Digitalisierung begreifen Osnabrücker Schüler lernen spielerisch Programmieren

Jacob (13) testet den "heißen Draht", der mit dem Mini-Computer "Calliope" verbunden ist
Foto: Michael GründelJacob (13) testet den "heißen Draht", der mit dem Mini-Computer "Calliope" verbunden ist Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Schüler der Bertha-von-Suttner-Realschule haben durch die VME-Stiftung und die Uni Osnabrück jetzt Grundlagen des Programmierens kennen gelernt. Das spielerische Projekt hat einen größeren Ansatz: Es soll die Schüler auf eine digitale Zukunft vorbereiten.

Der Computerraum der Bertha-von-Suttner-Realschule war kurz vor den Ferien von einem hohen Piepen erfüllt. Die Achtklässler bastelten an einer digitalen Version des Spieles "Heißer Draht". Wenn sie den "Calliope" Mini-Computer richtig programmiert hatten, piepte es bei der Berührung des Drahtes. Je nach Einstellung wechselte dann auch die Farbe und die Mini-LEDs auf der Platine zeigten ein Kreuz oder einen traurigen Smiley- je nachdem was die Schüler am Computer eingestellt hatten. 

Marlon (15 J.) und Wiktoria (16 J.) testen den "heißen Draht", der mit dem Minicomputer verbunden ist Foto: Michael Gründel

Christina Suthe, von der VME Stiftung, läuft begeistert durch die Gänge. Die Stiftung des Verbands der Metall- und Elektroindustrie (VME) unterstützt Schulen in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Suthe sieht heute zum ersten Mal die Früchte ihrer Arbeit. Im Februar hatte sie eine Fortbildung für 30 Osnabrücker Lehrer organisiert. Eine tolle Veranstaltung sei das gewesen, erzählt Suthe. Der Tisch voller Bastelsachen und die Lehrer voll dabei. Aus Pappe und Gummibändern haben sie einen Finger gebastelt, der sich über den Mini-Computer bewegen lässt. Die Idee sei bei einem Netzwerktreffen von Lehrern entstanden. Die Digitalisierung sei für Lehrer oft schwierig, es fehle an Ideen, um Schüler an die digitale Zukunft heran zu führen. 

Kooperation mit der Uni

Dirk Hehemann, Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Realschule, war bei der Fortbildung dabei und beschreibt Calliope als ein leichtes, schnell einzubindendes Unterrichtswerkzeug. Es wird mit dem "abbozza!" Programm gesteuert, dass das Institut für Informatik der Universität Osnabrück unter der Leitung von Professor Michael Brinkmeier entwickelt hat. Im Grunde besteht es auch verschieden Blöcken, die innerhalb eines Hauptprogrammes verschoben und kombiniert werden. Es sei so einfach, dass es schon in der Grundschule eingesetzt werden könne. 

Calliope- Eine sternenförmige Platine mit vielen Möglichkeiten Foto: Michael Gründel

Für Suthe geht es  um die Zukunft der Schüler. Technik und Software sei mittlerweile überall, wie sie funktionieren wissen allerdings die wenigsten. Hehemann spricht von der "Blackbox in der Waschmaschine". Es gehe darum Hintergrundprozesse sichtbar und begreifbar zu machen. Schließlich sei es laut Suthe unabdingbar, das Schüler die Digitalisierung verstehen, um sie mitgestalten zu können. 

Eine Platine- tausend Möglichkeiten

Schulleiter Martin Sandkämper findet die Kombinationsmöglichkeiten des "Calliope" spannend. Mit der Platine kann getüftelt werden. Sie kann mit ihrer vielfältigen Sensorik in Fächer wie Biologie oder Mathe eingebunden werden. Calliope bietet eine Schnittstelle zwischen Handwerk und Informatik. Im Technik-Kurs, den alle Achtklässler an der Bertha-von-Suttner-Realschule ein halbes Jahr belegen müssen, gehe es sonst um Holzarbeiten und technische Zeichnungen. Die Schüler mit neuen Ideen zu inspirieren ist den Lehrern wichtig. Mit den Jahrgängen 8 und 9 waren sie vor Kurzem auf der Ideen-Expo in Hannover. 

Engagement von vielen Seiten

Dass die 16 Schüler die Ergebnisse ihres Programmieren kurz vor den Ferien präsentieren konnten, verdanken sie nicht nur der VME-Stiftung und der Uni. Es hatte auch viel mit dem Engagement von Referendar Jonas Meyer zu tun. Er hat die Boxen gepackt, die Holzblöcke gesägt und unterstützte die Schüler nun bei allen Fragen.


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