Zur Entzerrung Osnabrücker Frauenhaus wird ausgebaut

Symbolfoto: Peter Steffen/dpaSymbolfoto: Peter Steffen/dpa

Osnabrück. Nächstes Jahr soll das Dachgeschoss des Osnabrücker Frauenhauses ausgebaut werden, das kündigte die Stadtverwaltung im Sozialausschuss am Mittwochabend an. Mehr Plätze entstehen dadurch allerdings nicht. Gegen den regionalen Platzmangel wollen Stadt und Landkreis jetzt gemeinsam vorgehen.

Sozialdezernentin Katharina Pötter berichtete von einem Gespräch mit Kreisrat Matthias Selle, es sei deutlich geworden, "dass wir das Thema Platzmangel im Frauenhaus regional betrachten müssen - über den Landkreis Osnabrück hinaus bis in den Landkreis Vechta." Klar sei: "Wenn der Bedarf da ist, sind wir gemeinsam in der Verantwortung." 

Im Landkreis Osnabrück gibt es lediglich ein Frauenhaus in Bersenbrück mit neun Plätzen. Das Osnabrücker Frauenhaus verfügt über 30 Betten – 16 für Frauen und 14 für ihre Kinder. Laut Istanbul-Konvention, die Frauen vor Gewalt schützen soll, müsste allein Osnabrück mit rund 170000 Einwohnern schon 44 Betten bereitstellen. 

Im Landkreis Osnabrück leben mehr als doppelt so viele Menschen. 2018 nahm das Osnabrücker Frauenhaus insgesamt 57 Frauen auf, acht davon lebten vorher im Landkreis Osnabrück und fünf im Landkreis Steinfurt, 22 kamen aus Osnabrück. In der Ratssitzung Ende Mai äußerten mehrere Fraktionen Kritik am Landkreis und forderten, die Nachbarbehörde mehr in die Pflicht zu nehmen. 

Auslastung verbessern

Zu 100 Prozent ausgelastet ist das Osnabrücker Frauenhaus so gut wie nie, weil beispielsweise ein Vier-Bett-Zimmer von einer Mutter mit nur zwei Kindern belegt wird. Der Ausbau des Dachgeschosses soll zu einer Entzerrung führen, da dort zwei zusätzliche Einzelzimmer entstehen können, erläuterte Karin Heinrich, Leiterin des Fachbereichs Soziales. Für den Innenausbau habe die Einrichtung bereits eine Spende erhalten. "Ich finde es gut, dass in die Strukturqualität investiert wird", sagte CDU-Ratsherr Günter Sandfort. "Wir werden es auch politisch unterstützen, dass der Ausbau realisiert werden kann."

Ein großes Problem des Frauenhauses ist die lange Aufenthaltsdauer der Bewohnerinnen, weil die Frauen Schwierigkeiten haben, eine eigene Wohnung zu finden. Heinrich berichtete, dass die Stadt Kontakt zur Wohnungsgesellschaft Vonovia habe und dass  dieser weiterhin sehr gut funktioniere. Vonovia hatte einer Alleinerziehenden mit vier Kindern eine Fünf-Zimmer-Wohnung angeboten, nachdem die Mutter sich nach anderthalb Jahren erfolgloser Wohnungssuche an unsere Redaktion gewandt hatte. Die 38-Jährige entschied sich letzten Endes aber für ein kleines Mietshäuschen, in das sie mit ihren Kindern Anfang Juli einziehen wird.

Lange Aufenthaltsdauer

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag 2018 bei 5,5 Monaten. Acht Frauen lebten länger als sechs Monate dort, 49 kürzer. CDU-Ratsherr Günter Sandfort wollte wissen, wo diejenigen, die ausziehen konnten, unterkamen. Fünf zogen zu Bekannten, elf fanden eine eigene Wohnung in Osnabrück, neun in einer anderen Stadt, neun weitere wechselten in ein anderes Frauenhaus, zwei kehrten zurück zum Ehemann, zählte Heinrich auf. 

In dem Haus mit Sozialwohnungen, das die Stadt an der Kokschen Straße baut, wollte die Verwaltung zwei Übergangswohnungen für die Bewohnerinnen anbieten - doch das entspricht laut Heinrich nicht den Wünschen des Frauenhauses. Statt dessen sollten dort lieber zwei Wohnungen für Bewohnerinnen reserviert werden, die aus dem Frauenhaus ausziehen wollen - nicht für den Übergang, sondern als Wohnungen, in denen sie bleiben können. 


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