Mauer an Lotter Straße eingestürzt Die Eiserne Hand ist zerbrochen: Wiederaufbau hat begonnen

Die Aufbauarbeiten zur Wiederherstellung der Eisernen Hand der Heger Laischaft an der Lotter Straße haben begonnen. Diese Arbeit haben die Steinmetze der Fa. Paetzke aus Hörstel übernommen, hier Sebastian Krämer. Foto: Jörn MartensDie Aufbauarbeiten zur Wiederherstellung der Eisernen Hand der Heger Laischaft an der Lotter Straße haben begonnen. Diese Arbeit haben die Steinmetze der Fa. Paetzke aus Hörstel übernommen, hier Sebastian Krämer. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Dem Heck eines tonnenschweren Lasters hatte die "Eiserne Hand“ nichts entgegenzusetzen: Anfang Mai stürzte bei dem Zusammenstoß das Stück der Natursteinmauer an der Lotter Straße ein, an dem sich der Grenzstein der Heger Laischaft und das als "Eiserne Hand" bekannte Relief befinden. Nun hat der Wiederaufbau begonnen.

Seit heute arbeitet eine Fachfirma an der Restaurierung des traditionsbeladenen Mauerstücks. Hier holt sich traditionell ein Junge beim Großen Schnatgang eine - heute nur noch symbolische - Ohrfeige ab, damit er sich so den Verlauf der Laischaftsgrenzen besser einprägt. 

Zerbrochen: Das Relief der "Eisernen Hand". Foto: Jörn Martens

Ob der nächste Backpfeifenempfänger sich vor dem reparierten Original oder doch nur einem Replikat des Sandsteinsreliefs die Wange reiben wird, ist derzeit noch unklar. Gerhard Gust, der Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft, zeigt sich wenig hoffnungsvoll. „Ich gehe davon aus, dass die eiserne Hand zerstört ist“, sagt der Gärtnermeister. Bei einem Besuch der Unglücksstelle habe er die Arbeiter beim Sortieren der Steine beobachtet, „Ich hatte ein Stück in der Hand, auf der Buchstaben zu sehen sind“, sagt Gust. Das zeigen auch aktuelle Bilder von der Baustelle. Unklar sei derzeit noch, wie stark der Grenzstein, der in den Fuß der Mauer eingelassen war, in Mitleidenschaft gezogen wurde. 

Land für Wiederaufbau verantwortlich

Dass bis zum Beginn der Restaurierung fast ein Monat ins Land gehen musste, liegt laut Gust auch den Eigentumsverhältnissen vor Ort. Denn da sich auf dem Grundstück hinter der Mauer die Autowerkstatt der Polizei befindet, ist weder Stadt noch Heger Laischaft, sondern das Land – genauer gesagt: die Niedersächsische Baubehörde in Bad Iburg – für den Wiederaufbau verantwortlich. Diese haben die Steinrestauratoren der Fachfirma Paetzke aus Hörstel-Bevergern beauftragt, die nun die Arbeit aufgenommen haben. Bevor die aus Westerberger Muschelsandstein bestehende Mauer und das Relief so originalgetreu wie möglich wiederaufgebaut werden können, müssen zunächst die abgebrochenen Steine geborgen, sortiert und von Mörtelresten befreit werden, sagt Paetzke-Bautechniker Dieter Knapheide. Noch sei es zu früh um eine Auskunft über die Dauer der Arbeiten geben zu können. Bis zur nächsten Ohrfeige ist allerdings noch viel Zeit: Der nächste Große Schnatgang der Heger Laischaft findet 2025 statt.

Laster blieb an Toranlage hängen

Die Kosten für die Restauration muss die Laischaft nicht tragen, so Gust. Weil der Verursacher feststehe, sei das Sache der Versicherungen. Im Zuge von Bauarbeiten an der ehemaligen Hagedornschen Fabrik war ein Baustoff-Lkw bei der Ausfahrt mit dem Heck an der Toranlage hängen geblieben, was zum Teileinsturz der Mauer führte,

Für die Heger Laischaft ist der Grenzstein mit der eisernen Hand ein ganz besonderer Ort, denn hier setzt es alle sieben Jahre eine Ohrfeige. Aber nun ist die Mauer mit dem Relief zerstört. Foto: Arne Köhler

Die Mauer steht an der Grenze des alten Gebiets der Heger Laischaft. Diese entstand als Zusammenschluss von Weideland-Besitzern, erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1560. Damals wohnten die Grundstücksbesitzer in der Mitte der Stadt Osnabrück, die Ländereien befanden sich hinter der Stadtmauer. Beim Schnatgang wurden die Grenzen abgeschritten – und damit nachfolgende Generationen sich diese auch nachhaltig einprägten, setzte es für einen Jungen eine Ohrfeige. Später unterstützte ein Grenzstein und schließlich das Sandsteinrelief die Gedächtnisleistung. 

Am Grenzstein soll es im 30-jährigen Krieg einmal zu einer Auseinandersetzung zwischen den Schüttern – den Viehhirten – der Heger Laischaft und Fleischergesellen aus Tecklenburg gekommen sein. In der entbehrungsreichen Zeit hatten die Eindringlinge aus der benachbarten Grafschaft wohl gehofft, sie könnten mit den Kühen und Schafen der Osnabrücker Bürger über die Grenze verschwinden. Doch das, so heißt es, sollen die bewaffneten Kräfte der Stadtwache damals verhindert haben.


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