Zulassung zurückgegeben Betrugsverfahren gegen ehemaligen Osnabrücker Rechtsanwalt

Vor dem Landgericht muss sich der ehemalige Rechtsanwalt verantworten. Foto: Jörn MartensVor dem Landgericht muss sich der ehemalige Rechtsanwalt verantworten. Foto: Jörn Martens
Jörn Martens

Osnabrück. Ein heute in Wallenhorst lebender und in Bramsche arbeitender ehemaliger Rechtsanwalt wird wegen massenhafter Betrugsfälle vor dem Landgericht Osnabrück angeklagt. Beim Prozessauftakt zeigte sich der Angeklagte reumütig.

Die Zulassung als Anwalt habe sein Mandant wegen seiner psychischen Erkrankung im März dieses Jahres bereits zurückgegeben, erklärte der Anwalt des heute 47-jährigen Angeklagten, dem vor der zwölften Großen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück vorgeworfen wird, zusammen mit einem bereits verurteilten Mann im Sommer 2012 bei drei Gelegenheiten bundesweit anwaltliche Mahnschreiben an je 5000 Empfänger versandt zu haben. In den Mahnschreiben sollten danach Forderungen aus vermeintlich telefonisch geschlossenen Verträgen über die Vermittlung von Gewinnspielen geltend gemacht werden. Mehr als 1000 so getäuschte Personen hätten Zahlungen von rund 310.000 Euro geleistet, trug der Staatsanwalt vor. 

59 Euro monatlich sollten die Rechnungsempfänger für die Vermittlung von Gewinnspielen zahlen, die sie angeblich telefonisch in Auftrag gegeben hätten. Der Vertrag sei für die Dauer von drei Monaten geschlossen worden, hieß es in den Rechnungen. Der Vertragsschluss sei telefonisch aufgezeichnet worden. Zusammen mit einer anwaltlichen Verfahrensgebühr, Mahnkosten und Gebühren sollten die ausgewählten Adressaten dann eine Gesamtforderung von 222 Euro an die sogenannte "Anwaltsinkassozentrale" zahlen.

"Konnte die Akte nicht aufmachen"

"Es ist mir unglaublich peinlich, was ich da gemacht habe", sagte der Angeklagte, der derzeit wieder im Haus seiner Eltern in Wallenhorst wohnt. Er versuche, sich selbst zu erklären, wie es dazu habe können können, so der ledige Mann. Er habe in seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt die Bearbeitung der Mandate immer bis auf den letzten Drücker aufgeschoben. Seine Probleme seien ihm auch dadurch deutlich geworden, dass er beispielsweise in einem Fall, in der er als rechtlicher Betreuer tätig gewesen sei, die Akte wochenlang nicht habe aufmachen können. 

In einer beruflichen Findungsphase habe sich dann im März 2012 sein künftiger "Geschäftspartner" gemeldet und ihn gebeten, die Inkassomandate zu übernehmen. Dass das so ein gigantischer Betrug sei, habe er sich damals nicht vorstellen können. Er habe nur legale Sachen machen wollen, so der Angeklagte, der mit elf Prozent an den Einnahmen der Fälle beteiligt werden sollte.  

"Haben Sie damals die Verträge geprüft?", "Wie kommen sie als Anwalt auf die Idee, für jeden Fall eine Geschäftsgebühr abzurechnen, ohne dass sie die Fälle eingehend geprüft haben?" – die präzisen Fragen des Richters blieben unbeantwortet. Die Inhalte des Anschreibens seien ihm vorgegeben worden, betonte der Angeklagte, der nach seinen Worten in der ganzen Zeit ein schlechtes Gefühl bei der Sache gehabt habe. "Der wollte nur meinen Namen haben", erklärte der Angeklagte in Bezug auf den Mittäter. Im August 2012 sei er dann zusammengebrochen und habe seitdem nicht mehr als Anwalt arbeiten können, so der Angeklagte. 

Das Verfahren wird am 12. Juni 2019 fortgesetzt. Dann soll auch ein psychiatrischer Gutachter als Sachverständiger zu Wort kommen. 


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