen die permanent verfolgte Strategie, die 56-Jährige als treibende Kraft der Diebstähle hinzustellen, die den Studenten quasi zu den Straftaten gedrängt habe, verwahrte sich im Schlussvortrag der Verteidiger der 56-Jährigen an die Adresse seiner Berufskollegin.

Verurteilt wurde der Student schließlich nach Jugendrecht, da er zum Zeitpunkt der Taten noch unter 21 Jahren war. Er erhielt 100 Sozialstunden aufgebrummt. Zehn Monate Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung – und eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro verhängte das Gericht für die 56-jährige Angeklagte.


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