„Einladung zur Unterbrechung“ Finanzspritze nach freiwilligem Jahr: Bistum vergibt 21 Ausbildungsstipendien

Investition in die Persönlichkeitsbildung: Die Stipendiaten des Bistums mit Caritas-Direktor Franz Loth (links) und Generalvikar Theo Paul (rechts) nach der Urkundenübergabe vor dem Forum am Dom. Foto: Swaantje HehmannInvestition in die Persönlichkeitsbildung: Die Stipendiaten des Bistums mit Caritas-Direktor Franz Loth (links) und Generalvikar Theo Paul (rechts) nach der Urkundenübergabe vor dem Forum am Dom. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Im Forum am Dom nahmen 21 junge Menschen, die im Bistum Osnabrück ihren Freiwilligendienst absolviert haben, Urkunden für ein in dieser Form bundesweit einzigartiges Stipendium entgegen. Als Unterstützung ihrer Berufsausbildung und Persönlichkeitsentwicklung erhalten sie drei Jahre lang monatlich bis zu 300 Euro.

Seit sechs Jahren vergeben das Bistum Osnabrück und der Caritasverband Stipendien für engagierte junge Menschen, die im Bistum einen einjährigen Freiwilligendienst absolviert haben. Gedacht sind die maximal 300 Euro, die über drei Jahre lang monatlich gezahlt werden, als Anschubfinanzierung für ein Studium oder eine kostenpflichtige Ausbildung – möglichst mit dem Ziel, danach in einer Caritas-Einrichtung oder bei der Kirche zu arbeiten. 

In diesem Jahr wurden aus 80 Bewerben 21 Stipendiaten ausgewählt. Sie stehen als angehende Hebammen, Ergotherapeuten, Pflegeassistenten, Heilpädagogen, Heilerziehungs-, Alten- oder Krankenpfleger entweder am Anfang einer Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich oder beginnen demnächst ein Studium. Hier erstreckt sich das Spektrum von Medizin über Theologie bis hin zur Psychologie. 

Feierlicher Rahmen

Urkunden gab es nun für jene ehemaligen Freiwilligendienstler, die nicht nur durch gute Noten, sondern vor allem durch ihre Arbeit und ihre Persönlichkeit besonders überzeugt haben. Für weltliche musikalische Zwischentöne sorgte ein afrikanisches Duo, dessen sudanesischer Sänger seit 25 Jahren in Osnabrück lebt und hier promoviert hat. 

Im Anschluss an die Begrüßung durch die Leiterin der Arbeitsstelle Freiwilligendienste im Bistum Ann-Cathrin Röttger verwies auch Generalvikar Theo Paul darauf, dass die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus des Stipendiums steht. Man lasse sich „ausbilden, um etwas zu können“ und „bilden, um etwas zu werden“, plädierte er dafür, Bildung nicht auf Ausbildung zu reduzieren. Insofern sei das Stipendium vor allem eine „Einladung zur Unterbrechung“, ermutigte Paul die Stipendiaten, neben und im Zuge ihrer Ausbildung auch das „Unbezahlbare“ zu entdecken und zu kultivieren. 

Chancen eröffnet

Einen kleinen Eindruck davon, was damit gemeint sein könnte, vermittelte ihnen Felix Ruhe aus Glandorf, der nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Bistum vor drei Jahren begonnen hat, in Münster Soziale Arbeit zu studieren - finanziell unterstützt durch eben dieses Stipendium, das bundesweit einzigartig ist. Es habe ihm ermöglicht, die Dinge ruhiger und gelassener anzugehen, verriet er und nannte als Beispiele, „nicht gleich die erstbeste Wohnung“ nehmen zu müssen oder mehr reisen zu können. Aber auch an die begleitenden Jahresgespräche, die er „wie Therapiestunden“ genoss, und die Seminarangebote mit aktuellen, „gesellschaftsrelevanten“ Themen wie Nachhaltigkeit, Flucht oder faire Arbeitsbedingungen erinnerte sich Ruhe gern zurück.

Caritas-Direktor Franz Loth nutzte die Gelegenheit, um die gegenwärtige „Repolitisierung junger Menschen entlang konkreter Themen“ zu loben. Gerade in einer „Achsenzeit“, in der sich alte Gewissheiten auflösen würden, sei es wichtig, trotz aller Vielfalt Zusammenhalt zu üben und nicht als „Bürgerschreck“, sondern „mit friedlichem Protest“ an einem Strang zu ziehen, um die politische Kultur zu ändern, betonte er - und verband das mit dem Wunsch, dass auch die neuen Stipendiaten diesbezüglich „mitmischen“ und „mit anpacken“ werden.


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