Grenzen überwinden Jan Tichy und Christian Oxenius mit „Crossing Lines“ in der Kunsthalle

„Crossing Lines“ - kreuzende Linien ist der doppeldeutige Titel der neuen Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück.  Foto: Jörn Martens„Crossing Lines“ - kreuzende Linien ist der doppeldeutige Titel der neuen Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Sechs Künstler begeben sich in der Kunsthalle Osnabrück in einen besonderen Dialog mit dem Bauhauslehrer László Moholy-Nagy.

Es war Archimedes, der einst aufgebracht einen römischen Hauptmann anherrschte: „Störe meine Kreise nicht!“ Im Gegensatz zu den geometrischen Figuren, die der griechische Mathematiker in den Sand gezeichnet hatte, sind die Kreise und Linien aus Sand, die jetzt im Kirchenschiff der Osnabrücker Kunsthalle aufgetragen wurden, erforschbar. Es sind Erkundungen des Künstlers Jan Tichy, der sich mit seinen Sandlinien auf die Spur des Bauhauslehrers László Moholy-Nagy begibt.

Dass einige Vorreiter der Moderne nicht nur rational denkende und handelnde Künstler waren, sondern auch einen gewissen Hang zum Spirituell-Metaphysischen hatten, zeigt Tichy anhand seiner Rauminstallation auf. Als Grundlage für seine These und die daraus resultierende Arbeit führt er mehrere Quellen auf: Drei Horoskope, die sich Moholy-Nagy zwischen 1926 und 1946 anfertigen ließ, sowie kürzlich wiederentdeckte Handabdrücke des Künstlers. Offenbar hatte der ungarische Bauhaus-Lehrer im Glauben an die Möglichkeit, sich per Chiromantie die Zukunft vorhersagen zu lassen, Kollegen und Studenten der Lehranstalt animiert, mit ihm zusammen Farbabdrücke der Hände auf Papier zu verewigen. Zwölf Kollegen beteiligten sich an der Aktion. Das Resultat ist jetzt in einem inneren Kreis im zur Kunsthalle umfunktionierten Kirchenschiff zu begutachten. Erweitert wurden die historischen Reproduktionen von jeweils 13 Handabdrücken, die Tichy im Rahmen von Werkstattkursen aufnahm, die er in den USA, in Italien und Tschechien mit Kunststudenten und Professoren veranstaltete. Analog zu den Linien und Kreisen, die Tichy in Moholy-Nagys Horoskopen analysierte, verband er die Drucke mit farbigen Sandlinien. „Wir wollen mit den Bauhaus-Künstlern in einen Dialog treten“, sagt Christian Oxenius, der die Ausstellung in der Kunsthalle zusammen mit Jan Tichy kuratierte.

„Crossing Lines“ ist der doppeldeutige Titel, den die beiden ihrer Schau gaben und für die sie fünf weitere Künstler nach Osnabrück einluden. Zusammen wollen sie, von den kreuzenden Handlinien ausgehend, Grenzen überwinden. „Wir wollen die Ideen des Bauhauses nicht kopieren, nicht glorifizieren, sondern uns mit diesem kulturelle Erbe in der Gegenwart auseinandersetzen“, sagt Oxenius.

Auf ganz unterschiedliche Weise begaben sich Tichy sowie Heba Y. Amin, Jakob Gautel, Olaf Holzapfel, Reuven Israel und Kostis Velonis auf den Weg der Annäherung. Velonis widmete sich beispielsweise dem „Kleinen Schiffsbauspiel“, mit dem Alma Siedhoff-Buscher erfolgreich wurde: Er baute für die Ausstellung eine die Größendimensionen sprengenden Maxiausgabe des Spielzeugs in anderen Farben. Jakob Gautel setzt sich in seiner Arbeit „Kompost“ mit seiner Familientradition auseinander. Seine Großeltern waren beide Bauhaus-Schüler. Also begab er sich auf die Suche nach Relikten und Zeitzeugnissen, die er jetzt in zwei Holzbehältern dem Verfall preisgibt. Als künstlerischer Archivar verbindet Olaf Holzapfel Natur und Technologie: Ein digitales Raster mit dem Titel Archiv 7 aus dem Jahr 2007 stellt er drei Heubildern in einem Holzgestell gegenüber, das als Bewahrer einer alten, traditionellen Dämmtechnik bei Fachwerkhäusern dient. Aus nordafrikanisch-arabischer Perspektive nähert sich Heba Y. Amin der Materie, derweil Reuven Israel mit seinen Skulpturen das Irdische mit dem Himmel verbindet.

Eine Parallelausstellung zu „Crossing Lines“ findet ab September in Chicago statt.

Kunsthalle Osnabrück: „Crossing Lines“. Künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Handabdruck des Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy von Heba Y. Amin, Jakob Gautel, Olaf Holzapfel, Reuven Israel, Kostis Velonis und Jan Tichy. 24. August (Eröffnung um 19 Uhr) bis 3. November, Di. 13-18 Uhr, Mi., Do. und Fr. 11-18 Uhr, am zweiten Donnerstag im Monat 11-20 Uhr, Sa. und So. 10-18 Uhr.


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