Modeinszenierung mit Frühstück bei Paletot in Osnabrück Designerin präsentiert selbstironisches Spiel mit der Identität

Beim "Breakfast inside Paletot" inszenierte Annette E. Schneider live ihreHerbst-/Winter Kollektion w1920 “stillness - opposite of sound“. Foto: Gert WestdörpBeim "Breakfast inside Paletot" inszenierte Annette E. Schneider live ihreHerbst-/Winter Kollektion w1920 “stillness - opposite of sound“. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück . Keine klassische Modenschau, sondern eine „Inszenierung mit performativem Charakter“ präsentierte die Modedesignerin Annette E. Schneider unter dem Motto „breakfast inside Paletot“ am Sonntag im Paletot-Loft in den Martinihöfen. Dies war eineVorabpräsentation der Herbstkollektion „stillness – opposite of sound“. Die Kollektionsinszenierung selbst zeigt Schneider auch bei der Kulturnacht.

Bevor es losging erhielten die vornehmlich weiblichen Besucher im Modeloft noch zwei Regieanweisungen: Sie wurden gebeten, ihre Handys auszuschalten und dicht an den Tisch zu rücken. Diese Erklärung erschloss sich beim Betreten des hinteren Loftbereiches, wo ein schlicht gedeckter Tisch die Blicke auf sich zog.  

Foto: Gert Westdörp

Schneider und zwei Models standen Statuen gleich mit Blick auf den Tisch auf einem Podest – gekleidet in Schnittmuster. Die Designerin trug ein schmales, langes Schnittmuster. In Kombination mit einer großen Sonnenbrille erinnerte das Kleid an Audrey Hepburn – nicht ohne Grund: „Truman Capotes Frühstück bei Tiffany – was darin nicht vorkommt, ist ein Frühstück bei Tiffany“, so Schneider und fügte hinzu: „Breakfast inside Paletot. Was darin nicht vorkommt ist Audrey Hepburn.“  

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Es folgte der erste Gang: Sekt, Saft, Schnittchen und Stille. Die beiden Modells servierten alles nach und nach, langsam und in Stille: Die Konversation mit den knapp 30 Gästen verlief dabei pantomimisch. Zunächst lag eine gespannte Stille im Raum, dem folgte ein Murmeln. Dann wurde es ganz ruhig – nur das Ploppen eines Sektkorkens war zu hören. Das ganze wirkte sehr entschleunigend.

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Während des Frühstücks zitierte Schneider mehrfach einen Satz von Oscar Maria Graf: „Es muss jetzt doch bald mal wahr sein, dass ich berühmt bin.“ Sie änderte jedes Mal die Betonung, wodurch sich auch die inhaltliche Aussage wandelte. Hier war es wieder, das Spiel mit der Identität. Zur Erinnerung erhielten die Zuschauer das Zitat ausgedruckt geschenkt.

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Als Überleitung zur Kollektionspräsentation erläuterte Schneider die mathematische Gleichung ihres persönlichen Gestaltens. Diese gab es ebenfalls als Erinnerung zum Mitnehmen. Und damit die im Folgenden präsentierte Mode nicht unter Fettflecken vom gerade verzehrtem Croissant litt, servierten die „wandelnden Schnittmuster“ Feuchttücher zum Hände säubern.

Foto: Gert Westdörp

„Macht Kunst eigentlich satt“, fragte Schneider nun ihre Gäste, um kurz darauf selbst zu antworten: „Wer wüsste das jetzt besser als sie meine Damen und Herrn.“ Dann leitete sie ihre Gäste in verschiedene „Stillness Rooms“, in denen die Models die aktuelle Kollektion vorführten.

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Die Designerin findet, in Kunst und Design sei vieles aufgeblasen und würde sehr klug verkauft werden. Dem setze sie ihren eigenen Ausdruck, ihre eigene Ästhetik und eine funktionale, klare Form entgegen. „Ich bin immer minimaler und klarer geworden“, so Schneider beim Blick auf vorhergehende Kollektionen. Ihre Mode sei zwar aufs Wesentliche reduziert, basiere dennoch auf komplexen Schnittmustern. Diese seien an handwerklich sehr aufwendigen Details erkennbar, die sich jedoch nicht aufdrängten, sondern oft erst auf den zweiten Blick auffielen. Ein Beispiel sei das Shiftkleid, dessen Rückenflosse überrasche, die Längsrichtung betone und gleichzeitig aufbreche.

Foto: Gert Westdörp

Dieses Flossen-Motiv nahm Schneider beim Wintermantel ebenfalls auf. Ein zweites Kollektionsthema ist die Asymmetrie, die Schneider unter anderem auch beim Mantel umsetzt. Hier tut sie diese mittels eines einseitigen Revers. Blickfang einer unifarbenen Flanellhose hingegen ist ein abnehmbares, asymmetrisches Element. Wird dieses weggelassen, wirkt die sehr weite Hose wie ein Hosenrock und erhält eine ganz andere Optik.

Foto: Gert Westdörp

„Ein Kleidungsstück muss selbsterklärend sein und zu jeder Tageszeit und jedem Anlass funktionieren“, so Schneider. Was sich jedoch nicht beim Blick auf die neuen Teile automatisch erschließt, ist, dass die Designerin nur Stoffe aus der EU verarbeitet sowie auf ökologische und faire Standards achtet. Deshalb informierte sie darüber ebenfalls in einem der "Stillness Rooms". 

Zweite Präsentation bei der Kulturnacht

Die Herbstkollektion „stillness – opposite of sound“ präsentiert Schneider weitere Male bei der Kulturnacht am Samstag, 31. August, von 18 bis 24 Uhr in den Martinihöfen. 


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