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Hommage an Minimalisten Fantastisch: Joachim Raffels „Drone for LaMonte Young“ im Osnabrücker Schloss

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Das Trio Namu 3 interpretierte mit Studenten Joachim Raffels „Drone for LaMonte Young“.Foto: Hermann PentermannDas Trio Namu 3 interpretierte mit Studenten Joachim Raffels „Drone for LaMonte Young“.Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Ein 14-köpfiges Ensemble stellte sich in den Dienst der Minimal Music und des Experiments. Zusammen mit Studierenden der Universität und der Hochschule Osnabrück interpretierte das Trio Namu 3 erstmals ungekürzt die Komposition „Drone for LaMonte Young“ von Joachim Raffel.

Das Publikum im Musiksaal des Schlosses wird schon lange vor Konzertbeginn von einem eintönigen Dauerton begrüßt. Im Scheinwerferlicht sitzt eine junge Frau im Schneidersitz und entlockt einem indischen Harmonium mit stoischer Gleichmütigkeit einen einzigen Ton, der sich durch die Hin- und Herbewegung des Blasebalgs minimal in seiner Farbe verändert. Er bildet die gleichbleibende Grundstruktur für die Komposition des Osnabrücker Musikers Joachim Raffel, der mit seinem Werk eine Hommage an Steve Reich, Philip Glass, aber auch an John Cage und Karl-Heinz Stockhausen, vor allem jedoch an den amerikanischen Minimalisten La Monte Young schrieb, der sich von all den Vorgenannten beeinflussen ließ. Elemente der Minimal Music, also asiatische Musik, Jazz und Avantgarde, verbindet das Ensemble und reichert es mit Tanz an.

In Wellenbewegungen wird improvisiert, denn von Komposition kann man nicht im konventionellen Sinn sprechen.

Raffel gibt nur ein Grundgerüst vor sowie bestimmte Elemente, die auftauchen sollen. Dazu gehören der Bordunklang (= „Drone“) des Harmoniums, der dem Werk den Namen gab, sowie skandierte Worte, die im Titel vorkommen und von rhythmischem Klatschen begleitet werden. Ansonsten entwickeln die Musiker aus dem Moment heraus eine vielschichtige Variation, die meditative, brisante freie sowie rhythmisch-eingängige Passagen einschließt.

Dabei halten sich Raffel als Multiinstrumentalist und Gitarrist Steve Gibbs als Mitglieder des Trios Namu 3 dezent zurück, geben den beteiligten Studierenden mit Gesang sowie Percussions- und Blasinstrumenten viel Platz zur Entfaltung, derweil Cellist Willem Schulz mit extravaganten Spielarten und Choreografien brilliert. Experimente mit rasselnden Saiten, die Gibbs mit seiner speziell präparierten elektroakustischen Gitarre erzeugt, Klänge, die sich wie Obertongesang anhören, Klick- und Ploppgeräusche, die ein Posaunespieler generiert, sind nur einige Beispiele für die Vielfalt der Sounds, die für Faszination sorgen.

Drei Tänzer vom Institut für Musik (IfM) der Hochschule (Hannah Heuking, Sara Devi und Benjamin Gruchow) liefern mehr eigenständige Impulse, als dass sie die Klänge illustrieren. Nach fast zwei Stunden kehrt das Ensemble zur Eingangssequenz des fantastischen Stücks zurück, es ist wieder nur noch der Bordunklang des Harmoniums zu hören, der dann schließlich auch erstirbt – und Harmoniumspielerin Julia Wiens kann sich endlich erheben und ihre Glieder bewegen.


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