Mut zum "Jein!" Vlachopoulos begeistert mit Hirn und Slam in Osnabrück

"Ich habe nichts gegen Deutsche - so lange es nicht zu viele auf einem Haufen sind." Im Innenhof vom Haus der Jugend hatten sich einige Deutsche versammelt, um das Programm "Ein ganz klares Jein" von Slampoet Nektarios Vlachopoulos zu verfolgen. Foto: David Ebener"Ich habe nichts gegen Deutsche - so lange es nicht zu viele auf einem Haufen sind." Im Innenhof vom Haus der Jugend hatten sich einige Deutsche versammelt, um das Programm "Ein ganz klares Jein" von Slampoet Nektarios Vlachopoulos zu verfolgen. Foto: David Ebener

Osnabrück . Mit seinem witzig erzählten und rasant geslammten Programm "Ein ganz klares Jein!" wusste Nektarios Vlachopoulos das Publikum am Mittwoch im gut besuchten Innenhof vom Haus der Jugend glänzend zu unterhalten.

"Ich hoffe, das wirkt jetzt nicht aufgesetzt." Das sagt Nektarios Vlachopoulos, als er mit Pandabär-Maske vorm Gesicht auf der Bühne steht. Noch mehr geht es ihm allerdings darum, Gesicht zu zeigen für eine komplexe Welt zwischen Ja und Nein.

Intelligenter Menschenbeobachter 

"Ein ganz klares Jein!" lautet daher der Titel seines zweiten Soloprogramms, mit dem sich der badische Slam-Poet am Mittwoch im Rahmen der Reihe "Kultur im Innenhof" (Veranstalter: Fokus e.V.) im gut besuchten Innenhof vom Haus der Jugend die Ehre gab. Wie schon in seinem Debütprogramm "Niemand weiß, wie man mich schreibt" erwies sich Vlachopoulos nicht nur als begnadeter "Artikulations-Akrobat", sondern auch als intelligenter Menschenbeobachter. Was für einen Sinn mache es etwa, sich Urlaubsfotos anderer Leute ansehen zu müssen? Und warum erkunden Rucksack-Urlauber so gerne gefährliche Gegenden?

"Der Mensch gründet Städte, um die Natur raus zu halten", lautete ein Bonmot des bekennenden Faulenzers, der aus Bequemlichkeit die Story über die drei Gesichter der Japaner oder den australischen Pinselschwanzbeutler den ganzen Abend über aufwärmte. Den Wundern der Natur widmete er sich überhaupt mit wahrem Bienenfleiß. So schilderte er die Unmöglichkeit eines Flirts mit der Liebsten im voll besetzten Zug oder in Gegenwart eines allzu attraktiven Kellners. Vom Sex zum Tod war es für Vlachopoulos dann eine ebenso kleiner Schritt wie zur Beschreibung einer Frühlingswiese als erotischer Tummelplatz allzeit bereiter Blüten und Vögel.

Den Spieß umdrehen

Aufgedreht und tiefenentspannt zugleich wirkte wiederum Vlachopoulos´ Story über den Besuch eines hippen Techno-Clubs, wo Raver abhängen und Günter Wallraff aussieht wie Manuel Neuer. Zudem bewegte Vlachopoulos die Frage, wofür politischer Konservatismus in Zeiten von Cyberkriminalität, Kryptowährung, Fake News und Klimawandel überhaupt noch steht. Als Antwort drehte der Slam-Poet mit griechischen Wurzeln den kulturellen Spieß um, als er verkündete: "Ich habe nichts gegen Deutsche - so lange es nicht zu viele auf einem Haufen sind." 

Nach einer schwäbischen Variante der Sado-Maso-Schmonzette "Fifty Shades of Grey" beendete Nektarios Vlachopoulos sein zweistündiges Programm mit seiner fulminanten "Vokal-Tragödie von Anna, Elke, Iris, Otto und Ulf".      


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