Tschüss Charly Osnabrücks VHS-Leiter Carl-Heinrich Bösling geht in den Ruhestand

Im Friedenssaal des Rathauses verabschiedete Wolfgang Griesert (l.) den langjährigen Leiter der Volkshochschule, Carl-Heinrich Bösling.  Foto: Jörn MartensIm Friedenssaal des Rathauses verabschiedete Wolfgang Griesert (l.) den langjährigen Leiter der Volkshochschule, Carl-Heinrich Bösling. Foto: Jörn Martens
Jörn Martens

Osnabrück. So mancher Osnabrücker wird wahrscheinlich erst einmal ein wenig überlegen müssen, wenn er nach dem Vornamen des Leiters der Volkshochschule gefragt wird, denn Carl-Heinrich Bösling ist eher unter "Charly" Bösling bekannt als unter seinem richtigen Vornamen. Jetzt wurde Bösling im Friedenssaal des Rathauses in den Ruhestand verabschiedet.

"Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Jahren immer wieder Ihren Spuren begegnen werden, weil Sie oftmals schon in Gegenden unterwegs gewesen sind, als andere noch nicht wussten, dass es diese überhaupt gibt", würdigte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert Böslings Wirken in der Volkshochschule, das immer auch zukunftsweisend gewesen sei.

Böslings VHS-Zeit begann in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Kursleiter der Nichtabiturientenkurse, die auf ein fachgebundenes Studium vorbereiten. Nach einigen Jahren in der Erwachsenenbildung in Hannover kehrte Bösling 1991 als Leiter des Programmbereichs "Gesellschaft und Politik mit Schwerpunkt Umwelt und Gesundheit" nach Osnabrück zurück. 1995 übernahm er die Funktion des stellvertretenden VHS-Direktors, bevor er 2011 nach der Umwandlung in eine GmbH zum Geschäftsführer wurde.

Ausstellungen sorgten für Aufsehen

Es seien "aufregende Zeiten" gewesen, blickte Griesert auf die Arbeit Böslings zurück. Unter anderem seien es die großen von Bösling organisierten Ausstellungen gewesen, die für Aufsehen gesorgt hätten. Zum Beispiel die "Wehrmachtsausstellung", die 1999 knapp 35.000 Besucher anzog und begleitet wurde von Demonstrationen der Neonazi-Szene. Zahlreiche anonyme Absender hätten Bösling damals "beleidigende Vorwürfe" gemacht, erinnerte Griesert an eine Ausstellung, die in den Medien intensiv diskutiert worden sei.

Auch für eine VHS ungewöhnliche Wege habe Bösling beschritten zum Beispiel mit der Organisation von Tagungen mit zum Teil internationaler Ausrichtung und in Kooperation mit verschiedenen Partnern wie der Universität oder der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft.

Teamleistung

Bösling bedankte sich mit einem Schmunzeln für "die netten Übertreibungen". Das ihm zugedachte Lob sei ja nett, die Arbeit an der VHS sei aber eine Teamleistung, bedankte er sich bei seiner Mannschaft. Die Erwachsenenbildung sei eine "ganz tolle Sache", in die er gerne sehr viel Herzblut investiert habe. 

Es habe auch Momente des Scheiterns gegeben. Die habe er dann aber immer möglichst elegant aussehen lassen, so Bösling mit einer gesunden Portion verschmitzter Selbstkritik. In diese Rubrik seines Schaffens dürfte wohl auch der immer währende Kampf um die finanzielle Ausstattung der Volkshochschulen einzuordnen sein. Bösling kritisierte, dass die Landesmittel für die Basisförderung schon seit Jahren stagnieren und das bei ständig gestiegenen Anforderungen und Kosten. "Wir haben nur noch die Hälfte der Mittel, die wir mal hatten." 

Investition in die Zukunft

Die Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung sei hingegen immer sehr gut gewesen. In anderen Kommunen sei die Osnabrücker VHS für diese Unterstützung beneidet worden. "Die Stadt hat immer zur VHS gestanden." Gelder für die Volkshochschule seien immer eine Investition in die Zukunft, so Bösling.

Böslings Nachfolger ist Tobias Pischel de Ascensao. Er war Direktor der Volkshochschule Ibbenbüren und seit 2015 Direktor der Volkshochschule der Grafschaft Bentheim. Auch der neue Leiter hat seine ersten Erfahrungen in der Erwachsenenbildung in Osnabrück gesammelt: In den 90er Jahren war er Englischdozent an der VHS. 


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