Dirigentenwettbewerb beim Deutschen Musikfest Kampf um den goldenen Taktstock

Lässt sich von der Musik leiten: Julio Domingo Escamilla gewinnt den Dirigentenwettbewerb beim Deutschen Musikfest 2019.  Foto: Jörn MartensLässt sich von der Musik leiten: Julio Domingo Escamilla gewinnt den Dirigentenwettbewerb beim Deutschen Musikfest 2019. Foto: Jörn Martens
Jörn Martens

Osnabrück. Beim Deutschen Musikfest fand erstmals auch ein internationaler Dirigentenwettbewerb statt. Einer der Teilnehmer war der Spanier Julio Domingo.

Julio Domingo Escamilla gibt den Einsatz, und dabei zählt der Spanier auf holländisch vor: Een, twee, drie. Er ist einer der Teilnehmer beim internationalen Dirigentenwettbewerb im Rahmen des Deutschen Musikfestes. International darf man dabei ruhig wörtlich verstehen: Cesar Masano Cavalotti hat italienisch-brasilianische Wurzeln, hat in Brasilien und Bremen studiert und lebt und arbeitet heute im Schwarzwald, Sophie Mok kommt aus Hongkong.

Julio Domingo zählt holländisch, weil er als Dirigent in Maastricht arbeitet, wie er nach seiner Prüfung am Freitag erzählt. Geprüft wurde soeben die Probearbeit des Kandidaten mit einem Amateurorchester, in diesem Fall der offenbar ausgesprochen fitten Bläserphilharmonie Aachen. Der Spanier hat für diese Probe ein eigenes Werk mitgebracht, seine „Cerulean Ouverture“, die er letztes Jahr komponierte. Das ist ein ausgesprochen gut gelauntes Werk mit viel spanischem Kolorit. In der Probe bringt Julio Domingo den Musikern vor allem den Charakter seiner Musik nahe und arbeitet mit einzelnen Instrumentengruppen daran, wie sie den Notentext besonders schwungvoll klingen lassen können. Er selbst ist dabei voller Elan und ziemlich locker.

Die Musik führt

Dabei sei er vorher noch so nervös gewesen, wie er anschließend im Gespräch erzählt. „Aber in dem Moment, wo ich das Podium betrete, fühle ich mich mit den Musikern verbunden, ich vergesse alles andere, und die Musik führt mich.“ So ist er nach der Probe zufrieden: „Vielleicht sagt die Jury etwas anderes, aber ich habe ein sehr gutes Gefühl.“ Et habe jedenfalls 100 Prozent gegeben.

Und tatsächlich trügt ihn sein Gespür nicht: Am Samstag in der Finalrunde ist der 29-Jährige, der das erste Mal an einem Dirigentenwettbewerb teilnimmt, noch dabei. Nur zwei weitere Kandidaten haben diesen Sprung geschafft. Nun geht es darum, ein eigens für diesen Wettbewerb komponiertes Stück zu erarbeiten, „Hope“ von Hubert Hoche. Natürlich gibt es von diesem Werk noch keine Aufnahmen, die Kandidaten können sich also nur anhand der Partitur vorbereiten. Julio Domingo meint, er habe das Stück daher viel gesungen, jedes kleine Detail analysiert, um sich so nach und nach ein Bild davon zu machen. „Ein sehr interessantes Stück“, meint Julio Domingo, „es verlangt technisch sehr viel vom Dirigenten, man muss eine sehr gute Schlagtechnik haben, um alles zu koordinieren.“ Die Aufgabe der Kandidaten wird dadurch nicht leichter, dass das Orchester das Werk bereits einstudiert hat, was also sollen die Kandidaten da noch proben? „Ich werde versuchen, meine Ambitionen über die Phrasen, und die Balance zu vermitteln. Vielleicht kann ich ja auch noch etwas verbessern, was noch nicht 100 Prozent sitzt, aber das Orchester kennt das Werk eben schon. Wir werden sehen.“

Am Samstagabend ist alles vorbei, doch Julio Domingo Escamilla weiß noch nicht, ob er gewonnen hat. Er habe gemischte Gefühle, sagt er. Einige der Musiker hätten ihm zwar gesagt, er sei der Beste gewesen, doch er selbst macht sich Sorgen, ob er präzise genug gearbeitet hat.

Diesmal jedoch trügt ihn sein Gespür. Bei der Preisträgergala am Sonntag wird der goldene Taktstock an Julio Domingo Escamilla verliehen.


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