Kunst und Karamell Nicole Widner und Stella Metzig stellen im BBK Kunst-Quartier aus

Süß und zerbrechlich: Nicole Widner stellt ihre Zuckerskulpturen im BBK Kunst-Quartier aus.  Foto: Jörn MartensSüß und zerbrechlich: Nicole Widner stellt ihre Zuckerskulpturen im BBK Kunst-Quartier aus. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Eine Vierteltonne Kristallzucker verarbeitete die Kunststudentin Nicole Widner bereits zu künstlerischen Skulpturen. Die Ergebnisse stellt sie in einer Doppelausstellung zusammen mit ihrer Kommilitonin Stella Metzig im BBK Kunst-Quartier Osnabrück aus.

Es ist Karamell: Kristallzucker, der in einem Topf erhitzt wird und sich in eine braune Masse verwandelt, die bei Abkühlung erhärtet. Doch das Material, das üblicherweise der Herstellung von Toffees und Bonbons dient, kann auch kreativ genutzt werden. Den Beweis tritt Nicole Widner an, die an der Universität Osnabrück Kunst studiert und ihre Skulpturen im Fach Bildhauerei ausschließlich aus Zucker herstellt. „Die Arbeiten entstehen aus einem gelenkten Experiment und der Interaktion mit dem organischen Material“, sagt die 24-jährige Studentin aus Melle. Sie hat ein Faible für transparente Stoffe, die sich in unterschiedlichen Aggregatzuständen verwandeln lassen. Für ihre Objekte, die sie in ihrem Atelier in der Universität unter dem Titel „Liasion“ präsentierte, wurde sie gerade mit dem diesjährigen Piepenbrock Kunstförderpreis ausgezeichnet. Danach transportierte Nicole Widner ihre gesamte Werkstatt ins BBK Kunst-Quartier, das sie zusammen mit ihrer Kommilitonin Stella Metzig zu einer Doppelausstellung eingeladen hat.

„Zunächst habe ich mit Kunstharz gearbeitet und auch Salzkristalle gezüchtet“, erzählt Widner. Erst beim Einsatz von Zucker habe sie die künstlerischen Resultate erzielen können, die sie sich vorgestellt hatte. Obwohl sie auch hier zunächst Enttäuschungen hinnehmen musste: Ein Flambierbrenner, den man normalerweise in der Küche einsetzt, lieferte nicht die gewünschten Ergebnisse. Seither benutzt sie einen Topf, in dem sie den Zucker kocht.

So entstehen Zuckerskulpturen: In einem Topf wird das Rohmaterial erhitzt. Foto: Jörn Martens


Gerade steht sie vor einem Riesenbrocken dunkelbraunem Karamell mit weißen und gelben Einschlüssen. „Das ist Fett. Es schwimmt beim Erhitzen an der Oberfläche und bildet kontrastreiche Formen und Strukturen“, so Widner. Für das Objekt hat sie eine große Menge Zucker gekocht, sie mit Fett und Gewürzen wie Kurkuma, Paprika und Zimt vermischt, dann die zähfließende Masse in eine Form aus Latex gegossen. Der Oberfläche verpasste sie nach der Abkühlung eine Lackschicht. „Zucker ist organisch. Wenn ich meine Arbeiten nicht konserviere, verändern sie sich mit der Zeit“, sagt Widner. Bei manchen Werkstücken sei das durchaus beabsichtigt, andere sollen so bleiben, wie sie sind.

Ob in finalem oder prozessiven Zustand, im BBK Kunstquartier entwickeln sie jetzt ihren Charme im Regal, auf einem Tisch und der Palette, die ihr an der Uni als Arbeitsplatz dienen. Die Wand daneben gleicht einem Experimentierplan, denn hier hat sie die Stoffe in Kunststoff eingeschweißt aufgehängt, die sie mit Zucker gemixt hat. Aufkleber verraten die Zusammensetzung.

Direkt daneben gibt es die Skulpturen von Metzig zu entdecken: Rot angemalt und aus Schrott und Fundstücken zusammengefügt, erzählen sie brutale Geschichten. „Die Arbeiten sind autobiografisch, aber frei interpretierbar“, sagt die 26-jährige Kunststudentin. Weggeworfenes kündet von Zerrissenheit und Wut, von Freiheit und Humor. Neben ihren Objekten präsentiert sie auch Zeichnungen und Malerei, die den narrativen Charakter ihrer Kunst weiterführen.

Fundstücke und Schrott, von Stella Metzig zu emotional aufgeladenen Skulpturen verarbeitet, im BBK Kunst-Quartier. Foto: Jörn Martens


Im Gegensatz zu Nicole Widner liefert sie keine statistischen Daten zu ihren Objekten. „Ich habe in den zirka zwei Jahren, in denen ich mit Zucker arbeite, bereits eine Vierteltonne Kristallzucker verbraucht“, betont sie. Jetzt weiß die Künstlerin, wie die warme Karamellmasse reagiert, wenn man Kaffee hinzufügt. Oder wie eine kalt gewordene, dünne, filigrane Zuckerplatte zerspringt, wenn man sie auf den Boden fallen lässt.


„selected": Arbeiten von Nicole Widner und Stella Metzig, BBK-Kunst-Quartier (Bierstraße 33),  Freitag, 5. Juli (Eröffnung um 19 Uhr) bis 24. August, Di. - Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Infos auf www.bbk-osnabrueck.de



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