Neue SPD-Arbeitsgemeinschaft Osnabrück wird queer

Im April fand der erste Osnabrücker Christopher Street Day seit 14 Jahren statt. Foto: Swaantje HehmannIm April fand der erste Osnabrücker Christopher Street Day seit 14 Jahren statt. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Unter dem Dach der Osnabrücker SPD hat sich jetzt eine neue Arbeitsgemeinschaft gegründet – die SPDqueer. Die queere Szene sieht sich als Teil der Gesellschaft und will diese mitgestalten.

Was ist die SPDqueer? Was kann sie sein und was will sie? Um hier dem Kern näher zu kommen, scheint es angeraten, sich zunächst einmal dem Begriff "queer" zu nähern. Das Wort, aus dem althochdeutschen ins Englische gewandert und nun mit neuer Bedeutung wieder in der deutschen Sprache angekommen, bezeichnet die bunte Vielfalt geschlechtlicher Lebensrealität. "Queer" geht über die klassische Differenzierung zwischen hetero- und homosexuell hinaus. 

Homosexuelle wurden im englischen Sprachraum lange Zeit mit dem abwertenden Adjektiv "queer" bezeichnet, dass übrigens phonetisch mit seinem englischen "e" dem deutschen "quer" ähnelt. Das deutsche Adjektiv ist, anders als sein englisches Pendant, nicht negativ besetzt und hat zudem eine andere Bedeutung. Im Englischen hat sich "queer" mittlerweile dadurch, dass die damit angesprochene Personengruppe das Wort für sich okkupierte, von seinem negativen Image weitestgehend befreit.

Selbstbewusste Szene 

Die queere Szene ist selbstbewusst und fordert eine Ende der Einmischung in ihren Lebensentwurf und dementsprechend die Anerkennung jeder einzelnen Form der individuellen Überzeugung, sei sie nun schwul, lesbisch, transsexuell, bisexuell, pansexuell, asexuell, objektsexuell oder noch anders orientiert. 

Teil der Gesellschaft

All diesen Menschen ein Gehör zu verschaffen, hat sich die SPDqueer zum Ziel gesetzt. "Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft, und wir möchten sie mitgestalten", sagt der Initiator der jüngsten SPD-Arbeitsgemeinschaft in Osnabrück, Ignacio Mendez. Gemeinsam mit Wiebke Karneth und Christian Renz wurde Mendez auf dem Gründungstreffen zum Sprecher-Team gewählt. „Die Gründung ist ein überfälliger Schritt. Als Partei wollen wir nah an den Osnabrückerinnen und Osnabrückern sein. Unser Ziel bleibt eine Stadtgesellschaft frei von Ausgrenzung und Diskriminierung“, begrüßte Manuel Gava, Vorsitzender der Osnabrücker Sozialdemokraten, die Neugründung. Der Osnabrücker Ableger der SPDqueer ist der vierte auf Landesebene, wie der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Eric Böttcher zu Protokoll gab. 

Für die SPDqueer gehe es nun darum, die bestehenden Angebote in Osnabrück zu stärken und weiter auszubauen, so Gava. Die bisherigen Angebote reichten noch nicht aus. Und Mendez ergänzt: „Teilweise fühlen wir uns hier einfach nur abgespeist. Wir wollen gar keine Extrawürste, wir wollen lediglich ein sichtbarer Teil dieser Stadt sein. Schließlich haben wir Bedürfnisse wie alle Menschen.“ 

Thema in der Stadt verankern

Ein für alle sichtbares Zeichen könnte die Einrichtung eines Queeren Zentrums sein. Diese Forderung nach einer kommunal unterstützten Einrichtung als dauerhaften und kompetenten Ansprechpartner war das Resultat einer Diskussionsrunde, mit der die AG-Gründer die Bedürfnisse der Queeren Szene abklopfen wollten. Die Ergebnisse deckten sich nach Mendez´ Worten mit vorangegangenen Beobachtungen. Weitere Themen die aus Sicht der queeren Szene einer queeren Aufarbeitung bedürfen sind die Felder "Wohnen" oder auch "Alter und Pflege". 

"Unser Thema muss in der Stadt stark verankert sein", so Mendez, der sich einen städtischen Arbeitskreis „Queer“ wünscht. Von der städtischen Gleichstellungsbeauftragten und von der städtischen Antidiskriminierungsstelle erwarten Mendez und die Mitglieder der SPDqueer die Fokussierung unter anderem auf das Thema Homophobie. "Wir hätten uns nicht gegründet, wenn es Nichts zu tun gäbe", so Mendez zu der Fülle der Aufgaben, die auf die neue Arbeitsgemeinschaft warten.


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