Im Friedensgarten Osnabrücker Verein Exil bietet „Zeit zum Kindsein“ für Kinder Geflüchteter

Hand in Hand spielten Kinder aus 25 Nationen bei der Freizeitaktion des Exilvereins. Foto: Michael GründelHand in Hand spielten Kinder aus 25 Nationen bei der Freizeitaktion des Exilvereins. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Seit 2013 bietet der gemeinnützige Osnabrücker Verein Exil für Kinder von Geflüchteten Freizeitaktivitäten in und um Osnabrück an. Mit dem Bus geht es raus aus dem Aufnahmelager in Hesepe, um beim Kicken, Trommeln oder Basteln einen unbeschwerten Nachmittag zu verbringen. Am Samstag ging es in den Friedensgarten.

„I like all sports“, sagt Haitham, auf die Frage nach seinen Hobbies und strahlt. Am liebsten Fußball und Volleyball. Deutsch spricht er noch nicht: Der 14-jährige Haitham lebt seit erst seit zehn Tagen mit seiner Familie im Ankunftszentrum der Landesaufnahmebehörde Hesepe. An diesem heißen Samstagnachmittag hat er es zum ersten Mal verlassen. Gemeinsam mit seiner Schwester Sirin (10) und seinem Bruder Aws (7) nahm der Iraker am „FreiZeit“-Ausflug des Osnabrücker EXILvereins teil. Ziel des Ausflugs: der Osnabrücker Friedensgarten.

Foto: Michael Gründel


Traumatische Erinnerungen

Bei FreiZeit handelt es sich um ein Projekt des Osnabrücker EXILvereins mit Flüchtlingskindern aus der LAB in Hesepe. „Wir wollen den Kindern Zeit zum Kindsein ermöglichen, sie sollen einfach weg von ihren Ängsten und traumatischen Erinnerungen“, erläutert EXIL-Mitarbeiterin Christina Busch. Dazu sei es wichtig, dass die Kinder regelmäßig aus dem Aufnahmelager herauskämen. Gemeinsam mit fünf ehrenamtlichen Helfern organisiert die Lehramtsstudentin das Angebot. Einmal pro Woche, in der Regel samstags, holen sie die Kinder mit dem Bus aus Hesepe ab, um mit ihnen in Osnabrück den Nachmittag zu gestalten. Die angesteuerten Ziele sowie die angebotenen Aktivitäten sind vielfältig. Sie reichen von Sportangeboten über Bastel- und Kreativworkshops bis hin zu Percussionunterricht.  

Gemeinsame Hobbies verbinden

Ebenso vielfältig sind die Sprachen und Nationen der insgesamt 25 Kinder an diesem Nachmittag. Mit dabei sind auch die 11-jährige Brikena aus Albanien, die 12-jährige Vill aus Ghana und die 11-jährige Sana aus dem Iran. Sie sprechen verschiedene Sprachen, aber gemeinsame Hobbies verbinden sie. Wie Haitham spielt auch Brikena gerne Volleyball. Vill liebt Tennis und freut sich, dass es auch auf dem Gelände der Landesaufnahmebehörde in Hesepe einen Tennisplatz gibt.

Haitham (14 J.) und Abdul Abakar Adam spielen auf dem benachbarten Spielplatz Fußball.Foto: Michael Gründel


An diesem Nachmittag begeben sich die Kinder im Friedensgarten auf eine Gemüse-Rallye. Die Teamarbeit gelingt trotz Sprachbarrieren. Jede Gruppe erhält ein Kärtchen mit dem Bild einer Obst- oder Gemüsesorte, nach der sie im Garten suchen soll. Triumphierend reckt Vill schließlich den Schatz in die Höhe: drei Möhren!  Ihre Gruppe hat das Spiel gewonnen. Doch Sieger sind am Ende alle, denn, was zählt ist der Spaß und das friedliche Miteinander, im Friedensgarten von Osnabrück. Nach gut drei Stunden „FreiZeit“ schallt es „Und tschüüüs!“ einstimmig aus 25 Kinderkehlen, die sich im Kreis fröhlich an den Händen fassen. Dass der Abschiedsgruß an die Friedensstadt ihnen bis vor kurzem noch fremd war, man hört es kaum. Schon jetzt freuen sie sich auf ein Wiedersehen mit Christina Busch und ihren Kollegen, beim Zoobesuch am nächsten Samstag.

Sirin hat eine Banane gefunden. Foto: Michael Gründel
Foto: Michael Gründel



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