Osnabrücker Dramatikerpreis Die sieben Finalisten schreiben allesamt Politisches

Sie sieben Kandidaten für den Osnabrücker Dramatikerpreis: Sophia Hembeck, Amanda Lasker-Berlin,  Julian Mahid Hossain, Sören Hornung, Alexander Rupflin, Ruth Fulterer und Alexander Estis. Foto: Gert WestdörpSie sieben Kandidaten für den Osnabrücker Dramatikerpreis: Sophia Hembeck, Amanda Lasker-Berlin, Julian Mahid Hossain, Sören Hornung, Alexander Rupflin, Ruth Fulterer und Alexander Estis. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Sieben Finalisten hat die Jury des Osnabrücker Dramatikerwettbewerbs 2019 aus 133 Bewerbungen ausgewählt. Gerade treffen sie sich zum Workshop mit den Juroren in Osnabrück. Wer sind sie und worüber schreiben sie?

Gerade sind sie in Osnabrück angekommen: die sieben Finalisten des vierten Osnabrücker Dramatikerpreises. Die vier Juroren haben aus 133 eingereichten und anonymisierten Ideenskizzen für ein Theaterstück sechs ausgewählt – ein Stück hat ein Autorenduo verfasst. Und nun wird diskutiert über die Skizzen, ein intensives Arbeitswochenende lang, und die Jury um Rat gefragt, welchen Weg die Entwürfe zum fertigen Stück nehmen könnten. Denn die fachkundige Begleitung ist das Besondere dieses Wettbewerbs, der von Theater Osnabrück und Osnabrücker Theaterverein gemeinsam getragen und vom Theaterverein finanziert wird. Die Juroren haben nicht nur jede Menge Theatererfahrung, sie verhalfen mit ihrer kompetenten Auswahl auch schon manchem Jungdramatiker zum Durchbruch. Allen voran Thomas Köck, Gewinner des ersten Durchlaufs, der in diesem Jahr immerhin schon das zweite Mal den Mülheimer Dramatikerpreis  gewonnen hat – senkrechter kann eine Karriere kaum starten. In der Jury des Osnabrücker Dramatikerpreises sind Rebekka Kricheldorf, selbst eine renommierte Theaterautorin, Jürgen Berger, Theaterkritiker und immer wieder Jurymitglied bei den ganz großen Wettbewerben, Sabina Dhein, Direktorin der Theaterakademie an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater und Dominique Schnizer, Schauspieldirektor am Osnabrücker Theater. 

Spannende Biografien lassen die sieben Kandidaten bei ihrer Kurzvorstellung im Theater aufblitzen. Und sie wollen offenbar alle Profundes sagen über den Zustand unserer Gesellschaft. "Jedes Stück ist politisch", sagt Jurymitglied Jürgen Berger. Der langjährige Schreibtrend zur Textfläche im Stil Elfriede Jelineks scheint nachzulassen, beziehungsweise sich mit anderen Schreibstilen zu mischen. Die Juroren beobachten aber eine neue Rückbesinnung auf das klassische, charakterbasierte Dialogstück. 

Wer sind nun die sieben Anwärter auf den Preis, der am 7. November 2019 vergeben wird?

Alexander Estis wurde in Moskau geboren, ist in Norddeutschland aufgewachsen und lebt in der Schweiz. Er lehrt deutsche Literatur und Sprachgeschichte und liebt das Schreiben von lyrischen und prosaischen Kleinformen, wie der sagt. Er, der selbst in einer Künstlerfamilie aufgewachsen ist, lässt in seinem Stück ohne eigentliche Handlung in einer Galerie ganz unterschiedliche Menschengruppen und ihre Soziolekte aufeinander stoßen und will schauen, was passiert.

Alexander Rupflin wurde in Oberbayern geboren und studierte erst Jura, bevor er als Autor und Reporter arbeitete. Er schreibt an seinem Debütroman und hat für seine erstes Stück "Mutter" den Augsburger Dramatikerpreis erhalten. Er hat seine Skizze zusammen mit Ruth Fulterer verfasst, die in Bozen aufgewachsen ist und als freie Journalistin über Wirtschaft und Umwelt schreibt. Ihr Stück beschreiben sie als "Dreiecksbeziehungskiste", handelt aber von nichts weniger Komplexem als dem Cum-Ex-Skandal, mit dem dem Staat Unmengen an Steuern abgetrickst wurde.

Julian Mahid Carly-Hossain wurde in Kassel geboren und studierte Theaterregie in Ludwigsburg, bevor er als Regieassistent, Performer und Autor arbeitete. Er untersucht an zwei Personen, die sich in einem Haus eine Velanverbindung teilen und darüber in Streit geraten, Machtstrukturen und Geschlechtsidentäten. 

Amanda Lasker-Berlin wurde in Essen geboren, hat wie die Anderen auch, sehr jung angefangen zu schreiben, verfasst viel Prosa und Romane, studiert nach diversen Regiehospitanzen derzeit Regie. Ihr Stück heißt "Amazonen verrecken" und handelt von Menschen, die Europa retten wollen.


Sophia Hembeck lebt derzeit in Schottland, hat Szenisches Schreiben an der UDK Berlin studiert und arbeitete als Autorin, Regisseurin und Podcasterin in Berlin und versteht sich als Feministin. Ihr Stück "Thailand" erkundet die gesellschaftliche Macht von Klischees und handelt von einer geschiedenen Frau, deren Mann in Thailand mit einer Jüngeren lebt.

Sören Hornung hat schon an der letzten Dramatikerpreisrunde teilgenommen und war mit seinem "Kollektiv eins" bei den "Spieltrieben" 2017 zu erleben. Er hat Regie in Ludwigsburg studiert und ist als Regisseur aktiv. Sein Stück handelt vom Klimawandel und der Bedrohung des eigenen Lebensraums. 



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