Bunte Strichlabyrinthe Kinder werden zu Künstlern, Musikern und Schauspielern

Stolze Künstler: (von links) Anastasia , Samantha und Maximilian zeigen, was sie während des Kulturprojekts K3 in hase 29 geschaffen haben. Foto: Swaantje HehmannStolze Künstler: (von links) Anastasia , Samantha und Maximilian zeigen, was sie während des Kulturprojekts K3 in hase 29 geschaffen haben. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. „K3 – und Du bist dabei“ heißt das Kulturprogramm, das in mehreren städtischen Institutionen sowie Initiativen und Einrichtungen der Jugendhilfe stattfindet. Nach einem Jahr kreativen Arbeitens durften die jungen Künstler jetzt zeigen, was sie geschaffen haben.

Links entdeckt man eine Flasche Sekt mit Glas, rechts einen tanzenden Menschen, weiter unten spielt jemand Trompete, daneben ist eine riesige Musikanlage und ein Schlagzeug aufgebaut. Ohne Frage, das großformatige Bild ist voller Lebenslust und Musik. „Wir haben alle gemeinsam daran gearbeitet“, erklärt Samantha. Sie ist zehn Jahre alt und trifft sich einmal in der Woche mit anderen Schülern, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Jetzt steht sie vor einem Bild, das sie ganz allein angefertigt hat. Viele Handabdrücke verdichtete sie zu einer grünblauen Farbfläche, in die sie mit den Fingernägeln eine Figur geritzt hat. „Das ist ein Vampir. Hier sieht man die beiden spitzen Zähne“, beschreibt sie ganz begeistert. Offenbar macht ihr die künstlerische Betätigung, zu der sie seit einem Jahr in den Kunstraum hase 29 fährt, großen Spaß.

Projekt mit sozialem Gedanken

„K3 – und Du bist dabei“ heißt das Programm, das in mehreren städtischen Institutionen sowie Initiativen und Einrichtungen der Jugendhilfe stattfindet. K3, das steht für die Sparten Musik, Theater und Kunst. Kinder, deren Eltern es sich nicht leisten können, einen Kurs in der Musik- und Kunstschule zu buchen, sollen die Möglichkeit bekommen, sich künstlerisch, musikalisch oder spielerisch zu betätigen. Organisiert wurde das Kulturprojekt von der Bürgerstiftung Osnabrück, finanziert hat es die Felicitas und Werner Egerland Stiftung.

Musikalisch gestartet hat die Gruppe, in der Samantha mitmacht. Zu Musik haben die Teilnehmer mit Ölkreide Linien auf Papier gezeichnet. „Die Birgit hat da so eine alte Musik gespielt, die fanden wir gar nicht so toll“, sagt der elfjährige Maximilian. Mit Birgit meint er Birgit Kannengießer, die die Gruppe in hase 29 angeleitet hat. Als Einstieg hatte sie den Kindern den „Türkischen Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart vorgespielt. Doch schon bald schallten Lieder von Adel Tawil, Pietro Lombardi und One Direction aus den Boxen. Zu diesen Rhythmen und Klängen ließen die Kids begeistert ihre Hände schwingen, bis die Papierbahnen zu bunten Strichlabyrinthen geworden waren. Daraus wurden schließlich die Motive ausgeschnitten, die sie für das große Gemeinschaftswerk benötigten. „Mein Freund spielt Schlagzeug, daher habe ich ein Schlagzeug mit großen Lautsprecherboxen aufgezeichnet und ausgeschnitten“, erzählt Maximilian.

Mit einem bunten Mikrophon hat die ebenfalls elfjährige Anastasia zu dem großen Werk beigetragen. Aber sie hat auch allein gearbeitet. „Pferde sind meine Lieblingstiere. Als wir etwas mit Kleiderbügeln aus Draht machen wollten, habe ich einen Pferdekopf geformt, ihn mit einer Heißklebepistole bearbeitet und dann mit goldenem Lack angesprüht“, erzählt sie. Auf einem Sockel befestigt, sieht das Werk aus, als hätte es einer der professionellen Künstler geschaffen, die nebenan im offiziellen Raum ausstellen dürfen.

Von Profis inspiriert

„Zur Inspiration haben wir tatsächlich manchmal geschaut, was dort gezeigt wird“, erzählt Kannengießer. Und schließlich durften die Teilnehmer für die Präsentation ihrer Kunstwerke nach einem Jahr dann auch mal selbst in den großen Kunstraum. An einem Nachmittag wurde dort beispielsweise gesungen, was Schüler mit dem Musiker Heaven einstudiert haben. Zusammen mit Gruppenleitern von der Theaterpädagogischen Werkstatt wurde die Kinder zu Schauspielern und es wurde gezeigt, was in den Kursen von Künstlerin Caro Enax und Pädagogin Nele Jamin entstanden war.

„Ich bin den ganzen Nachmittag mit einer Maske herumgelaufen, die ich aus den Resten gebastelt habe, die hier im Raum beim Werkeln und Ausschneiden übrig geblieben sind“, erzählt Anastasia. Jetzt ziert das Werk ihr Regal zuhause.


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