MINT-Fächer für junge Frauen Osnabrückerinnen lernen den Alltag in technischen Berufen kennen

Mit dem 3-D-Drucker den eigenen Namen auf einen Flaschenöffner bringen? Kein Problem für ein CAD-Programm und auch nicht für Marie Bosse, die den MINT-Nachmittag im Kreishaus besuchte. Foto: Stefan BuchholzMit dem 3-D-Drucker den eigenen Namen auf einen Flaschenöffner bringen? Kein Problem für ein CAD-Programm und auch nicht für Marie Bosse, die den MINT-Nachmittag im Kreishaus besuchte. Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Zum ersten Mal hatten jetzt naturwissenschaftlich und technikbegeisterte Schülerinnen die Chance, an einem Ort mehr über die berufliche Zukunft ihrer Lieblingsfächer zu erfahren. Eine Reihe von Unternehmen und Institutionen stellte im Kreishaus in Osnabrück ihren Arbeitssalltag dar.

Hanne und Juliane haben nach 75 Minuten Speed-Dating mit verschiedenen Betrieben nur einen kurzen Moment Zeit - zu groß ist die Auswahl. Die zwei Schülerinnen aus Schledehausen eint nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern auch ein großes Interesse für die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Adressen für Praktikum besorgt

Juliane Pruhs etwa hat nach den Speed-Dating-Runden eigentlich schon ihr Tagesziel erreicht. „Ich bin hierhin gekommen, weil ich für nächstes Jahr einen Praktikumsplatz brauche“, sagte die 15-Jährige. Bei den 15-minütigen Speed-Gesprächen mit den Azubis von Unternehmen aus der Region, hat sie am Ende die Adressen von Amazone, KME und Kesseböhmer in der Tasche.

Klarer ist für Hanne Schmitz nach den Gesprächsrunden nun, was hinter dem MINT-Begriff für Berufe stehen können. Damit hat die 16-Jährige für das Veranstalter-Netzwerk schon einen wichtigen Erkenntnisfortschritt gemacht. „Vielen junge Frauen ist noch nicht so stark bewusst, wie stark die Technik mittlerweile die Arbeitswelt verändert hat. Eine klassische Trennung in rein technische und nicht-technische Berufe gibt es heute gar nicht mehr“, verdeutlichte Barbara Schwarze am Rande der Veranstaltung.

Frauen und Technik: Gefragt in Unternehmen

Die Hochschulprofessorin für Gender und Diversity-Studies hatte den Nachmittag zusammen mit mehr als zehn Institutionen und mehreren Firmen aus der Region initiiert. Das junge Frauen trotz Begeisterung, etwa für Naturwissenschaften, dann beruflich doch etwas anderes machen, ist für die Gesellschaft misslich, sagt Schwarze.

Gute Erfahrungen habe man mit dem Niedersachsen-Technikum gemacht, das ebenfalls an der Hochschule Osnabrück eine Zweigstelle hat. Angesprochen werden damit junge Frauen mit Abitur oder Fachabitur, die nach der Schule noch unschlüssig hinsichtlich der Berufswahl sind. Innerhalb eines sechsmonatigen Programms lernen sie in einem bezahlten Unternehmenspraktikum an vier Wochentagen das Arbeitsleben in einem MINT-Beruf praxisrelevant kennen. An einem Tag pro Woche nehmen die sogenannten Technikantinnen an einem Schnupper-Studium an einer niedersächsischen Hochschule oder Universität teil. „Das Niedersachsen Technikum funktioniert über die erlebte Praxis in den Betrieben, und weil die jungen Frauen merken: Ich kann das und die Firmen wollen mich auch“, so Schwarze.

Kostenfreie Kurse ab September

Eine, die eine Firma wollte, ist Alexandra Emskamp. Sie absolvierte zwar nicht das Niedersachsen-Technikum, aber interessierte sich schon länger für alles rund um den Elektromotor. Bei KME baut sie derzeit ihre Kenntnisse mit einer Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik aus. Auch Alexandra Emskamp stand währen der Veranstaltung bereit, Fragen zu beantworten. Etwa nach dem, was man neben dem Talent auch mitbringen sollte. „Man muss in meinem Beruf beispielsweise damit leben können, dass es auch mal körperlich schwer wird oder Kabel an ungewöhnlich hohen Orten zu ziehen.“ Aber dafür habe sie jetzt keine Höhenangst mehr, fügt die 18-Jährige aus Bohmte mit erfrischendem Selbstbewusstsein hinzu.

Info: Ab Mittwoch, 4. September 2019, starten am technischen Gymnasium in Osnabrück, Brinkstraße 17, von 15-18 Uhr, auch für technikbegeisterte Schülerinnen kostenfreie Kurse in CAD, Mechatronik und Informationstechnik. Die Themen-Einheiten gehen über je vier Wochen und können wahlweise oder fortlaufend besucht werden. Anmeldungen via Suthe@VME-Stiftung.de


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN