Trash- und Chaosfaktor La Macchina Nera räumten im Blue Note den StudyUp-Award Jazz ab

Sportlich ging es beim Study Up Award Jazz 2019 im Blue Note zu: Gewinnerband La Macchina Nera. Foto: Tom BullmannSportlich ging es beim Study Up Award Jazz 2019 im Blue Note zu: Gewinnerband La Macchina Nera. Foto: Tom Bullmann
Tom Bullmann

Osnabrück. In Fußballtrikots zum Jazzwettbewerb: Vier Fußballfreunde mit wildem Leumund konnten in diesem Jahr den beliebten StudyUp-Award Jazz der Hochschule für sich entscheiden.

Diese vier jungen Männer gingen strategisch vor: Das schnelle Offensivspiel übernahmen sie selbst, damit der Gegner keine Chance bekam! Was sich hier wie eine Fußballreportage anhört, bezieht sich auf eine Jazzband, die die Bühne des Blue Note wie ein Spielfeld nahm. In Trikots, mit einem Wimpel vom UEFA-Cup-Spiel Köln gegen Madrid 1986 als Zierde am Schlagzeug, vermittelten die vier Musiker den Eindruck, als seien hier eher Fußballfans als Jazzfreunde am Werk. Aber: Die wilde Mischung aus lockerem Jazz, brutalem Rock und freien musikalischen Formen trugen sie so energisch vor, dass der Jury keine andere Wahl blieb, als dem Quartett den diesjährigen StudyUp-Award Jazz zu verleihen.

Drei stilistisch sehr unterschiedliche Bands hatten sich für die Endrunde des Wettbewerbs qualifizieren können. Zunächst gab es da das Philipp Buck Sextett, das mit der Suite „Hast du Angst vor emotionalen Bindungen? Oder: Ist dir nur kalt“ einen kompositorisches Ausrufezeichen setzte. Feine Pianopassagen, Basslinien von der E-Gitarre, vielseitiger Schlagzeugeinsatz, elektronische Störgeräusche und starker Bläsereinsatz schickten die Zuhörer auf einen kurzweiligen Klangtrip.

Auch das klassische Pianotrio, das unter dem Namen Gleb Tchepki Trio antrat, zeigte sich auf qualitativ hohem Niveau. Impulsiv-laute Klänge mischten sich mit sinnlich-poetische Impressionen.

So machten es die Musiker der Jury ziemlich schwer, eine Gewinnerband zu küren. Dennoch verkündete Dozent Frederik Köster vom Institut für Musik der Hochschule, die den Award ausschreibt, alsbald das Urteil, das er mit seinen Jurykollegen Christian Saßnick vom Blue Note, Saxofonist Denis Gäbel und Kulturredakteur Ralf Döring von der NOZ gefällt hatte. Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro, das vom Blue Note gespendet wurde, sowie der eintägige Studioaufenthalt im Tonstudio Fattoria Musica ging an die vier Fußballfans von La Macchina Nera. „Der Trash- und Chaosfaktor sowie die dynamische Bandbreite des Quartetts hat uns sehr gefallen“, so Köster. Witzigerweise gab es einen Musiker, der an diesem Abend zweimal den Verlierer und einmal den Gewinner spielen durfte: Philipp Buck saß bei allen drei Bands am Schlagzeug. Weil alle Bands ausgesprochen gut gewesen seien, dürfe man beim diesjährigen Award allerdings nicht von einer Gewinnerband sprechen, sondern davon, dass La Macchina Nera lediglich einen Bonus bekommen haben, so Köster.


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