Johannes Hartkemeyer gestorben Ein kreativer Kopf, der nicht nur die VHS Osnabrück beflügelte

Nicht nur Pädagoge, sondern auch Tüftler: Johannes Hartkemeyer mit dem Windgenerator, den er 1980 Jahren aus Schrottteilen zusammengeschweißt hat. Das Foto entstand 2014. Foto: Heiner BeinkeNicht nur Pädagoge, sondern auch Tüftler: Johannes Hartkemeyer mit dem Windgenerator, den er 1980 Jahren aus Schrottteilen zusammengeschweißt hat. Das Foto entstand 2014. Foto: Heiner Beinke

Osnabrück. Er war Landwirt, Pädagoge und Ökologe, er war kreativ und unkonventionell. Johannes Hartkemeyer, von 1991 bis 2009 Leiter der Volkshochschule Osnabrück, ist nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren gestorben. Freunde und Wegbegleiter trauern um einen Menschen, der sich nicht nur in der Erwachsenenbildung als Schrittmacher betätigt hat.

Schon wenige Monate nach Hartkemeyers Dienstantritt hatten manche Bedenkenträger in Osnabrück den Eindruck, dass da nicht nur die Volkshochschule, sondern die ganze Stadt umgekrempelt werden solle. Die VHS mischte sich ein in stadtpolitische Themen. Hartkemeyer und sein damaliger Vize Charly Bösling schlugen das Projekt "Ökologische Stadtentwicklung" vor, um mit einer breiten Bürgerbeteiligung an runden Tischen Vorschläge für eine gesunde und lebenswerte Stadt zu entwickeln. 

Foto: Elvira Parton

Daraus wurde nichts, weil es in der Stadtverwaltung Neider gab, die Angst hatten, von ihrer Machtfülle etwas abgeben zu müssen. Mit der „Lernenden Region Osnabrück“, die Bildungsträger in Stadt und Landkreis zu Transparenz und Kooperation anhalten sollte, war das anders. Daraus entwickelte sich ein bundesweit anerkanntes Leuchtturmprojekt, aus dem später das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe) hervorging. 

Die Volkshochschule wurde in Hartkemeyers Amtszeit zu einer Weiterbildungseinrichtung, die sich  mit einem breit gefächerten Angebot, sozialer Ausrichtung und hohem Anspruch weit über Osnabrück hinaus einen guten Ruf erarbeitete. Da war es wohl kein Zufall, dass der Chef selbst über den zweiten Bildungsweg zum Studium gekommen war. Als Bauernsohn hatte er zunächst eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, dann wurde er Ingenieur, Hauptschullehrer, Diplom-Pädagoge und Doktor der Sozialwissenschaften. 

Früher als andere setzte sich Hartkemeyer mit der Geschichte der tabuisierten Emslandlager auseinander. Als Mitarbeiter der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) organisierte er eine Tagung, die heute als Startschuss für die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels nationalsozialistischer Geschichte gilt. 

Als Pionier gilt der langjährige VHS-Direktor auch in Sachen Windenergie. Schon 1980, lange bevor die Windgeneratoren in Nordeutschland zum Landschaftsbild gehörten, schweißte er aus einer Lkw-Achse und anderen Schrottteilen einen Vierflügler zusammen, um Strom zu erzeugen. Weil sich die Stromkonzerne damals noch mit allen Mitteln gegen die Einspeisung ins Netz sperrten, erhitzte er damit das Wasser für die Fußbodenheizung. 

Den landwirtschaftlichen Betrieb überführten Johannes Hartkemeyer und seine Familie in eine Stiftung, die sich der solidarischen Landwirtschaft verpflichtet fühlt. Der CSA Hof Pente dient heute nicht nur der Erzeugung biologisch-dynamischer Lebensmittel, er ist zugleich Lernort und Kindertagesstätte. 


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