Worauf es in der Mediation ankommt Vermittlung in Konflikten: Ausbildung in Melle

Mediatoren helfen Streitenden dabei, einander zu verstehen. Wie das geht, zeigen Kurt Südmersen und Cornelia Timm anhand eines Wolfes und eines Giraffen. Foto: Swaantje HehmannMediatoren helfen Streitenden dabei, einander zu verstehen. Wie das geht, zeigen Kurt Südmersen und Cornelia Timm anhand eines Wolfes und eines Giraffen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Hilfe bei Konflikten: Das Bildungswerk Verdi und die Evangelische Erwachsenenbildung Osnabrück bieten ab September in Melle eine berufsbegleitende Ausbildung zum Mediator an. In der kommenden Woche ist in Osnabrück ein Schnupperabend mit den Dozenten geplant.

Was ist Empathie? Vor 23 Jahren hätten Cornelia Timm und Kurt Südmersen diese Frage noch gar nicht beantworten können. Damals ahnten sie noch nicht, dass sie den Dreh- und Angelpunkt bei der Vermittlung in Konflikten ausmacht – und bald auch zum Mittelpunkt ihrer Arbeit werden sollte: Die beiden bilden Mediatoren aus und arbeiten demnächst erneut als Dozenten für das Bildungswerk Verdi und die Evangelische Erwachsenenbildung Osnabrück.  

Schwierige Menschen und schwierige Situationen

Dass es bei dem damals wenig bekannten Wort um Einfühlungsvermögen und Mitgefühl geht, lernten Cornelia Timm und Südmersen, als sie sich mit dem amerikanischen Psychologen Marshall Rosenberg (1934–2015) und dessen Gewaltfreier Kommunikation beschäftigten. Auf dieser Grundlage bilden sie künftige Mediatoren für den „Umgang mit schwierigen Menschen und schwierigen Situationen“, wie es Timm formuliert.

„Empathie zu üben ist ein wesentlicher Teil der Ausbildung, denn sie ist die Grundhaltung des Mediators“, erläutert Timm, und Südmersen ergänzt: „Es geht um den Zugang dazu, wie dem anderen zumute ist“. Daher gehe es in der Ausbildung weniger um die Vermittlung eines Unterrichtsstoffes, sondern mehr um die Weiterentwicklung der Teilnehmer. Kurt Südmersen spricht sogar vom „Verlernen“ – und meint damit, „aufzuhören, andere und sich selbst zu beurteilen“.

Wer an der Ausbildung teilnimmt, beschäftigt sich daher auch mit der Entdeckung prägender Sätze aus der eigenen Kindheit. Timm stellt fest: „Viele Kursteilnehmer sind erschrocken über das Ausmaß ihrer Bewertungen – auch sich selbst gegenüber.“ Der Lernerfolg bestehe auch darin, etwas zu verlernen, wie Südmersen erläutert, denn „Bewertungen blockieren ja den Kontakt“. Die Kunst sei es zu „beobachten, ohne zu bewerten“.

Die Giraffe und der Wolf

Inspiriert von Marshall B. Rosenberg, nehmen die Dozenten Handpuppen mit in die Ausbildung – einen Wolf und eine Giraffe. Sie stehen für zwei Seiten der Kommunikation. Der Wolf steht für eine Sprache, in der es um Macht und Schuldzuweisungen geht – und gleichzeitig für Lebendigkeit. „Den Wolf brauchen wir“, sagt Timm, denn „er zeigt uns sofort, wenn wir uns nicht wohlfühlen. Er bewertet, geht aus dem Kontakt heraus oder in die Eskalation.“ Und die Giraffe? Sie steht für Überblick und Einfühlung – also Empathie.

Wer kann Mediator werden? Die beiden Dozenten vom Orca-Institut in Bad Oeynhausen sagen, dass die Ausbildung allen offen stehe. Demnach kommen die Teilnehmer der Mediationsausbildung bisher überwiegend aus Betrieben und Institutionen, und „viele machen die Ausbildung einfach für sich selbst“, stellt Timm fest.

Die berufsbegleitende Ausbildung erfüllt die Standards des Bundesverbandes Mediation. Sie findet in Melle statt, erstreckt sich über 200 Stunden an sieben Wochenenden und zwei Bildungsurlaubswochen. Beginn ist im September 2019, Abschluss im November 2020. Einen Schnupperabend mit den Dozenten bieten das Bildungswerk Verdi und die Evangelische Erwachsenenbildung am Montag, 24. Juni, von 17 bis 20 Uhr in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte an der Anna-Gastvogel-Straße 1 in Osnabrück an. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0541 357404103 möglich.


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