6000 Euro Preisgeld für Studierende Zum 25. Mal wurde der Piepenbrock Kunstförderpreis verliehen

Die Jury des Piepenbrock Kunstförderpreises 2019 (v.l.: Professor Thomas Rentmeister, Universitätspräsident Professor Wolfgang Lücke, Maria-Theresia Piepenbrock, Professor Klaus Drießen) vor der preisgekrönten Arbeit "Liaison" von Nicole Widner. Foto: Pressestelle der Universität Osnabrück/Elena ScholzDie Jury des Piepenbrock Kunstförderpreises 2019 (v.l.: Professor Thomas Rentmeister, Universitätspräsident Professor Wolfgang Lücke, Maria-Theresia Piepenbrock, Professor Klaus Drießen) vor der preisgekrönten Arbeit "Liaison" von Nicole Widner. Foto: Pressestelle der Universität Osnabrück/Elena Scholz

Osnabrück. Drei Studierende des Fachs Kunst an der Universität Osnabrück wurden mit dem Piepenbrock Kunstförderpreis 2019 ausgezeichnet, der mit insgesamt 6000 Euro dotiert ist.

Hier zeigen Bildhauer, was sie können: Man entdeckt eine Skulptur, die zunächst entfernt an ein Readymade von Marcel Duchamp erinnert, sich dann aber als ein kinetisches Klangobjekt aus Fahrradteilen und anderen Fundstücken entpuppt, das den Betrachter auffordert, es in Bewegung zu setzen. Vorbei an ästhetisch-eleganten Skulpturen aus Stahl und Beton, an der künstlerischen Adaption der Natur, die einen menschlichen Eingriff in sich selbst zurückerobert, vorbei an arg vergrößerten Pollenkörnern in Beton als Symbol für „die versteckte Sexualität der Pflanzen“, gelangt man in ein Segment des Raumes, in dem es von Objekten wimmelt. In Regalen, auf Paletten, Tischen liegend und an der Wand hängend setzen sie vielfältige Assoziationen frei. Vor allem erinnern sie an die Vergänglichkeit allen Seins, denn sie sind organisch und können sich in ihrer Struktur verändern. Amorphe Formationen und Farben, die eher an kalten Kaffee, schwarzen Tee und Teer erinnern, verbinden sich zu einer „Liason“. Die Idee der Studentin, die für die Rauminstallation verantwortlich zeichnet: Zucker wird aufgekocht und durch die Vermischung mit Fett, Gewürzen und anderen Ingredienzien in verschiedene Aggregatzustände versetzt. So entstehen Exponate unterschiedlicher Ausformung, bei denen ohne Frage auch der Zufall seine Hand im Spiel hat.

Nicole Widner hat die „Liaison“ kreiert. Sie studiert an der Universität Kunst und ist eine von zehn Studierenden, die von Frank Gillich, der in dem Fach Bildhauerei lehrt, für den diesjährigen Piepenbrock Kunstförderpreis vorgeschlagen wurde. Die Jury, die sich am Mittwoch aufmachte, um herauszufinden, wer denn bei der 25. Vergabe der beliebten Auszeichnung wohl einen Preis verdient hat, einigten sich im Bereich Bildhauerei auf Frau Widner, die für ihre Arbeit 2000 Euro mit nach Hause nehmen darf. Insgesamt drei Studierende dürfen sich in diesem Jahr die Gesamtdotierung in Höhe von 6000 Euro teilen. Saskia Averdiek sowie Azim F. Becker, beide im Bereich Malerei tätig, wurde ebenfalls zu Gewinnern gekürt.

Averdiek verfolgte mit ihrem nominierten Werken ein besonderes Konzept: Sie malt zweihändig - gleichzeitig. Während die Rechtshänderin konstant auf die linke Hand schaut, die mit breitem Pinsel weiße, geometrische Figuren auf schwarzes Papier malt, versucht sie, dieselben Formen auch mit der rechten zu malen, die sie allerdings nicht unter optischer Kontrolle hat. Verblüffend und nicht weniger faszinierend sind die Ergebnisse, die sie jetzt unter dem Titel „Polarität 1-16“ im Gebäude 05 der Universität an der Seminarstraße präsentiert. Insgesamt 36 nominierte Arbeiten aus den Bereichen Bildhauerei, Druckgrafik, Malerei, Mediendesign und Zeitbasierte Kunst sind dort bis zum 30. Juni zu sehen.

Unter anderem auch die Rauminstallation von Azim F. Becker. Er hat seine Wurzeln in der Streetart. Mit großer Leidenschaft zeichnet er Röhren, die mal wie Gehirnwindungen, dann wieder wie Teile des Darms aussehen. Mal entwinden sie sich einer realen Steckdose in der Wand, mal kriechen sie aus dem Rucksack eines gezeichneten Passanten, wuchern über die Leinwand und reißen alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest ist. Zum Beispiel ein Toilettenhäuschen, in dem sich ein Paar genussvoll verlustiert. Für den Kunstförderpreis kombinierte Becker seine Zeichnungen mit Möbelstücken, Sprüh-Graffitis und anderen Objekten zu einer großen Rauminstallation. Der Witz und die Art, keiner Konvention zu folgen, sondern Material, Formate und Inhalte unbekümmert ein- und umzusetzen, gefiel der Jury gut, sodass Becker ebenfalls zum Preisträger ernannt wurde.

Wie schon in den vergangenen Jahren gehörte Preisstifterin Maria-Theresia Piepenbrock zur Jury, darüber hinaus hatten Wolfgang Lücke, Präsident der Universität Osnabrück, Professor Klaus Dierßen von der Universität Hildesheim und Professor Thomas Rentmeister von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig die Beurteilung der nominierten Arbeiten übernommen.

„Der Piepenbrock Kunstförderpreis stellt eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Studierenden dar“, erklärte Maria-Theresia Piepenbrock während der Preisverleihungszeremonie. „Mit ihren Werken gestalten die jungen Künstlerinnen und Künstler unsere Gesellschaft aktiv mit und bereichern die Kunst- und Kulturlandschaft in der Region Osnabrück.“

Uni-Präsident Wolfgang Lücke dankte Frau Piepenbrock für ihr Engagement und ihren langjährigen persönlichen Einsatz. „Der Preis hat über viele Jahre hinweg junge Studierende beflügelt und die besonderen Leistungen im Fach Kunst für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht“, so Professor Lücke.


Piepenbrock Kunstförderpreis 2019: Die Ausstellung ist bis Sonntag, 30. Juni, jeweils von 10 bis 18 Uhr im Uni-Gebäude an der Seminarstraße 33 zu sehen. Führungen sind nach telefonischer Anmeldung (Tel. 0541 969-4225) möglich.

Zur Sache

Rahmenprogramm
In den Räumen des Fachs Kunst, Gebäude 05, Seminarstraße 33:
Sa., 29. Juni, 18 Uhr, Performance, Präsentation Grundlehre Sommersemester 2019
So., 30. Juni, 18 Uhr, Präsentation Grundlehre und Studiolehre Sommersemester 2019
Nähere Informationen zum Rahmenprogramm unter www.pkfp.uos.de




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