Der Wortauseinandernehmer Willy Astor spielt im Theater mit der Sprache und dem Publikum

Musik als Vehikel für Wortspielereien: Willy Astor im Theater am Domhof als „Jäger des verlorenen Satzes“.  Foto: André HavergoMusik als Vehikel für Wortspielereien: Willy Astor im Theater am Domhof als „Jäger des verlorenen Satzes“. Foto: André Havergo
André Havergo

Osnabrück. Sprachspielereien mit Publikumsbeteiligung: Willy Astor präsentierte im Theater am Domhof in Osnabrück sein neues Programm "Der Jäger des verlorenen Satzes".

Am Schluss sitzt Willy Astor in blaues Licht getaucht auf der Bühne des Theaters am Domhof und spielt auf seiner Gitarre doch tatsächlich eine reine, filigrane Instrumentalkomposition namens „Nautilus“ – ganz ohne Worte. Das ist dann doch überraschend angesichts dessen, dass der oberbayrische Dichter und Liedermacher dort zuvor fast zweieinhalb Stunden lang seine Kernkompetenz zur Schau gestellt hat: Die fast zwanghaft anmutende Spielerei mit den Worten, der die Musik lediglich als simples Vehikel dient. 

Einfach, aber effektiv

So erntet Astor mit seinen „Liedern fürs Lacherfeuer“ etwa lustvoll das Wortspielpotenzial verschiedener Bezeichnungen für Kräuter ab – oder strickt eine Geschichte aus fast allen erdenklichen Marken- oder Sortennamen alkoholischer Getränke. Passend zu seinem abschließenden Plädoyer für eine Rückkehr zur Einfachheit ist die semantische Seziertechnik, die er dafür anwendet, denkbar einfach. Einen Großteil der sprachlichen Überraschungseffekte erzielt er damit, dass er Bestandteile eines Substantivs als Verb liest (so wie „Abgabe frisst“), Silben so trennt, dass sie neue Sätze ergeben („ob die Miss muss“ oder „als der Mondschein so nahte“), Worte zusammen- oder auseinanderzieht oder einzelne Vokale austauscht – gern auch mit dezidiert bayerischem Zungenschlag. So wird etwa in einen Song über „schwer erziehbare“ Senioren aus Spider Murphys Schickeria „Schick A Rührei“. 

Nah am Publikum: Willy Astor im Theater am Domhof. Foto: André Havergo


Inspiration aus Publikum

Getreu seinem Berufsmotto „Albernheit verhindert den Ernst der Lage“ gerät der „Wellkamm“, den Astor zur Begrüßung auf den Tisch legt, zum Leitmotiv. Auch für die flachsten Kalauer ist sich die Astorsche Sprachverdrehungskunst nicht zu schade. Als das Publikum mit dem Zuruf von als Verb oder Adjektiv eingesetzten Vornamen eine Geschichte komplettieren soll, wirkt das wie ein überdimensionierter Volkshochschulkurs für sprachliche Kreativität. Frei nach Freud freut sich da der Künstler darüber, dass die Menschen wieder „Kontakt aufnehmen mit ihrem inneren Kind“ - und ganz besonders über eine Formulierung, die ihm selbst noch nicht eingefallen ist: Lass „mi ran da“. Astor selbst ist es gelungen, das bunt gemischte Publikum sprachsensibel zu berühren und generationenübergreifend so für sich einzunehmen, dass am Ende gebildete, erwachsene und fast erwachsene Menschen in einem Theater im Chor „Froschfotzenleder“ singen. Bis ihm die Worte fehlen.


Saftige Wortspielkunst: Willy Astor in Osnabrück. Foto: André Havergo


 


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