Aus Projekttagen wird Schülerband Song gegen Perfektionismus und die Scheinwelt im Internet

Komponierten unter Anleitung von Musikpädagogin Franziska Apel (2. v.l.) gemeinsam einen Song: (von links) Alicia (12), Zoe und Bastian (beide 15), Frederike (13), Henriette (12) und Luise (14).  Foto: Hermann PentermannKomponierten unter Anleitung von Musikpädagogin Franziska Apel (2. v.l.) gemeinsam einen Song: (von links) Alicia (12), Zoe und Bastian (beide 15), Frederike (13), Henriette (12) und Luise (14). Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Sieben Schüler bilden eine Band und schreiben einen Song: In einem Workshop im Haus der Jugend in Osnabrück zeigen ihnen Fabian Wege und Franziska Apel, wie es geht.

Wer in den sozialen Medien ankommen möchte, muss perfekt sein. Dabei wird aber oft eine Fassade hochgezogen, hinter der man sich selbst verliert. „Irgendwann ist man nur noch das, was andere in einem sehen“, sagt die 13-jährige Frederike. Zusammen mit einem halben Dutzend weiteren Schülern nimmt sie an einem dreitägigen, von der Egerland-Stiftung geförderten Songwriting- und Bandworkshop im Disco-Raum im Haus der Jugend teil. Nur die wenigsten von ihnen kannten sich vorher – und doch hat das Interesse am Musikmachen sie schnell zusammengeschweißt. Aus vielen Solisten wurde eine Band. Neben Sängerin Frederike singt auch die 15-jährige Zoe, die zudem Gitarre spielt – ebenso wie Alicia, mit 12 Jahren gemeinsam mit Bassistin Henriette die jüngste in der spontan gegründeten, siebenköpfigen Formation, die noch keinen Namen hat. Als Gruppenältester sitzt Finn (18) am Keyboard, während der drei Jahre Bastian am Schlagzeug den Takt vorgibt. 

Mit passendem Text. Foto: Hermann Pentermann


Ohrwurm geformt

 „Warum hör ich die Gitarre kaum?“, wirft Musikpädagogin Franziska Apel am ersten Tag beim letzten Durchgang jenes Songs ein, dessen Rohfassung die Jugendlichen bis dahin bereits zusammengebaut haben. Gemeinsam mit ihrem Bandatelier-Kollegen Fabian Wege, der selbst Songwriter ist, hatte sie zuvor den Teilnehmern einen Crash-Kurs in Sachen Musiktheorie erteilt. Rhythmik, Melodik und Harmonik standen dabei auf dem Lehrplan – und die Kunst, aus der Tonleiter einen Chorus zu basteln, der schnell ins Ohr geht und dort lange bleibt. „Wie fühlt es sich an, wenn du einfach nur du bist?“, lauten die dazu passenden Worte, die dazu ermahnen sollen, authentisch zu bleiben und sich nicht durch Schönheitswahn und Erfolgszwang verbiegen zu lassen. Ein Thema, auf das sich die Schüler letztlich geeinigt haben, nachdem auch Umwelt und Klimawandel sowie Liebe und Freundschaft zur Debatte standen. „Zerbrich die Fassade, bevor du dich vollends vergisst“, singt Frederike gefühlvoll. Die Musik dazu klingt aber ganz bewusst nicht nur traurig, denn der Song, der vorläufig den Titel „Sei, wie du bist“ trägt, soll auch Mut machen, sich vom Wettbewerb nicht zerreißen zu lassen, sind sich seine Urheber einig. Er soll daran erinnern, dass jeder Einzelne schon auf seine jeweils ganz eigene Art perfekt ist - was in einer konformen Welt des schönen Scheins und Gruppenzwangs schnell vergessen wird.

Mit Spaß dabei. Foto: Hermann Pentermann


Pläne geändert

Auch darüber, dass ihre Botschaft in naher Zukunft über ein Musikvideo im Internet vermittelt werden soll, herrscht Konsens. Bereits ausgemachte Sache ist eine Tonaufnahme im Studio des Hauses der Jugend gleich im Anschluss an den Workshop. Der war ursprünglich als einer von vieren geplant, die am Donnerstagabend gemeinsam ihre Ergebnisse als „Theater- und Musik-Flash“ auf der Bühne präsentieren sollten. Dieses Vorhaben fällt leider aus, da sich weder für die Poetry Slam- noch für die beiden Theaterwerkstätten genügend Teilnehmer gefunden haben. An Interesse daran habe es wohl nicht gemangelt, wohl aber an der Zeit dafür, erklärt sich Marco Gausmann vom Veranstalter Fokus die geringe Resonanz. Daher sei es angedacht, ein ähnliches Angebot noch einmal in den Schulferien zu machen. Dass der im Rahmen der Jugend-Kultur-Tage geplante Bühnenauftritt der Workshop-Band nun sozusagen in das Internet verlegt wird, passt allerdings zum Thema des Songs. Mit dem Unterschied, dass er genau dort den Selbstdarstellungszwang anprangert, wo er stattfindet.

Weitere Workshops

Anmeldungen zu Songwriting- und Bandworkshops in den Ferien und in der Region unter www.bandatelier.de oder www.iam-ev.de
Willkommen zum Workshop. Foto: Hermann Pentermann



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