Hymnisch überzeugt Art-Rock-“Familie” Al Ray gewinnt Study-Up-Award Pop des IfM

Auch dabei:  Kahro beim Study-Up-Award Pop in der Lagerhalle.  Foto: André HavergoAuch dabei: Kahro beim Study-Up-Award Pop in der Lagerhalle. Foto: André Havergo

Osnabrück. Fette Beats und scheppernde Hymnen: Stilistisch breit gefächert war der Study-up-Award Pop des Osnabrücker Instituts für Musik (IfM). Das Art-Rock-Quintett Al Ray gewann am Ende einen Studiotag in der Fattoria Musica.

Die Letzten wurden die Ersten: Lange mussten die Besucher warten auf den Höhepunkt des diesjährigen Study-Up-Award Pop im Saal der Lagerhalle. Als dann aber kurz vor Mitternacht die „Familie“ Al Ray mit hymnischem Mafia-Pop die Bühne und das Publikum für sich einnahm, konnte nahezu jeder der bis dahin noch Ausharrenden die anschließende Entscheidung der dreiköpfigen Fachjury gut nachvollziehen.

Denn die Show des stilsicher auftretenden Art-Rock-Quartetts brachte jenen Glamour in den Abend, der zuvor gefehlt hatte. Mit einer Ausnahme: Die vorletzte und zweitplatzierte Band Flamyngus überzeugte nicht nur mit kraftvollem Pop im Stil der Achtzigerjahre, sondern auch mit klaren Botschaften. Ein Song über die mit lauter guten Ratschlägen bombardierte „Burn-Out-Fraktion“ ging frisch und so gar nicht ausgebrannt nicht nur in die Beine, sondern auch ins Ohr. Ebenso zeitgeistkritisch geißelte „Verstreut“ den permanenten Zeit- und Erfolgsdruck, dem wir ausgesetzt sind. Und mit „Tagträumer“ zeigten Flamyngus noch eine andere, ruhigere und besinnlichere Facette, die sich so inhaltlich selbstironisch und -reflexiv wie musikalisch eindringlich in „Selbstmitleid mit Niveau“ suhlte. 

Thilo beim Study-Up-Award Pop. Thilo Foto: André Havergo


Fette Beats und dünner Deutschpop

Jeweils drei Songs hatten auch die übrigen Wettbewerber aus den Reihen des Hochschul-Instituts für Musik (IfM) Zeit, um die Jury zu überzeugen. Für den Rapper Nackter Jörg, der gemeinsam mit „Ehrenmann“ und DJ Jan Kilo fette Beats zu kalorienreichen Punchlines etwa über „Ernährungsguides“ für das „Fitnesslife“ servierte, reichte das ebensowenig wie für Thilo, der zu Musik aus der Konserve mit gefühlsbeduseltem, austauschbarem Deutschpop zurecht die Frage stellte, wie es denn „Weitergehen“ könne. Als erste Band des Abends spielte dann die von Sängerin Sophia zunächst Standardrock, um dann aber mit der gefühlvollen Ballade „Silent“ und einem noch unveröffentlichten Song, bei dem die Frontfrau facettenreich zeigen konnte, was stimmlich in ihr steckt, eine große Bandbreite anzubieten. Das galt auch für die Vier von Kahro, die einen satten, „funky“ treibenden Pop Sound vorantrieben, aber auch eine Mitklatsch-Nummer „gegen Rechts“ im Repertoire hatte sowie eine „Nord- und Südpol“-Ballade darüber, „endlos weit“ entfernt und gleichzeitig doch voneinander angezogen zu sein. 

Sophia beim Study-Up-Award Pop. Foto: André Havergo


Party gesprengt und Show gestohlen

Extrem tanzbar gestaltete sich der Auftritt von Nora, die sich selbst als „Unikat“ feierte und nicht nur ihre vierköpfige Band, sondern wie alle anderen auch ihren eigenen Fanclub mitgebracht hatte. „Ich mach nur das, worauf ich Lust hab“, sang sie entspannt und brachte das Publikum mit leicht angerapter „Gangsta“-Animation in Partystimmung. Am Ende aber sprengten Al Ray die Feier und stahlen allen die Show. Eine Mischung aus Bodyguard und Türsteher inspizierte dabei zunächst mit Sonnenbrille und verschränkten Armen die Gäste, bevor er sich als Musiker entpuppte. Beim Sänger, Frontmann und Familienoberhaupt im Glitzer-Outfit saß jede Geste und jeder, auch jeder bewusst überprononcierte Ton, während die Band hymnisch scheppernd aufspielte. Ein vergnügliches Spiel mit Rock-Klischees und -Posen. Und nein, es war nicht die Mafia, die der Familie Al Ray zum Sieg verhalf, sondern schlicht das beste Gesamtpaket des Abends - von der Show über das Outfit bis hin zum Sound.

Nackter Jörg beim Study-Up-Award Pop. Foto: André Havergo



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