Morgenland Festival präsentiert Jazz aus Baku Salman Gambarov begeistert mit seinem Trio das Blue Note

Meister des Jazz: Das Trio Bakustic Jazz mit dem Pianisten Salman Gambarov gastierte während des Morgenland Festivals im Blue Note. Foto: Andy SpyraMeister des Jazz: Das Trio Bakustic Jazz mit dem Pianisten Salman Gambarov gastierte während des Morgenland Festivals im Blue Note. Foto: Andy Spyra

Osnabrück. Seine ganz eigene Sorte Jazz an der Schnittstelle zwischen Ost und West entwarf der aserbaidschanisch Pianist Salman Gambarov mit seinem Trio Bakustic Jazz im Osnabrücker Blue Note.

Der Schlagzeuger fegt mit seinen Händen über die Trommeln, streichelt die Felle erst zaghaft, dann heftiger, ein Rhythmus entsteht, der von einem Bassisten aufgefangen wird. Elegant bearbeitet der seinen E-Bass, bis in Kooperation mit dem Drummer ein grooviges Grundgerüst für den Pianisten entsteht. Bei ihm handelt es sich um Salman Gambarov, Stammgast beim Morgenland Festival, der diesmal mit seinem Trio Bakustic Jazz angereist ist. Traumwandlerisch präsentieren diese drei Musiker aus Aserbeidschan ihre ganz eigene Klaviertrio-Jazz-Version an der Schnittstelle zwischen Ost und West.

Stücke, die ganz sanft, geradezu impressionistisch eingeleitet werden, steigern sich zu vehementen Klangeruptionen abseits jeglicher Konventionen. Freie Improvisation vermischt Gambarov mit der aserbeidschanischen Magham-Tradition. Orientalische Skalen sind in seinem virtuosen Spiel ebenso herauszuhören wie westliche Motive. Es ist eine wahre Freude, diesem Pianisten zu lauschen, der sich das Klavierspiel selbst beibrachte, indem er versuchte, alte Schellackplatten seiner Eltern nachzuspielen, bevor er eine klassische akademische Ausbildung startete.

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In Emil Gasanov und Vagif Aliyev hat er kongeniale Begleitmusiker gefunden. Bassist Gasanov besticht durch eine konstant flutende, melodiöse Spielweise, die auch mal in einen funkigen Slap-Stil verfallen kann. Derweil spielt Aliyev ein sehr facettenreich Schlagzeug. Er liebt es, den Becken zischelnde und auch mal schrille Klänge zu entlocken und beweist mit einigen Soli seine rhythmische Meisterschaft. Im Gegensatz zu Gasanov. Auf ein Solo des Bassisten wartet man leider vergeblich.

Dafür lädt Gambarov bald den französischen Serpent- und Tuba-Virtuosen Michel Godard als Gast auf die Bühne. Zu einem funkigen Fundament der Rhythmusgruppe entwerfen Godard und Gambarov einen exotischen Dialog zwischen Piano und Tuba, zwei Instrumenten, die sonst eher selten aufeinandertreffen. Mal sinnlich, mal dynamisch-expressiv treiben sie gegenseitig auf einen Klimax zu, bevor Godard das Klangerlebnis mit einem lauten Pusten in sein blau schimmerndes Instrument beendet.

Zur Zugabe liefert Gambarov dem Publikum ein Evergreen. Es ist der Song „Yesterday“ von den Beatles, dem er seine ganz individuelle Handschrift verpasst. Immer mal wieder ertönt kurz die Original-Melodie des Liedes in den Tonkaskaden, die der Pianist aus dem Flügel perlen lässt, wenn er sich intensiver Improvisation widmet. Wirklich großartig.


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