"Spieltriebe" in Osnabrück 12 Eigenproduktionen zum Thema Mensch und Technik

Neuer Spielort für die "Spieltriebe"; der Dachboden im Lauten Speicher am Hafen. Foto: Theater OsnabrückNeuer Spielort für die "Spieltriebe"; der Dachboden im Lauten Speicher am Hafen. Foto: Theater Osnabrück

Osnabrück. Mit der Zukunft des Menschen im Spannungsverhältnis zur Technik setzt sich das Festival Spieltriebe 8 vom 6.-8. September am Osnabrücker Theater auseinander. Ist der Mensch noch künftig Herr im eigenen Haus beziehungsweise Körper – oder übernimmt die Technik? So könnte man die auch ethisch-moralischen Fragen zusammenfassen, die die 12 Eigenproduktionen des Festivals unter dem Titel Mensch R stellen.

Bei einer Pressekonferenz im Theater mit vielen jungen Künstlern und Studierenden stellten die beiden Festivalleiter der Spieltriebe, Jens Peters und Birga Ipsen, sowie einige Dramaturgen die Produktionen und Spielorte vor.

Erfreulich ist, dass Zuschauer erstmals alle Stücke an den drei Spieltagen sehen können "Die Menschenfabrik" nach Oskar Panizas Kurzgeschichte von 1890 im Theater am Domhof sehen als Rahmenstück alle Besucher. Sie handelt von einem Wanderer, der auf der Suche nach Obdach in einer Fabrik kommt, die künstliche Menschen herstellt. Für den Direktor zahlt sich das aus, was zählt da Willensfreiheit? Es geht also um Fragen von Ethik und Moral. Das Bürgerbühnenprojekt mit 20 beteiligten Bürgern der Stadt inszeniert Jakob Fedler der mit "Der Hauptmann von O" schon erfolgreich mit Geflüchteten gearbeitet hat.

Blaue Route: "IKI.Radikalmensch" von Kevin Rittberger im Emma-Theater untersucht an der Liebesgeschichte zwischen Peter und einer "Intimen künstlichen Intelligenz (IKI) " die provokante Frage, ob Roboter und Cyborgs, die wirklich alle Bedürfnisse erfüllen, möglicherweise die besseren Partner sind. Etwas bang in Zukunft blickt auch "Clockwork Orange" von Anthony Burgess. Der gewaltversessene junge Alex soll während seiner Haft mit Hilfe einer wissenschaftlichen Methode von seiner Gewaltbereitschaft befreit werden. Die Inszenierung von Sophia Grüdelbach und Simon Nieman erarbeiten sich Spieler der sechs Amateurtheatergruppen am Theater. 

Grüne Route: In "Ein Körper für Jetzt und Heute" von Mehdi Moradpour lässt sich Elija vom Mann zur Frau umoperieren, und will bald aber mehr erreichen mit Hilfe der Bionik: auch Mann sein und noch mehr. Regie führt Rebekka Bangerter im Dachboden des Lauten Speichers, einem neuen "Spieltriebe"-Spielort. Auf Gut Leye zeigt Lan Pham ihre Installation "RLQN" mit ausrangierten technischen Objekten wie dem Walkman oder dem Telefon mit Drehscheibe. Sind sie Reliquien einer digitalisierten Welt? Das Berliner Performerduo Br*other Issues erkundet danach auf Gut Leye mit "Daydreams & Nightscreams", ob Träume letzte kapitalismusfreie Orte sind. 

Rote Route: Das Tanzprojekt "Tabula Rasa" untersucht in der Liebfrauen-Kirche in Eversburg als neuem Spielort, was geschieht, wenn das humane System wie bei digitalen Technologien resettet, also auf Null geschaltet wird. Neu als Spielstätte ist auch die Halle 1 des Serviettenherstellers Duni. Die Konzert-Installation "Der alte Traum" und die Oper "Das Ebenbild" befassen sich mit dem ethisch-moralisch brisanten Thema Klonen von Menschen. Die Musiktheater-Uraufführung inszeniert Haitham Assem Tantawy. 

Route Orange: Auch eine Uraufführung ist die Oscar-Produktion "Linus in der Stufenwelt" nach dem Buch von Anne-Laure Bondoux in der Tischlerei Seibt. Hier tricksen zwei Jungs, die ihre sozialen Sphären wechseln wollen, eine Maschine aus, die die Erinnerung löschen kann. Regie führt Selina Girschweiler. Danach wird hier auch "Ein Körper für Jetzt und Heute" gezeigt.

Violette Route: Sie beginnt auf Gut Leye mit "Daydreams & Nightscreams" und wird im Lauten Speicher mit "Nyotaimori" von Sarah Berthiaume fortgeführt. Hier geht es um die Auswirkungen des Turbokapitalismus auf die Arbeitswelt. Regie führt Anna Werner.



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