Stefan Decker beim Orgelsommer Organist zieht alle möglichen Register

Organist Stefan Decker musste sich für sein Spielgerät in St. Katharinen schon einige kreative Ideen einfallen lassen, um die Orgelklänge aus vier Jahrhunderten publikumswirksam umzusetzen. Foto: Thomas OsterfeldOrganist Stefan Decker musste sich für sein Spielgerät in St. Katharinen schon einige kreative Ideen einfallen lassen, um die Orgelklänge aus vier Jahrhunderten publikumswirksam umzusetzen. Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Osterfeld

Osnabrück. Das vierte Konzert des Osnabrücker Orgelsommers spielte als Gast Stefan Decker aus Vechta. An der Ott-Orgel in St. Katharinen präsentierte er ein besonders buntes Programm.

Bei den Osnabrücker Organisten ist die Orgel in St. Katharinen doch recht unbeliebt, wegen ihres schlechten Zustands und konzeptioneller Mängel. Und so dankt Pastor Otto Weymann dem Gastorganisten Stefan Decker aus Vechta für den Mut, sich an dieses Instrument zu wagen. Das Publikum des Osnabrücker Orgelsommers hat eindeutig keine Angst vor der Ott-Orgel - St. Katharinen ist beim Konzert genau so voll wie die übrigen Kirchen, nicht nur die Bänke sind voll besetzt, auch sämtliche Stühle, die in der Kirche verfügbar sind, werden gebraucht.

Mit spanischen Trompeten

Stefan Decker hat sich, ganz im Gegensatz zu Christian Joppich in der vergangenen Woche, ein recht kleinteiliges, bunt gemischtes Programm zurecht gelegt, Musik aus vier Jahrhunderten. Mit Buxtehude macht er den Anfang und präsentiert sein Magnificat freundlich, heiter und entspannt. Dann geht es direkt ins 19. Jahrhundert, mit Felix Mendelssohn Bartholdys zweiter Orgelsonate, die auch Godehard Nadler vor zwei Wochen gespielt hat. Allerdings klingt sie hier ganz anders, kerniger, dafür weniger vornehm. Das liegt natürlich an den Instrumenten, diese Orgel ist klar barock disponiert, die in St. Joseph nicht. Godehard Nadler wählte für ein gesangliches Thema im zweiten Satz zum Beispiel eine solistische Oboe, und so ein Register gibt es in St. Katharinen gar nicht, womöglich auch kein anderes Zungenregister, dass sich hier als Solostimme anbieten würde, jedenfalls mischt Stefan Decker mehrere Register. Doch nicht nur die Instrumente unterscheiden sich, auch die Spieler. Stefan Decker geht die Sonate insgesamt forscher an. Besonders prägnant und etwas derb klingt der dritte Satz, hier setzt der Organist erstmals die spanischen Trompeten ein, den besonderen Spezialeffekt der Ott-Orgel.

Wuchtiges Finale

Einen starken Kontrast zu den vorangegangenen Werken von Mozart und Bach bietet ein Variationen-Zyklus von Jehan Alain, Musik des frühen 20. Jahrhunderts für den Stefan Decker sich auch immer wieder sehr auffällige Registrierungen hat einfallen lassen. Einige Werke von Alexandre Guilmant stehen am Schluss des Programms, nochmal 19. Jahrhundert also, doch das Finale klingt nicht unbedingt danach: Hier hat sich Stefan Decker einen prunkvoll-wuchtigen Pseudo-Händel aus Guilmants Feder ausgesucht. Und schließlich hat er als Zugabe noch einen der größten Orgel-Hits von Bach parat: Ein paar hundert Osnabrücker dürften danach die berühmte Choralbearbeitung zu „Jesus bleibet meine Freude“ als Ohrwurm mit nach Hause nehmen.

Nächsten Dienstag, 20.15 Uhr spielt Carsten Zündorf in St. Johann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN