Viel Spaß, wenig Frust Fußballturnier der Förderschulen aus der Region Osnabrück

Foto: Jörn MartensFoto: Jörn Martens

Osnabrück. Jubel und Trauer liegen beim Fußball oft eng nebeneinander. Beim Turnier der Förderschulen auf der Osnabrücker Illoshöhe aber gab es kürzlich weder Verlierer noch Gewinner. Dafür aber eine Menge Mädchen und Jungen, die viel Spaß beim Fußball hatten.

In seiner Freizeit spielt Lucas gerne Fußball. Auf der Illoshöhe stand er im schwarz gewandeten Team des Landesbildungszentrums (LBZ) für Hörgeschädigte. „Ich finde es gut, dass ich mit meinen Mitschülern zusammen spielen und Spaß haben kann“, sagt der 13-Jährige, der seit seinem dritten Lebensjahr ein so genanntes Cochlear-Implantat trägt. Dadurch kann er richtig hören. Seine Team-Kameradin Anna trägt seit ihrem vierten Lebensjahr ein Hörgerät. Auf dem Platz verstehen sie sich gut – zwar nicht blind, aber „daran arbeiten wir noch“, sagt die Zwölfjährige. Sie erklärt auch, wie das Wort Fußball in Gebärdensprache ausgedrückt wird: Der rechte Arm wird unter den linken gehalten und die Faust nach oben geklappt.

Dass sie gegen das LBZ verloren haben, finden Leon, Emre und Vladi nicht schlimm. „Die waren besser“, räumen die Schüler der Schule an der Rolandsmauer, die das Turnier anlässlich ihres 120-jährigen Bestehens durchgeführt hat, freimütig ein. Vladi hat bei der 1:3-Niederlage den Ehrentreffer erzielt. „Da habe ich mich doll gefreut“, sagt der 13-Jährige. Der ein Jahr jüngere Emre sieht das so: „Man kann ja mal verlieren, man muss nicht immer gewinnen. Hauptsache, man hat Spaß.“

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Auch Fans sind auf der Illoshöhe. „Monte vor, noch ein Tor“, steht auf einem Schild, mit dem Kinder der Montessori-Schule – noch eine Schule, die in diesen Tagen Jubiläum feiert – ihre Teams anfeuern. Die Erstklässlerin Finja (8) meint zwar, sie mag kein Fußball und schaut sich auch nie welchen an, aber das Fan-Dasein macht ihr sichtlich Spaß. Das geht auch Najerra so. Die Siebenjährige kann nur wenige Wörter wie „Ja“, „Bitte“, „Danke“, „Schuhe“ oder „Kuchen“ sagen. Sie hat aber ein Tablet dabei, auf dem Buttons abgebildet sind. Drückt sie zum Beispiel den Button mit dem Tor, sagt der Computer das entsprechende Wort.

Schulleiter Frank Böttger von der Schule an der Rolandsmauer zitiert einen Spruch des Deutschen Fußballbunds, um das Turnier zu beschreiben: „Das Erlebnis steht vor dem Ergebnis.“ Es gibt beim Jubiläums-Cup seiner Schule keine Sieger und keine Verlierer. Am Ende bekommen alle Spielerinnen und Spieler eine Medaille. Die Kinder der Astrid-Lindgren-Schule aus Bohmte, der Anne-Frank-Schule, der Montessori-Schule, dem LBZ für Hörgeschädigte und der Schule an der Rolandsmauer aus Osnabrück sowie der Wiehengebirgsschule aus Melle und der Comenius-Schule Georgsmarienhütte sind in der Motorik und der Wahrnehmung eingeschränkt, so Böttger. „Deswegen spielen sie untereinander.“ Gegen Kinder aus anderen Schulen, die zum Teil in Vereinen kicken, hätten sie keine Chance. Zu viel Frust verhindert dann doch den Spaß.


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