Zwischen Mensch und Maschine Spieltriebe inszenieren Mehdi Moradpours „ein körper für jetzt und heute“

Neuer Spielort für die "Spieltriebe": Auf dem Dachboden im Lauten Speicher am Hafen wird Mehdi Moradpours "Ein Körper für Jetzt und Heute" aufgeführt. Foto: Stadttheater OsnabrückNeuer Spielort für die "Spieltriebe": Auf dem Dachboden im Lauten Speicher am Hafen wird Mehdi Moradpours "Ein Körper für Jetzt und Heute" aufgeführt. Foto: Stadttheater Osnabrück

Osnabrück. Der iranische Autor Mehdi Moradpour spricht im Vorfeld des Spieltriebe-Festivals am Theater Osnabrück über sein Stück "ein körper für jetzt und heute", das dort im Lauten Speicher am Hafen aufgeführt werden wird.

Wie kann Technik unseren Körper verändern? Und was bedeutet das für die Geschlechter, aber auch für die Gesellschaft? Über diese Fragen spricht der aus dem Iran stammende Autor Mehdi Moradpour anlässlich der bevorstehenden Osnabrücker Inszenierung seines Stückes „ein körper für jetzt und heute“ - als deutsche Erstaufführung nach der Premiere am Wiener Schauspielhaus vor rund eineinhalb Jahren. 

Aus dem Iran geflohen

Als „Utopie von einem unbeschriebenen Ort“, in der die „Chance für eine neue soziale Gleichheit“ steckt, versteht er selbst seinen Text, der auch „Fragen der Anerkennung und sozialen Gerechtigkeit“ aufwerfe. Die Hauptperson Elija unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung, die in seinem Land nicht nur erlaubt ist, sondern sogar gefördert wird, um Menschen vor den drastischen Strafen zu bewahren, die auf Homosexualität stehen. „Das kann ein Weg der Befreiung sein, ist aber für die meisten tragisch, da es kein Akt der Selbstermächtigung ist“, sagt Moradpour auch mit Blick auf seine Heimat, obwohl er die Geschichte nicht explizit dort ansiedelt, sondern universell verstanden wissen will. Er selbst ist im Jahr 2001 „politisch aktiv und unruhig“ aus dem Iran geflohen. 

Reale Fälle kennengelernt

Auch in seiner Funktion als Integrationsberater hat der Autor seitdem einige Fälle kennengelernt, die im Iran vor der Entscheidung standen, entweder ihr Geschlecht zu ändern oder das Land zu verlassen. Elija tut beides, weil er darüber hinaus noch mehr will: Nämlich sich in einem Akt von Größenwahn zu einer Art Cyborg machen zu lassen, in dem das Menschsein jenseits aller Geschlechtszuschreibungen exemplarisch optimiert ist. Thematisch gut aufgehoben findet Moradpour deswegen sein Stück auf der grünen Spieltriebe-Route „Menschen-Verbesserer“. Nicht ganz sicher ist er sich, ob das auch für die orangefarbene mit dem Titel „Glänzende Gesellschaft“ gilt, in der es ebenfalls gezeigt wird. Denn die Hauptperson riskiert viel, um im Glauben an die Wissenschaft Grenzen zu überschreiten, setzt sich dabei bewusst der Gefahr der Fremdsteuerung aus und scheitert am Ende.

Bildhafte Sprache

Auf Regieanweisungen verzichtet der Autor ganz bewusst. Die Inszenierung solle dem „lyrischen Fluss folgen“, wünscht sich Moradpour im Gespräch, das noch vor dem ersten Treffen mit Regisseurin Rebekka Bangerter, Dramaturg Alexander Wunderlich und den vier Schauspielern stattgefunden hat. Dass er sehr bildhaft schreibt, wird der Bühnenfassung auf dem Dachboden des Lauten Speichers als neuen Spielort entgegenkommen. Nichtsdestotrotz darf man gespannt sein, was das Regie-Team und die Darsteller aus dem sehr komplexen sprachlichen Gefüge machen werden.


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