Laien entwickeln Computerspiele Game Days Osnabrück: Mit dem Pinguin den Klimawandel stoppen

Mit der Programmiersprache Scratch lassen sich kinderleicht eigene Spiele entwickeln. Das Tool ist sogar kostenlos. Foto: Swaantje HehmannMit der Programmiersprache Scratch lassen sich kinderleicht eigene Spiele entwickeln. Das Tool ist sogar kostenlos. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Mit dem Pinguin den Klimawandel stoppen – klingt komisch, aber genau das haben junge Spieleentwickler bei den Game Days in Osnabrück in einem Workshop umgesetzt. Doch es gab noch mehr spannende Angebote.

Dass Video- und Computerspiele längst nicht mehr nur eine möglichst spaßige Art und Weise sind, sich die Zeit zu vertreiben, haben am Wochenende die Game Days im Haus der Jugend in Osnabrück eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Computerspiele werden in der Bildungsarbeit eingesetzt, sind eine Spielwiese für kreative Entwickler, lassen sich in eine Comedyshow einbinden oder erwachen in Bastelworkshops in der analogen Welt zu neuem Leben. Organisiert wurde das Wochenende von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Jugend & Film Niedersachsen.

Los ging es am Freitag mit der Fortbildung "Games in der Bildungsarbeit" für Lehrer und Pädagogen. Die Fachkräfte erhielten einen Überblick darüber, warum Spiele einen so wichtigen Teil der Jugendkultur ausmachen. Zudem ging die Gruppe der Frage auf den Grund, wie Spiele in der Jugendarbeit eingesetzt werden können, sei es zur Vermittlung von Inhalten oder als Werkzeug in kreativen Projekten.

Schnellere Lernerfolge durch Computerspiele

Parallel zu den Pädagogen entwickelten kreative Köpfe – zwischen Anfang 20 und Ende 70 Jahre alt – im "Game Jam for Future" eigene Computerspiele zum Thema Klima- und Umweltschutz. Workshopleiter Eric Jannot, Leiter des Studiengangs Game Design am Hamburger Campus der University of Applied Sciences Europe, verfolgte dabei den sogenannten Gamification-Ansatz. Dabei können Personen durch spielerische Elemente dazu motiviert werden, ansonsten monotone oder komplexe Aufgaben zu erfüllen. Dies soll vor allem dazu führen, schnellere und bessere Lernerfolge zu erzielen. "Mit dem Spiel Dragonbox lernen Schüler zum Beispiel drei bis vier mal schneller multiplizieren", erklärt Jannot, "denn es erzählt eine Geschichte, die Zahlen haben dabei verschiedene Persönlichkeiten." 

Diesen Ansatz versuchten die Teilnehmer der Workshops nun auf die Themen Klima und Umweltschutz umzumünzen. In kleinen Spielen zeigten die Teilnehmer auf, welche Folgen der Klimawandel auf Tiere und Umwelt hat. Um sich zunächst in den Themenbereichen auf einen gleichen Kenntnisstand zu bringen, startete der Workshop mit einem Vortrag der Neo-Initiative der Hochschule Osnabrück. Anschließend wurden Themen für Spielideen gesammelten, aus denen sich die Teilnehmer eins aussuchen konnten, gefolgt von einer Einführung in die Programmiersprachen Twine und Scratch. Miguel (22) und Marcel (28) bauten mit Scratch zusammen ein Spiel zum Thema schmelzende Pole und Temperaturanstieg. Aus vorgefertigten Befehlsblöcken entstand nach und nach ihr Spiel:

Mit einem Pinguin muss der Anwender dabei in der Arktis Schneeflocken einsammeln. Mit jeder gesammelten Flocke sinkt die automatisch steigende Temperatur wieder. Da aber im Laufe des Spiels immer weniger Flocken fallen, wird es immer schwieriger, den Temperaturanstieg zu verhindern. 

Entwickler mit 75 Jahren

Außerdem bei dem Workshop dabei war Henrik Peitsch vom Projekt Klimalab Osnabrück. Der 75-Jährige Lehrer leitet an verschiedenen Grundschulen in Osnabrück Projekte zum Thema Klimaschutz. Seine Erkenntnisse aus dem Workshop möchte er in seine Arbeit einfließen lassen "Die Spiele sollen bei den Kindern neues Interesse wecken", hofft Peitsch.  

Am Freitagabend konnten die Spiele-Entwickler ihrem Gehirnschmalz dann für die "Incredible Playable Show" etwas Ruhe gönnen. In der interaktiven Videospiel-Comedyshow verwandelten sich die Zuschauer selbst in Game-Controller, scannten sich gegenseitig mit Barcode-Scannern ein und wurden so kleine Bausteine einer Gameshow mit dem Charakter eines Improvisationstheaters.

Die Teilnehmer der Incredible Playable Show. Foto: Kerstin Hehmann

Am Samstag war dann wieder mitdenken angesagt. Schon der Name des Workshops "Mit Bananen Katzen steuern" verrät, worum es ging: Die Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren entwickelten ebenfalls mit Scratch kleine Spiele. Game-Controller waren aber diesmal nicht die Computertastatur, sondern Äpfel und Bananen, indem sie den Stromkreis schlossen. "Die Kinder sollten dabei nicht nur entdecken, wie man Spiele entwickelt, sondern auch, dass man mit ihnen interagieren kann", erklärt Stefan Berendes, Vorstand der LAG.

Schließt die Banane einen Stromkreis, lässt auch sie sich als Steuerung für ein Computerspiel nutzen. Foto: Kerstin Hehmann

In einem anderen Kurs bastelten Kinder und Jugendliche fleißig an einem virtuellen Osnabrück, gebaut mit dem Videopsiel Minecraft. Wer nicht in die digitale Welt abtauchen wollte, der konnte in der Kreativwerkstatt zur Abwechslung mal analog basteln und mit Schere, Papier, Perlen und anderen Materialien die Titelhelden ihrer Lieblingsspiele zu neuem Leben verhelfen.

Wie integriert man Videospiele in Bibliotheken?

Auch für Erwachsene gab es ein weiteres interessantes Angebot. In dem Seminar "Gaming in Bibliotheken" überlegten die Teilnehmer, wie Videospiele und Bücher zusammenpassen. Nicht nur, indem Sie wie Bücher auch, in Bibliotheken ausgeliehen werden können, sondern auch wie sie als ein Teil von Bildungskonzepten oder Gaming-Veranstaltungen nutzbar gemacht werden können.

Weitere Angebote rundeten das Programm am Sonntag ab. Vorstand der LAG, Stefan Berendes, war "rundum zufrieden" mit dem Wochenende. "Insgesamt waren etwa 120 Gäste vor Ort. Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn mehr gekommen wären, aber wir haben diese Veranstaltung in dieser Form zum ersten Mal in Osnabrück durchgeführt", resümiert Berendes. Es müsse vielleicht erst einmal durchsickern, dass die Game Days mehr sind als "zwei Tage Fortnite zocken." Er hofft, dass die Game Days noch einmal eine Chance bekommen und dann eventuell "mehrere hundert Besucher kommen."

Die fertigen Spiele aus dem Workshop sowie die Inhalte aus den anderen Angeboten werden laut Berendes in den nächsten Tagen über die Internetseite der LAG Jugend & Film Niedersachsen öffentlich zugänglich gemacht. 


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