Tag der Architektur in der Region Osnabrück Prägende Räume öffnen am Sonntag ihre Türen für Besucher

Beim Tag der Architektur öffnen drei Kirchen in Osnabrück und Dissen sowie der Terravita-Pavillon in Dissen ihre Türen. Foto: Claudia SarrazinBeim Tag der Architektur öffnen drei Kirchen in Osnabrück und Dissen sowie der Terravita-Pavillon in Dissen ihre Türen. Foto: Claudia Sarrazin 

Osnabrück . "Räume prägen“, lautet das Motto des Tags der Architektur am Sonntag 30. Juni. Geöffnet sind drei umgestaltete Gebäude von katholischen Kirchengemeinden in Osnabrück und Dissen sowie der Terravita Pavillon in Bad Iburg.

Am Tag der Architektur können Planer, Bauherren und alle, die sich für Baukultur interessieren, von der Architektenkammer Niedersachsen ausgewählte neue oder umgestaltete Bauten besichtigen und ins Gespräch kommen. 

St. Ansgar in Nahne Foto: Claudia Sarrazin

In der katholischen Kirchengemeinde St. Ansgar in Nahne zog das Pfarrheim in die Kirche. „Wir brauchten für die neue Nutzung Licht und Luft“, so Anna-Katharina Schnäker (rechts), die mit Daniela Budelmann und Cornelia Tilgner von „Ulrich Tilgner Thomas Grotz Architekten“ den Umbau plante. Die Architekten öffneten das Foyer zum Kirchplatz, und schufen so einen einladenden Bereich. Dort hinein wurde auch eine offene Küche mit Theken eingebaut, wie Werner Pohl (links), Mitglied des Kirchenvorstandes und Bauausschusses, berichtete. Da sich dieser Bereich zum beliebten Treffpunkt entwickelt hat, erreichte Schnäker ihr Ziel, „die Kirche und die Gemeinde miteinander zu verbinden". 

Foto: Claudia Sarrazin

Besucher werden vom Foyer direkt in den Kirchenraum dahinter weitergeleitet. „Hier war uns der Wiedererkennungswert wichtig“, so Pohl. Daher seien das Tabernakel, das Kreuz und Leuchter aus alten Kirchenbänken geschaffen worden. Trotz ihrer modernen, zurückhaltenden Anmutung vermitteln diese das „Gefühl im alten Kirchraum zu sein“. 

Foto: Claudia Sarrazin


Einen Ehrenplatz erhielt ein Relique des St. Ansgar. Den Heiligen wählten die Architekten auch als Thema für die Raumgestaltung: Decken- und Wandleuchten erinnern an eine Segel und der Boden mit Umlauf an ein Floss.  

Foto: Claudia Sarrazin

Führungen in St. Ansgar in Nahne

Führungen starten am Sonntag, 30. Juni, um 12, 13.30, 15 Uhr jeweils am Nahner Kirchenplatz 1 vor dem Haupteingang der Kirche.

Das katholische Gemeindezentrum Heilig Geist passten Jürgen Schwegmann und Stephanie Löning von B-Werk Architekten heutigen Bedürfnissen an: Die Kita wurde erweitert, der Kirchraum verkleinert, der Pfarrsaal verlegt sowie eine Anbindung des Pfarrheims und ein Innenhof geschaffen.  

„Alles fing damit an, dass die Stadt uns fragte, ob wir weitere Kita-Plätze schaffen könnten“, berichtete Pastor Alexander Bergel, und Löning erklärte: „Wir haben auch als erstes geguckt, wohin wir die Kita erweitern konnten.“ Da im ehemaligen Pfarrhaus schon eine Krippengruppe untergebracht war, bot sich ein Lückenschluss zwischen dem bestehenden Kita-Gebäude und dem Pfarrhaus an. Dann wurde der alte Pfarrsaal abgebrochen, damit die Kinder weiterhin genügend Spielfläche haben, und der Pfarrsaal fand in der Kirche Platz. Denn die Architekten verkürzten den Kirchenraum um rund ein Drittel. „Das war eine Kettenreaktion“, Schwegmann.

Pastor Alexander Bergel mit Jürgen Schwegmann und Stephanie Löning von B-Werk Architekten. Foto: Claudia Sarrazin

Beim notwendigen Umbau setzten die Architekten in sehr klares, zurückhaltendes Raumkonzept um. In der Kirche lenkt dieses den Blick auf goldfarbige Leuchten in Zylinderform. „Sie symbolisieren die Flammen des Heiligen Geistes“, so Löning. Taufstein, Altar, Ambo und die Tragsäule für den Tabernakel sind einheitlich aus hellem Sandstein und ebenso neu wie das große, aber minimalistisch gehaltene Stahlkreuz.  

Foto: Claudia Sarrazin
Pastor Alexander Bergel mit Jürgen Schwegmann und Stephanie Löning von B-Werk Architekten. Foto: Claudia Sarrazin

Gleichzeitig bewahrten die Gemeinde und die Architekten viel Altes: Das Kernstück des Tabernakels, Stücke einer Verglasung, die zum neuen Glasbild zusammengefügt wurden, und der Korpus eines Triumphkreuzes. 

Foto: Claudia Sarrazin

Einen Ort des Rückzugs schufen die Architekten in der Marienkapelle, die komplett in einem fast schwarzen Anthrazit gehalten ist.  

Foto: Claudia Sarrazin
Foto: Claudia Sarrazin


Führungen in Heilig Geist

Treffpunkt für Führungen ist am Sonntag, 30. Juni, jeweils um 12.30, 14.30, 16 Uhr der Eingang des Pfarrheims an der Lerchenstraße 91.
Foto: Claudia Sarrazin

Nach langer Diskussion bauten die Dissener die 1965 errichtete katholische. St. Ansgar-Kirche bis auf den Kirchturm zurück, berichteten Rainer Schlingmann und Sebastian Bischoff, die Projektleiter der Kirchengemeinde.  Dort wo früher die Kirche stand, planten Claudia Grieger-Tabeling und Jürgen Hinse von der Ahrens + Pörtner Architektengesellschaft Gemeinderäume, eine kleine Kapelle und eine Kita-Erweiterung.

Rainer Schlingmann und Sebastian Bischoff, die Projektleiter der Kirchengemeinde mit Claudia Grieger-Tabeling und Jürgen Hinse von der Ahrens + Pörtner Architektengesellschaft. Foto: Claudia Sarrazin

Der Turm, das markante, von weitem sichtbare Erkennungszeichen blieb erhalten, seine Fassade wurde neu verkleidet. Früher fungierte der Turm als Kircheneingang, heute ist er der Eingang des neuen Gemeindezentrums. 

Im Innern weisen Solnhofener Platten aus der alten Kirche den Weg in die Kapelle. Von den Gemeindemitgliedern besonders geliebt wird eine Platte mit einer versteinerten Schnecke. Foto: Claudia Sarrazin

Der Andachtsraum setzt in mehrfacher Hinsicht Akzente: Sein Baukörper mit dem schräg abfallenden Dach ist von der Straße aus ein Blickfang – ebenso wie sein  3,20 mal 4,30 Meter großes, farbiges Glasfenster. Dieses wurde wie die Innenwände der Kapelle von Tobias Kammerer gestaltet. Bischoff gefiel daran vor allem: „Außer dem Fenster dominiert nichts anderes den Raum.“ Das gelte auch für die Marienstatue in einer Nische.  

Foto: Claudia Sarrazin

Kramers luftig-leichte Kunst, die an Aquarelle oder Wasserfarben erinnert, und die zurückhaltende Möblierung sorgen für ein fröhliches und dennoch beruhigendes Ambiente.   

Foto: Claudia Sarrazin

Führungen in St. Ansgar Dissen

Führungen finden am Sonntag, 30. Juni, um 11, 13 und 15 Uhr. Treffpunkt ist der Eingang im Turm an der Meller Straße 15 in Dissen.
Foto: Laga Bad Iburg 2018/Imma Schmidt

Der organisch geformte Ausstellungspavillion des Natur- und Unesco Geopark Terravita im Übergang zwischen Kur- und Waldkurpark in Bad Iburg scheint auf den Aufstiegsturm des Baumwipfelpfades zu weisen. Doch der Entwurf von Miriam Kopp (rechts) von MQuadrat-Architektur und der Landschaftsarchitektin Elke von Hofen (links) stand schon, bevor der Baumwipfelpfad geplant wurde. 

Foto: Imma Schmidt

Die Aufgabe der beiden war es, 300 Millionen Jahre Erdgeschichte erlebbar zu machen. Der Pavillon und die Außenanlagen symbolisieren den Lebenslauf der Erde und die Entstehung des Lebens. „Innen und Außen sind eine Einheit“, berichtete Kopp. Der Weg durchs Gebäude und nach draußen führe „aus der Tiefe der Erde, von der dunklen Enge bis zum Wasser des Lebens sowie dem Holz und den Pflanzen.“  

Foto: Elke von Hofen

Daher gestaltete die Architektin den Pavillon als ein dreidimensionales, trichterförmiges Objekt, dass sich sowohl in der Breite als auch in der Höhe vom Eingang her öffnet. Zudem scheint der Innenraum dank einer großen Glasfassade direkt mit der Natur zu verschmelzen.   

Von der Aussichtsplattform des Baumwipfelpfades ist erkennbar, dass sich die Formensprache des Pavillions vom Kreis als Symbol für die Einheit und als “Rund für die Erde“ ableitet. Und im Zentrum des Kreises entwickelt sich das Leben, symbolisiert durch  Wasser. Von Hofen nahm dies mit sprudelndem Wasser im Zentrum des Außenbereiches auf.

Foto: Hartwig Wachsmann

Im Innern können die Besucher beispielsweise an einer Sinneswand den Aufbau von geologischen Gesteinsschichten buchstäblich erfassen. "Und ein von der Decke hängender Flugsaurier stellt einen zeitlichen Bezug zur Erdgeschichte her“, so Koop.  

Foto: Hartwig Wachsmann


Führungen im Terravita-Pavillion

Führungen starten am Sonntag, 30. Juni, jeweils um 11, 13 und 15 Uhr am Pavillion.


Auch in Alfhausen gibt es "prägende Räume" zu besichtigen: Die KiTa Johanna in der Alten Schulstraße 8 direkt an der B68. Die Architekten von "BW Architektur Thomas Behlha, Michael Wienken Architekten" entwarfen eine notwendige Lärmschutzwand. Die vertikale Holzwand legt sich schützend um den Spielbereich. Optisch kaschieren unterschiedlich hohe Podeste der Spiellandschaft die Wand. Innen ist Platz für drei Kindergarten- und eine Krippengruppe. Die Gebäudestruktur wirkt wie ein kleines Dorf, da sie sich aus Einzelgebäuden mit unterschiedlichen Höhen, Dachformen und Materialien zusammensetzt.

Führungen in der Kita Johanna

Beim Tag der Architektur am Sonntag, 30. Juli gibt starten Führungen im Gebäude um 11 und um 14 Uhr sowie in den Freianlagen um 12 und um 15 Uhr. Treffpunkt ist am Haupteingang in der Alten Schulstraße 8 in Alfhausen.







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