Scharfe Kritik am Landesvorstand Lars Büttner ist neuer Vorsitzender der Osnabrücker Landkreis-Linken

Die Linke im Osnabrücker Land hat nach monatelanger Vakanz mit Lars Büttner wieder einen Kreisvorsitzenden. Foto: Hendrik SteinkuhlDie Linke im Osnabrücker Land hat nach monatelanger Vakanz mit Lars Büttner wieder einen Kreisvorsitzenden. Foto: Hendrik Steinkuhl

Bohmte. Nach monatelanger Vakanz haben die Linken im Osnabrücker Land mit Lars Büttner wieder einen Kreisvorsitzenden. Vor seiner Wahl durch die Kreismitgliederversammlung attackierte Büttner den Landesvorstand der Linken aufs Schärfste.

13 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen. Ein überzeugendes Ergebnis sieht anders aus, doch immerhin: Die Führungskrise der Landkreis-Linken ist vorbei. Im Bohmter Hotel Niemann entschied sich die Kreismitgliederversammlung für den einzigen Kandidaten, der schon zwei Jahre lang Chef der Landkreis-Linken war. 

Kreisverband seit Dezember letzten Jahres führungslos

Dass Büttner dieses Amt im Herbst letzten Jahres aufgab, lag an einer Entscheidung, die den Kreisverband bis heute spaltet. Als die Kreistagsabgeordnete Tanja Bojani die AfD-Fraktion verließ, nahm die aus Lars Büttner und Andreas Maurer bestehende Linken-Fraktion die Aussteigerin auf. Teile des Kreisverbandes kritisierten diese Entscheidung scharf, sie beklagten, dass diese Entscheidung hinter dem Rücken des Kreisvorstandes getroffen worden sei und einige Parteimitglieder von der Aufnahme Bojanis erst aus der Zeitung erfahren hätten.

Nachfolgerin von Büttner wurde die junge Aisleen Beynon-Thomas aus Georgsmarienhütte, die allerdings schon nach einem Monat "aus beruflichen Gründen" wieder zurücktrat. Seit Beynon-Thomas' Rückzug im Dezember hatten die Landkreis-Linken keinen Vorsitzenden - und das änderte sich auch bei der Kreismitgliederversammlung im Februar nicht, als Lars Büttners Kandidatur mit 9 Ja-Stimmen und 9 Nein-Stimmen erfolglos blieb.

Büttner hält kämpferische Rede

Vor seinem zweiten Versuch, den neun Monate zuvor abgegebenen Kreisvorsitz zurückzugewinnen, hielt Büttner eine kämpferische Rede, in der er den niedersächsischen Landesvorstand der Linken aufs Heftigste attackierte. "Die Landesvorsitzende hat offenbar nicht verstanden, was ein Sozialstaat überhaupt ist", sagte Büttner über die Osnabrückerin Heidi Reichinnek, der er vorwarf, in einer Äußerung den Sozialstaat und das Thema Migration auf unzulässige Weise vermengt zu haben.


In seiner Bewerbungsrede übte Lars Büttner scharfe Kritik am niedersächsischen Landesvorstand der Linken. Foto: Hendrik Steinkuhl

Was er der Führung der Landes- und der Bundespartei im Kern vorwirft, machte Büttner anschließend ganz deutlich: Wer eine unkontrollierte Einwanderung kritisiere, könne sich auf eine innerparteiliche Hexenjagd gefasst machen. "Offene Grenzen und ein Bleiberecht für alle sind aber einfach unrealistisch." Was Büttner mit der Hexenjagd meint, hatte er schon im Februar gegenüber unserer Redaktion geschildert. Ein offiziell bestätigtes Parteiausschlussverfahren gegen ihn und seinen Kreistagskollegen Andreas Maurer sei begleitet worden durch einen „107-seitigen verfassungsschutzähnlichen Bericht“, der unter anderem Facebook-Einträge und privaten Mailverkehr beinhalte. Auch in jüngster Vergangenheit, so Büttner nun, habe die Landespartei "mit Briefen und Telefonaten" versucht, seine Wahl zum Kreisvorsitzenden zu verhindern. 

Hasberger Winfried Bußmann kritisiert Eskalationskurs

Kritik an Büttners Bewerbungsrede kam vom Hasberger Gemeinderatsmitglied Winfried Bußmann. Er warf Büttner vor, keine ausgleichenden Worte gegenüber seinen Gegnern im Kreisverband gefunden zu haben. "Ich habe den Eindruck, dass da weiter auf Eskalation und Zuspitzung gesetzt wird." Zu Büttners Gegnern gehören vor allem die etablierten Mitglieder aus den Ortsverbänden GMHütte und Bramsche, die dem jungen Bohmter vorwerfen, eine Realpolitik zu betreiben, die wenig bis nichts mit linken Idealen zu tun hat.

Neben dem Kreisvorsitzenden wurde auch noch ein neues Vorstandsmitglied gesucht, da der Meller Malte Schinke in die Landesschiedskommission gewählt wurde und seinen Vorstandsposten im Kreisverband deshalb aufgeben muss. Zu Schinkes Nachfolger wählte die Kreismitgliederversammlung den Bad Essener Jens Rüdiger. 


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