„Vom Leben gezeichnet“ Polarisierende Kritzel-Comedy mit Micha Marx bei „Kultur im Innenhof“

Schön skurril: Micha Marx lässt es im Innenhof des Hauses der Jugend krachen. Foto: André HavergoSchön skurril: Micha Marx lässt es im Innenhof des Hauses der Jugend krachen. Foto: André Havergo

Osnabrück. Als nicht mehrheitsfähig erwies sich der skurrile Humor von Micha Marx, der bei "Kultur im Innenhof" im Osnabrücker Haus der Jugend eigenhändig illustrierte Geschichten aus seinem Leben erzählte.

Untypisch viele Plätze waren diesmal leer geblieben bei „Kultur im Innenhof“. Deshalb kam Micha Marx, der sich selbst als „kritzelnden Klamauk-Künstler“ betitelt, zu Beginn seines Auftritts gleich noch einmal auf die Bühne am Haus der Jugend, um zumindest den Applaus zu „optimieren“. Als das gut funktionierte, attestierte er denen, die gekommen waren, „leicht beeinflussbar“ zu sein und später auch „leicht zu beeindrucken“, nachdem er als mitgebrachten „Spezialeffekt“ den Abzug seiner Konfettipistole gelöst hatte. 

An Bildern nicht gespart

Dabei ließ sich gerade das für den Rest des Abends kaum behaupten. Ganz im Gegenteil wirkten nicht nur überdrehte und buchstäblich überzeichnete Salsa- und Rumba-Tanzeinlagen auf einen Großteil des Publikums offenbar leicht verstörend. Der Rest allerdings amüsierte sich prächtig, als der Wahlrheinländer mit bebilderten, „vom Leben gezeichneten“ Geschichten in Wort und Bild etwa gegen seinen „inneren Schwabenhund“ ankämpfte, „Schwäbisch für Anfängerle“ lehrte oder über „schwäbische Anatomie“ aufklärte – bis hin zur „Handasch“ am Arm der Frau und dem „LKW“ (Leberkäsweckle) an dem des Mannes.

Machte sich sein eigenes Bild von dem ein oder anderen Zuschauer: Micha Marx. Foto: André Havergo

Kluge Analogie

Politisch wurde Marx nicht nur, indem er seine Zeichnungen „deutscher Tiere“ wie dem „Hutwürger“ oder dem „Sieg-Heilbutt“ präsentierte. Sondern auch in einem fein gezeichneten Kommentar zum Baby-Boom, der „Wirtschaftssäuglinge“ produziere, die „immer nur haben wollen“, sich aufgrund ihrer „anderen Kultur“ nicht integrieren, „uns Männern“ die Frauen wegnehmen und sich in „Ausbildungszentren“, sprich: Schulen“ radikalisieren würden, weswegen sie in „sichere Herkunftsorte“, sprich: den Mutterleib zurückgeführt werden sollten. Eine ebenso amüsante wie kluge und treffliche Analogie zur grassierenden Fremdenfeindlichkeit.

Sach- und Lachunterricht im Innenhof. Foto: André Havergo

Lachen will gelernt sein

Ansonsten verarbeitete der 33-jährige gebürtige Schwabe mit seinen illustrierten Geschichten mal traumatische Erfahrungen aus dem Schwimmunterricht, mal seine „postpubertäre Midlife-Crisis“ und mal seinen Zwang, Beschwerdebriefe an Unternehmen zu schreiben oder interpretierte die Schöpfungsgeschichte auf seine ganz eigene Weise. Dabei war es bezeichnend, dass Marx das Osnabrücker Publikum mit einem „Lachtraining“ zum Lachen bringen musste – von freundlich über ironisch bis zu hysterisch. Schade, denn sein schön skurriles Programm hätte mehr „natürliche“ Lacher - und auch mehr Publikum - verdient.


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