Schnulzen für Hartgesottene Axel Rudi Pell rockt zum 30-jährigen Jubiläum den Hyde Park

Alte Schule: Heavy-Metal-Gitarrist Axel Rudi Pell im Osnabrücker Hyde Park.  Foto: André HavergoAlte Schule: Heavy-Metal-Gitarrist Axel Rudi Pell im Osnabrücker Hyde Park. Foto: André Havergo

Osnabrück. Auf seiner "30th-Anniversary-Tour" machte Heavy-Metal-Gitarrenlegende Axel Rudi Pell Station im Osnabrücker Hyde Park.

Wenn der Gitarrist der Star ist: Einen Tag vor seinem ausverkauften Heimspiel in Bochum schaute Ruhrpott-Rocker Axel Rudi Pell im Rahmen seiner Jubiläumstour mit seiner aktuellen, nach ihm benannten Band im Osnabrücker Hyde Park vorbei. Der war zwar nur halbwegs gefüllt, nichtsdestotrotz bekamen die Fans aber die volle Packung Retrospektive über das 30-jährige Schaffen des international renommierten Heavy-Metal-Gitarristen – zunächst als Schnelldurchlauf über Band, dann mit echten Vollblutmusikern. 

Jedem sein Solo

Allen voran Bandleader und Zeremonienmeister Pell, der zwar außen, aber dennoch im Mittelpunkt stand. Während sein seine langen blonden Haare effektvoll im künstlichen Wind wehten, entlockte er seiner Fender Stratocaster mit viel Gefühl und hoher technischer Präzision eingängige Riffs und geizte nicht mit dem ein oder anderen jaulenden Solo. Aber auch seine vier Mitstreiter kamen jeweils einmal zu diesem Recht, darunter Schlagzeug-Legende Bobby Rondinelli, der sich bis dahin lange Zeit zwischen den hoch aufgetürmten Monitorboxen versteckt gehalten hatte. Auf sein Solo folgte als Hommage an seinen vor neun Jahren verstorbenen, ehemaligen Kollegen, Mano Cornuta-, also „Gehörnte Hand“-Erfinder und Rainbow- und Black Sabbath-Sänger Ronnie James Dio dessen Power-Ballade „Temple Of The King“.


Mit Sänger Johnny Gioeli. Foto: André Havergo


 

Sakrale Momente

Sänger Johnny Gioeli hatte seinen Moment allerdings später, als er bei „The Line“ seine röhrende Stimme voll ausreizen konnte. Keyboarder Ferdy Doernberg, der zwischendurch auch zum Mitklatschen animieren musste, bearbeitete fingerfertig und mitunter über Kreuz gleich drei Tastaturen und Bassist Volker Krawczak ließ sein Instrument fein laufen – besonders prägnant beim programmatischen „Long Live Rock“. Die mehr als 20 Jahre alte Ballade „Oceans Of Time“ entpuppte sich als Schnulze für Hartgesottene – und mit dem gefühligen Leonard Cohen-Cover „Hallelujah“ konnte die Heavy-Metal-Gemeinde gar generationenübergreifend zum Mitsingen bewegt werden. Das ältere Semester überwog allerdings. Sogar ein „Iron Maiden“-Tourshirt aus dem Jahr 1979 wurde gesichtet. 


Keyboarder Ferdy Doernberg und Bassist Volker Krawczak. Foto: André Havergo


 

Prominentes Vorprogramm

Jenes Jahr gilt auch als die Geburtsstunde der „New Wave of British Heavy Metal“ (NWOBHM), dessen Londoner Pioniere Praying Mantis im Hyde Park mit melodischem Hard-Rock das Vorprogramm gestalteten. So konnte gar ein Doppeljubiläum gefeiert werden. Am Ende eines grundsoliden, überraschungsfreien Rock-Geburtstags gab es dann aber doch noch einen unerwarteten Schockmoment. Punkt eine Stunde vor Mitternacht wurde es plötzlich mitten in der Zugabe „Rock The Nation“ still und dunkel im „Park“. Hatte da etwa die Technik den Starkstrom-Rockern kurzerhand den Saft abgedreht? Wie auch immer: Nach ein paar Sekunden wurde der Song noch professionell nach Hause gespielt.


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