„Ohne Netzwerk geht es nicht“ Verein macht seit 25 Jahren ausgewähltes Kulturprogramm am Piesberg

Blicken zurück auf fast ein Vierteljahrhundert „Netzwerken im und am Piesberger Gesellschaftshaus: (von links) Marianne Clausmeier, Imke Wedemeyer, Gunnar Kählke und Thomas Krochmann. Foto: Thomas OsterfeldBlicken zurück auf fast ein Vierteljahrhundert „Netzwerken im und am Piesberger Gesellschaftshaus: (von links) Marianne Clausmeier, Imke Wedemeyer, Gunnar Kählke und Thomas Krochmann. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Das Kultur-Café im Piesberger Gesellschaftshaus in Osnabrück ist zehn Jahre alt, der dortige Kulturverein feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum - unter anderem mit der Fotoausstellung "Netzwerk(e)", die dort noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird. Anlass genug für einen Rück- und Ausblick.

Denkbar unterschiedliche Motive sind auf den Fotografien zu sehen, die derzeit an den Wänden des Kultur-Cafés im Piesberger Gesellschaftshaus hängen. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie alle sind „Netzwerke“, weil sie ebensolche in all ihren Facetten zeigen – ob digitaler, technischer, natürlich organischer oder analog sozialer Art in Form von Menschen.  

Vor allem letzteres passt dieser Tage gut dorthin. Denn es ist genau 25 Jahre her, als sich Osnabrücker Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürger zusammengeschlossen haben, um das Piesberger Gesellschaftshaus aus seinem Dornröschenschlaf wachzuküssen. Nicht nur Ralf Siebenand als einer der Hauptinitiatoren der Gründung eines entsprechenden, breit aufgestellten Kulturvereins hielt seinerzeit den Saal für „einen der schönsten Räume, den man sich vorstellen kann“. Dass all das, was er und seine Mitstreiter sich in der Pionierphase an Nutzungsmöglichkeiten vorstellen konnten, mittlerweile längst Realität geworden ist, hätten sie damals „nicht zu träumen gewagt“, sagt er heute. 


Das Piesberger Gesellschaftshaus heute. Foto: Joachim Dierks


 

"Sümpfonie" als Durchbruch

Dabei ist das vielfältige Kulturprogramm am Piesberg, das 1993 versuchsweise und erfolgreich mit einer von der Lagerhalle organisierten Kabarett- und Musikreihe gestartet ist, inzwischen längst über Theateraufführungen, Tanzveranstaltungen Konzerte, Kinderzirkus oder Kleinkunstabende im Saal hinausgewachsen. Mehr und mehr wurde auch das Außengelände rund um das Piesberger Gesellschaftshaus zum Spiel- und Veranstaltungsort. Schon zwei Jahre nach der Vereinsgründung fand außerhalb der Räumlichkeiten eine „ländlich-industrielle Sümpfonie“ statt. „Eine schräge Veranstaltung mit Kreissägen und Traktoren von Landwirten aus der Umgebung“, erinnert sich Imke Wedemeyer – und daran, dass diese so viel Aufmerksamkeit und Zuspruch fand, dass Zuschauer ihr von einem „Fahrradstau am Haseuferweg“ berichteten. Für das neue Kulturzentrum am Rande der Stadt sei diese erste Freiluftaktionen „der Durchbruch“ gewesen, resümiert Gunnar Kählke, der zu diesem Zeitpunkt noch als Zuschauer dabei war, aber bereits ein Jahr später mit in die Geschäftsführung einstieg. 


Musik und Tanz im Saal zur "Nahtzeit". Foto: Philipp Hülsmann


 

„Ohne Netzwerk geht es nicht“ sagt seine Kollegin nicht nur mit Blick auf die aktuelle Fotoausstellung, die Wedemeyer gemeinsam mit der Grafikerin und Fotodesignerin Marianne Clausmeier kuratiert. Ein Bahnsteig im alten Zechenbahnhof der Osnabrücker Dampflokfreunde etwa wurde im Jahr 2001 Schauplatz von „Reisen und Speisen“, einem literarisch-kulinarischen „Off-Location“-Spektakel, das im Rückblick als Initialzündung für das ein Jahr später mit der „Vernissage Per Du“ debütierende Piesberger Freilauftheater gesehen werden kann. Einmal im Jahr wird seitdem die weitläufige Umgebung des Gesellschaftshauses genutzt, um mit historischen Collagen aus Zeitzeugenberichten oder anderen Eigenproduktionen unterschiedliche Orte zu bespielen. 



"Nahtzeit" heißt das aktuelle Stück des Piesberger Freilauftheaters, das auf die Fünfzigerjahre zurückblickt. Foto: Thomas Osterfeld



Frische Luft statt Müll

Nicht ungefragt, sondern aktiv werden auch Nachbarn darin eingebunden. So hat sich am Piesberg ein Kulturprogramm und eine Kultur etabliert, die „Leute direkt anspricht“ und „näher dran“ ist am Publikum als andernorts, fasst Wedemeyer zusammen. Zumindest buchstäblich „an der Kippe“ ist sie nicht mehr, dafür aber zunehmend an der frischen Luft. Das aus dem Sommerfest erwachsene Bergfest zeugt ebenso davon wie der Kulturflohmarkt oder der seit 2012 jährlich im Kastaniengarten stattfindende Theateracker. Sinnbildlich für die noch weitere räumliche Ausdehnung in Zukunft steht der Ideenwagon in der Nähe des alten Steinbrechers. Aber auch das Innere des Gesellschaftshauses zeigt sich ausbaufähig. Eine Unterbühne zum Proben und die Erweiterung der Künstlerpension sind bereits in Planung.

Der Blick geht nach vorn. Foto: Thomas Osterfeld



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