Tolles Konzert gegen das Publikum Baby Kreuzberg bei "Live im Grünen" am Büdchen in Osnabrück

Mit viel Leidenschaft trug Baby Kreuzberg seine Songs am Mittwoch am Büdchen vor. Foto: Hermann PentermannMit viel Leidenschaft trug Baby Kreuzberg seine Songs am Mittwoch am Büdchen vor. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Der Sänger und Gitarrist Baby Kreuzberg absolvierte am Mittwochabend einen großartigen und leidenschaftlichen Auftritt im Biergarten des Büdchens. Leider nahm kaum jemand Notiz davon.

Baby Kreuzberg ist am Mittwoch zum fünften Mal zu Gast bei der Reihe „Live im Grünen“ am Büdchen. Ganz voll war es nicht. Dass sich der Sommer dem Ende zuneigt, war auch auf dem Westerberg ersichtlich.

Der Berliner lässt aber beileibe keine frühherbstliche Depression aufkommen. Im Gegenteil: Er singt davon, wie er den Teufel trifft, dass er aufgehört hat zu kiffen, von seiner Sehnsucht nach seiner Frau und seinen Kindern, von der Erdbeerprinzessin oder einem Frauenmörder, der Leichen zerstückelt. Baby Kreuzberg alias Marcus Trabus legt seine Seele in die Songs und kritisiert Errungenschaften der modernen Welt wie die Sozialen Medien. Denjenigen, die von Baby Kreuzbergs Auftritt aus den Sozialen Medien erfahren, sei gesagt: Geht selbst hin, seid mal eine Stunde still und hört zu. Es lohnt sich nämlich, Künstlern wie Baby Kreuzberg zu zuhören.

Bekanntes findet Beachtung

Nur wenige Zuhörer auf dem Westerberg hören Baby Kreuzberg am Mittwoch wirklich zu. Das Problem ist altbekannt, aber ungelöst. Für einen Moment bekommt er jedoch Aufmerksamkeit, die ihm zusteht: Als er „The Wall“ von Pink Floyd auf der akustischen Gitarre spielt, erkennen Besucher des Biergartens die Melodie.

Aber die Aufmerksamkeitsspanne wärt leider nur kurz. Die räudigen Country-, Blues und Rock’n’Roll-Songs von Baby Kreuzberg hätten einen intimeren Rahmen verdient, wo seine intensiven Lieder das Publikum eher berühren können, weil sie den passenden Raum dafür bekämen. Dass Baby Kreuzberg immer wieder zum Büdchen kommt, verdient Respekt. Aber vielleicht ist er auch nur jung und braucht das Geld.

Nach der ersten Pause greift Baby Kreuzberg zur elektrischen Gitarre. Er klingt nun aggressiver und lauter und singt über seine Ex-Freundin, mischt einen Slayer-Riff in einen seiner Songs und legt sich mit dem Thema Religion an. Baby Kreuzberg gibt alles und nicht auf. Er kämpft weiter gegen eine Mauer aus Worten und Desinteresse an. Irgendwann holt er die Axt raus und malträtiert seine Gitarre. Irgendjemand stellt fest: „Jimi Hendrix am Büdchen.“ Aber nicht alle finden das lustig. Manche verziehen ihr Gesicht, nehmen ihre Weinschorlen und suchen sich einen ruhigen Platz weiter hinten.

Es ist wirklich schade, dass Baby Kreuzberg nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Es spricht aber für ihn, dass er nicht geschmollt, sondern seine Musik mit Leidenschaft vorgetragen hat.


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