Fraktionen nehmen Umland in die Pflicht Platzmangel im Frauenhaus: Landkreis Osnabrück soll aktiv werden

Im Frauenhaus können Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, zunächst zur Ruhe kommen. Symbolfoto: Peter Steffen/dpaIm Frauenhaus können Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, zunächst zur Ruhe kommen. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa
Peter Steffen/dpa

Osnabrück. „Der Landkreis macht sich in der Regel einen schlanken Fuß“, sagte FDP-Fraktionschef Thomas Thiele in der jüngsten Osnabrücker Ratssitzung.

Es ging um den Platzmangel im Osnabrücker Frauenhaus, das 2018 so viele Schutz suchende Frauen abweisen musste wie nie zuvor, weil es voll war. 

Die FDP wollte, dass der Rat als Signal die Verwaltung beauftragt, die Einrichtung eines gemeinsamen Frauenhauses mit dem Landkreis zu prüfen. Zwar schob der Rat das Thema mehrheitlich noch mal in den Sozialausschuss, aber auch die übrigen Fraktionen befanden, der Landkreis müsse mehr in die Pflicht genommen werden.  

Das Osnabrücker Frauenhaus verfügt über 30 Betten – 16 für Frauen und 14 für ihre Kinder. Laut Istanbul-Konvention, die Frauen vor Gewalt schützen soll, müsste Osnabrück mit rund 170000 Einwohnern 44 Betten vorhalten. Laut Günther Sandfort (CDU) erfülle das Osnabrücker Frauenhaus fast die Forderungen der Istanbul-Konvention. Er sehe jedoch ein Platzdefizit im Landkreis.

Situation im Landkreis Osnabrück

Im Landkreis Osnabrück mit seinen rund 356 000 Einwohnern gibt es nur das Frauenhaus in Bersenbrück mit neun Plätzen. 57 Frauen nahm das Osnabrücker Frauenhaus 2018 auf, davon kamen 13 aus den Kreisen Osnabrück oder Steinfurt.

Osnabrücks neue Sozialdezernentin Katharina Pötter erläuterte, dass die Verwaltung bereits in Gesprächen mit dem Landkreis sei. „Wir sind da schon auf einem guten Weg“, so Pötter.

Auf geballte Ablehnung stieß übrigens der erneute Versuch von Pirat Nils Ellmers, im Namen der Gruppe UWG/Piraten auch die Einrichtung eines für  alle Geschlechter offenen Schutzhauses zu prüfen. „Mir tut es wirklich weh als Mann, so etwas zu hören“, sagte Andreas Reinisch-Klaß (SPD). Frauen hätten ein besonderes Schutzbedürfnis. „Mir fällt dazu nichts mehr ein“, so Reinisch-Klaß.


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