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Motiv: Rache Brutale Schlägerei am Osnabrücker Güterbahnhof: Der Staatsanwalt glaubt nicht an einen Mordplan

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Die Disco- und Partymeile am ehemaligen Güterbahnhof. Foto: Archiv/Gert WestdörpDie Disco- und Partymeile am ehemaligen Güterbahnhof. Foto: Archiv/Gert Westdörp

Osnabrück. Der Überfall auf René K. und seinen Neffen Felix H. vor der Diskothek Five Elements auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ist für Staatsanwalt Jörg Schröder nicht ein versuchter Mord, den er bisher vermutet hatte. Er forderte für die drei Angeklagten vor dem Landgericht Freiheitsstrafen bis zu viereinhalb Jahren – wegen schwerer Körperverletzung. Auch die Verteidiger hielten ihre Plädoyers. Vorher hatte der Psychiater Dr. Gerold Asshoff erläutert, wie es um die drei geständigen Täter bestellt ist.

René K. und Felix H. waren in der Nacht zum frühen Sonntagmorgen des 31. Juli 2011 auf der Fußgängerunterführung zwischen der Hamburger Straße und der Bruchstraße unterwegs und begegneten den späteren Tätern Jan M. (21), Leandro S. (20) und Falk L. (22). Es kam zu einem Wortgefecht zwischen den beiden Gruppen. René K. hat offenbar auf eine Provokation hin mit seinem Kopf nach Jan M. geschlagen, der einen halben Schneidezahn verlor und später auf Rache sann. Zwei Stunden darauf kam es vor der Diskothek Five Elements zur Eskalation. Dabei wäre René K. beinahe ums Leben gekommen. Beide leiden unter den Folgen.

Doch dass er und seine Freunde die beiden umbringen wollten – diesen Vorwurf will Staatsanwalt Schröder nun nicht mehr im Raum lassen: „Ein Tötungsvorsatz ist nicht zu erkennen.“ Für ihn hat sich die Tat gegen 5 Uhr so abgespielt: Jan M. schlug René K. mit der Faust bewusstlos, unmittelbar darauf traf die Faust von Falk L. dessen Neffen Felix, der ebenfalls zusammensackte. Während Falk L. sich daraufhin sofort zurückzog, haben Jan M. und Leandro S. vor allem auf die Köpfe ihrer beiden Opfer eingetreten. „Es war ein schwerer Exzess“, wie es der Staatsanwalt formulierte. Und er ist sich sicher: Wenn sich nicht eine Studentin und ein Tischler eingemischt hätten, wäre zumindest René K. zu Tode gekommen.

Alle drei Täter sind unter anderem wegen Körperverletzung vorbestraft. Deren jeweilige Schwere ließ der Staatsanwalt in seine Anträge einfließen. Aus seiner Sicht muss Leandro S. wegen schwerer Körperverletzung für viereinhalb Jahre ins Gefängnis und Jan M. für das gleiche Delikt vier Jahre. Während er für die beiden das Jugendstrafrecht angewandt wissen möchte, sieht er für den älteren Falk L. keine Alternative zum Erwachsenenstrafrecht: Er beantragte anderthalb Jahre wegen der Körperverletzung, allerdings mit dem Zusatz „Beteiligung an einer Schlägerei“.

Nebenklagevertreterin Kathrin Hoffmann dagegen sieht sehr wohl eine Tötungsabsicht und fordert für Leandro S. sechseinhalb Jahre, für Jan M. sechs Jahre und für Falk L. anderthalb Jahre Gefängnis. Klaus Rüther, der Leandro S. verteidigt, hält vier Jahre für angemessen, Harald Kolsen für seinen Mandanten Jan M. drei Jahre. Anwalt Christian Acksteiner möchte Falk L. auf freiem Fuß sehen: „Er verdient eine Bewährung.“

Die Angeklagten verbindet mehr als Vorstrafen und Freundschaft, wie Psychiater Gerold Asshoff erläuterte: Sie sind ohne Vater aufgewachsen, neigen zu Alkohol, Cannabis und Kokain. Der Psychiater sprach von Schäden an ihrer seelischen Gesundheit. Um die herzustellen, seien Therapien wichtig, damit die drei entdecken, „was sie bisher nicht haben fühlen können oder wollen“.


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