Bistum Osnabrück Pastoraler Dienst will die Kirchenerneuerung vorantreiben

Braut sich da was zusammen? Viel Frust entlädt sich im Pfingstbrief der Mitarbeitervertretung des pastoralen Dienstes im Bistum Osnabrück. Foto: dpa/Friso GentschBraut sich da was zusammen? Viel Frust entlädt sich im Pfingstbrief der Mitarbeitervertretung des pastoralen Dienstes im Bistum Osnabrück. Foto: dpa/Friso Gentsch

Osnabrück. Der Pfingstbrief der Mitarbeitervertretung des pastoralen Dienstes im Bistum Osnabrück hat hohe Wellen geschlagen: Mehr als 600 Menschen unterstützen die Forderungen.

Die Seelsorger sind besorgt. Mit ihrem Pfingstbrief hat sich die Mitarbeitervertretung pastoraler Dienst des Bistums Osnabrück jüngst an die Öffentlichkeit gewandt und dabei auch einigen Frust in Richtung Kirche rausgelassen. „Wir sind beschämt über das Verhalten von Verantwortlichen in unserer Kirche in Bezug auf die vielen Fälle von Gewalt“, hieß es da etwa mit Blick auf die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, die seit Ende 2018 auch im Osnabrücker Bistum bekannt geworden waren.

600 Unterschriften

Jutta Sievers ist Vorsitzende der Mitarbeitervertretung und berichtet von einer sehr positiven Resonanz auf das Schriftstück. Mehr als 600 Menschen hätten sich dem Aufruf nach einem Wandel und Erneuerung in der Kirche angeschlossen: rund 350 per digitaler Unterschrift, 250 in den Gemeinden. „Es gibt Frauen, die zum Priestertum berufen sind, aber es nicht ausüben dürfen“, kritisiert Sievers. Seit dem vatikanischen Konzil in den 60er Jahren habe sich nichts getan. Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, nimmt Sievers da bedingt in Schutz: „Er ist nicht gegen den Diakonat der Frau. Aber er kann nicht vorpreschen.“

Es ändert sich erst etwas, wenn wir es machen.Jutta Sievers

Wenn Jutta Sievers über den Zustand der Kirche spricht, schwankt ihre Tonlage stark. Sichtlich betroffen erzählt sie von persönlichen Angriffen gegen Arbeitskollegen, warum sie nach den Skandalen noch für die Kirche arbeiten würden. „Männliche Kollegen sind als Kinderschänder bezeichnet worden“, erzählt sie von einer pauschalisierenden Haltung. Dabei hätten die Kollegen oft gar keine oder erst sehr spät Informationen erhalten, weshalb etwa ein Priester abgezogen wurde oder wenn sich ein neues Missbrauchsopfer gemeldet habe. Immerhin hier habe sich mit dem Konzept für den Umgang mit sexueller Gewalt im Februar die Situation gebessert. „Die Bistumsleitung hat nachgezogen, die Bemühungen sind groß“, erkennt Sievers an. Doch die Prozesse seien träge, so manchem Priesterkollegen fehle auch der Mumm. „Sie machen ihre Arbeit, aber die Kraft und Motivation sind nicht da, um sich außerhalb zu engagieren“, sagt sie.

Bistum sieht Wandel im Gange

Bistumssprecher Hermann Haarmann äußert auf Nachfrage Verständnis für die Enttäuschung angesichts des Missbrauchsskandals und dem Wunsch nach Veränderung. "Die in dem Brief genannten Forderungen decken sich weitgehend mit dem, was auch die Verantwortlichen in der Osnabrücker Bistumsleitung für notwendig halten", sagt er und nennt die gleichberechtigten Leitungsaufgaben von Laien und und Geweihten, die Ablehnung von Klerikalismus, einen transparenten Umgang mit Macht, das Überdenken der Sexuallehre sowie mehr Frauen in Leitungspositionen. "Beispielsweise werden im nächsten Jahr voraussichtlich vier von zehn Abteilungen im Bischöflichen Generalvikariat von Frauen geleitet", führt Haarmann auch gleich ein Beispiel für den Wandel an.

Zudem habe das Bistum Ende vergangenen Jahres mit Pastoralreferent Michael Göcking erstmals einem hauptamtlichen Laienmitarbeiter die Leitung von zwei katholischen Pfarreien übertragen: der Pfarreiengemeinschaft Wellingholzhausen/Gesmold. Ende dieses Jahres werde mit Christine Hölscher eine Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane ebenfalls diese Funktion übernehmen. Darüber hinaus unterstütze Bischof Franz-Josef Bode die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und unterstütze den Synodalen Weg, der am 1. Advent eröffnet wird und voraussichtlich zwei Jahre dauern soll. Bei diesem beschäftigen sich Laien und Bischöfe mit den vier Themenfeldern „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“, „Priesterliche Lebensform“ und „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.

Für eine bessere Zukunft

Den Pfingstbrief als Weckruf zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben. Viele der Punkte sind bereits bekannt, die Forderung nach einer Erneuerung schon mehrfach ausgesprochen. Die Mitarbeitervertretung verstand ihn mehr als „Herdenbrief“: als Pendant des Hirtenbriefs, mit dem sich der Bischof an die Gläubigen wendet. Denn auch wenn Sievers und ihre Kollegen in vielen Punkten trübselig klingen mögen, wollen sie nach Sievers Bekunden mit ihrer Kritik und ihren Forderungen den Grundstein für eine bessere Zukunft legen. Mit dem Blick nach vorn gerichtet klingt Sievers dann auch schlagartig positiver: „Ich bin sicher, dass sich die Dinge bewegen werden. Das ist auch Haltungssache.“ In kleinem Rahmen seien Veränderungen auch schon sichtbar, wenn es etwa um ehrenamtliche Vorstände gehe, wie auch Haarmann darstellte. „Es ändert sich erst etwas, wenn wir es machen“, bekräftigt Sievers und führt als Beispiel Frauen als Messdienerinnen an. Das sei zunächst auch verboten gewesen, bis es einfach umgesetzt worden sei. Wichtig sei, den Wandel voranzutreiben und nicht nachzulassen. Der Pfingstbrief war ein Mittel, eigene Akzente zu setzen. Damit sich die Seelsorger in Zukunft weniger Sorgen mehr um die Kirche machen müssen.


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