Von Oper bis Funk Musikfest-Impressionen aus Osnabrück am Donnerstag

Atmosphärisch und voll war es auf dem Marktplatz, als die Blassportgruppe von der Rathausbühne aus dem Publikum trotz Tontechnikproblemen mit ihrem eigenen Stil einheizte. Foto: Philipp HülsmannAtmosphärisch und voll war es auf dem Marktplatz, als die Blassportgruppe von der Rathausbühne aus dem Publikum trotz Tontechnikproblemen mit ihrem eigenen Stil einheizte. Foto: Philipp Hülsmann
Philipp Hülsmann

Osnabrück. Aus dem riesigen Programm des Deutschen Musikfests muss man sich die Rosinen herauspicken: „Faszination symphonische Blasmusik“ gab es in der Osnabrück-Halle zu hören, während am Donnerstagabend am Dom das Jugendblasorchester mit populären Melodien und am Rathaus die Blassportgruppe mit Funk und Jazz dem Publikum einheizten.

Die Bühne der Osnabrück-Halle ist gut gefüllt mit Klarinetten, Flöten, Oboen und natürlich reichlich Blech. Es spielt die Bläserphilharmonie Niedersachsen, doch die ersten Töne spielt – ein solistisches Cello. Überhaupt ist die Eröffnung des Programms keine typische Literatur für ein solches Orchester: Eine Bearbeitung der Tell-Ouvertüre von Gioacchino Rossini.

Danach allerdings nimmt sich das Orchester einige der zentralen Komponisten für symphonische Blasorchester vor: Stephen Melillo und James Barnes, und da ist er denn auch, der typische Klang eines großen Blasorchesters. Nicht nur gewaltig und imposant, sondern auch gut ausgewogen. Zudem sind immer wieder zahlreiche schön geblasene Soli zu hören, besonders der Mann am Englisch-Horn hat gut zu tun. Das Motto des Konzerts „Faszination symphonische Blasmusik“ zeugt zwar nicht von übermäßigem Einfallsreichtum, doch dafür wird dieses „Best of“ der Literatur ansprechend gespielt.

Die vierte, "tragische" Symphonie

Die Geschichte zur 1994 entstandenen vierten Symphonie von James Barnes, aus der zwei Sätze gespielt werden, ist eine sehr persönliche: Im langsamen Satz betrauert er den Tod seiner kleinen Tochter, und die ganze Symphonie trägt daher den Beinamen „tragische“. Dennoch ist das Finale von überschäumender Ausgelassenheit geprägt, die sich mit einem Kirchenchoral verbindet.

Ausgelassenes einheizen auf Dom- und Marktplatz

Weiter geht’s zum Marktplatz, doch dort ist von der angekündigten Deutschen Bläserjugend keine Spur. Also rasch rüber zum Dom, wo gerade ein kleineres Orchester spielt. Es ist das Jugendblasorchester aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal mit einem populären Programm, die Stimmung ist hier locker. Gegeben wird ein Pop- und Rock-Medley mit Hits der 80er: „Eye oft the Tiger“, „Time of the Time“ etc, dann ein König der Löwen-Medley. Eine Gruppe Zuhörerinnen singt mit, das Bier in der Hand.

Dann beginnt auf dem Marktplatz die zehnköpfige „Blassportgruppe“ mit Sängerin Alexandra Pugh, was offenbar allgemein als einer der Höhepunkte im Programm eingeschätzt wird. Hier liegt der Schwerpunkt eher auf Funk und Jazz, viele improvisierte Soli, „Uptown Funk“ erklingt neben „Steil“, einem eigenen Titel. Leider erweist sich die Tontechnik als eher ungünstig, doch die Truppe heizt den Zuhörern trotzdem ordentlich ein. Die Konzerte sind übrigens alle gut besucht, weil sich die Musiker des Festivals gegenseitig zuhören. Als Sängerin Alexandra Pugh das Publikum fragt, wer ein Blasinstrument spielt, sind fast alle Hände oben.


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