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Dirk Hoberg will als Küchenchef in Konstanz nach weiteren Michelin-Sternen greifen Osnabrücker Kochkunst am Bodensee

Einen Stern ergattert: Dirk Hoberg.Foto: Klaus MellenthinEinen Stern ergattert: Dirk Hoberg.Foto: Klaus Mellenthin

Osnabrück/Konstanz. Auf der Speisekarte des Restaurant „Ophelia“ stehen Spezialitäten wie Rindertatar, Kabeljau, Jakobsmuscheln oder Taubenbrust. Dirk Hoberg ist seit einem Jahr Küchenchef im Restaurant „Ophelia“ in Konstanz. Für seine Gerichte wurde der aus Osnabrück stammende Koch jüngst mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Der Empfang ist etwas schlecht: „Ich wohne direkt auf der Grenze zur Schweiz, da haben es deutsche Mobilfunknetze manchmal etwas schwierig“, entschuldigt Dirk Hoberg die Störungen. Als es dann mit dem Festnetzanschluss deutlich besser klappt, erzählt Hoberg gerne von seinen Erinnerungen an die Heimat. „Das Bermudadreieck verliert man nicht aus der Erinnerung“, sagt der Küchenchef. „Da muss man als Osnabrücker mal gewesen sein.“ Er selbst schließt noch heute jede Rundreise in der Heimat meist mit einem Besuch im Kneipenviertel ab. Allerdings merke er daran auch, wie die Zeit vergeht: „Mittlerweile bin ich fast der Älteste dort.“

Wie er zum Kochen gekommen ist, kann Hoberg so genau gar nicht sagen: „Ich glaube, die Schlüsselstelle war, als meine Schwester eine Banane ganz schnell geschnitten hat.“ Das wollte er auch können. Heute ist er sogar noch schneller als sie damals. Anfangs sei seine Familie nicht gerade begeistert gewesen von seinem Berufswunsch, „aber jetzt sind sie stolz auf mich“, sagt er.

Hoberg, geboren in Osnabrück, aufgewachsen in Lotte, bleibt bescheiden und angriffslustig zugleich: „Der Stern ist eine Teamleistung“, betont er. Und fügt hinzu: „Natürlich wollen wir nach weiteren Sternen greifen.“

Nach seiner Lehre im „Hotel Walhalla“, einer kurzen Zeit im „La Vie“ und zwei Jahren als Küchenchef auf Mallorca durfte Dirk Hoberg bei dem Spitzenkoch Harald Wohlfahrt „seinen Feinschliff bekommen“. Der nach Hobergs Geschmack beste Koch Deutschlands habe ihm vor allem gezeigt, „was es heißt, immer 110 Prozent Einsatz zu geben.“

Karriereschritt Konstanz

Vor etwas mehr als drei Jahren kam der Anruf aus Konstanz. Zur Neueröffnung des „Hotels Riva“ wurde ein Küchenchef gesucht. Dirk Hoberg folgte dem Ruf vom Bodensee und bereut diesen Schritt bis heute nicht. „Im Winter ist die nächste Ski-Piste in greifbarer Nähe, im Sommer bietet der Bodensee eine traumhafte Kulisse“, erzählt Hoberg. Er fühlt sich dementsprechend wohl. Umso mehr, seit vor einem Jahr das Gourmetrestaurant „Ophelia“ in den Räumen des Hotels Riva eröffnet wurde.

Als Küchenchef leitet Dirk Hoberg das junge Restaurant. Die Aufgabe bietet dem erst 30-Jährigen die Möglichkeit zur freien Entfaltung: „Eine junge, frische Küche mit regionalen Produkten vom Bodensee und dem Blick für die Welt.“ So beschreibt der Koch die Rezepturen, mit denen er und sein Team sich in kürzester Zeit in die Spitzengruppe gekocht und für einen „Paukenschlag in der Konstanzer Gastro-Szene“ (Südkurier) gesorgt haben.

Privat gibt’s Grünkohl

Hat ein Spitzenkoch denn auch ein Lieblingsgericht, das er aber nicht auf die Speisekarte setzt? Das hat er: „Grünkohl, dazu Bratkartoffeln und reichlich Mettwurst und Kassler.“ In Konstanz kann er so gar nicht punkten: „Wenn den Grünkohl schon das Personal nicht isst, stelle ich das Gericht lieber nicht auf die Speiseliste“, erklärt der 30-Jährige schmunzelnd. Dabei liebt er Grünkohl: „Das ist wohl aus meiner Heimat hängen geblieben.“

In guter Erinnerung ist Dirk Hoberg auch der Osnabrücker Weihnachtsmarkt geblieben: „In Konstanz ist die Atmosphäre mit der Einbindung des Sees zwar auch schön, aber kommt nicht an den Rathausplatz heran“, gibt Hoberg zu. Überhaupt vermisst er die Feste ein bisschen, denn er hat nicht vergessen, wie gut es sich in Osnabrück feiern lässt.


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