Projekt des Theaters Osnabrück Senioren erzählen vom Krieg – Schüler der Ursulaschule sind gerührt

Den Erzählungen von Seniorin Anne-Marie Borgelt (Mitte) lauschten die beiden Schülerinnen Carlotta Meyer (links) und Carina Schwill (rechts) ganz gespannt. Foto: André HavergoDen Erzählungen von Seniorin Anne-Marie Borgelt (Mitte) lauschten die beiden Schülerinnen Carlotta Meyer (links) und Carina Schwill (rechts) ganz gespannt. Foto: André Havergo

Osnabrück. Sie sind die letzte Generation, die noch vom Zweiten Weltkrieg berichten kann: Für das Projekt Crosscheck im Rahmen des Theaterstücks "Verbrennungen" haben Schüler der Osnabrücker Ursulaschule Senioren zum Thema "Heimat" interviewt.

Neun Senioren, 24 Schüler, ein Projekt – über mehr als ein halbes Jahr hinweg haben Neuntklässler der Osnabrücker Ursulaschule Bewohner des Alten- und Pflegeheims St. Clara interviewt. Entstanden sind daraus Texte sowie Podcasts, die die Schüler auf einer eigens erstellten Homepage veröffentlicht haben.  

"Crosscheck" nennt sich das Projekt, das das Theater Osnabrück im Rahmen des Theaterstücks "Verbrennungen" initiiert hat. "Worum es eigentlich geht, ist Heimat", erklärt Carina Schwill. Die 14-Jährige hatte gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Carlotta Meyer eine der Senioren im Rahmen ihrer Profilkurses "Welt der Medien" zu genau diesem Thema befragt. "Bei 'Verbrennungen' geht es ja auch genau darum: Zwei Geschwister, die ihrer Heimat auf den Grund gehen. Und wir wollten bei den Senioren auch der Heimat auf den Grund gehen", sagt sie. 

Liebe nach dem Kriegsende gefunden

Anne-Marie Borgelt ist eine dieser Senioren und gehört mit 94 Jahren zu den ältesten Interviewten. Die Osnabrückerin ging seinerzeit ebenfalls zur Ursulaschule. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lernte sie ihren Mann kennen, nachdem er nach siebeneinhalb Jahren in russischer Gefangenschaft zurück nach Osnabrück kehrte. 

All das erzählte Borgelt den beiden jungen Schülerinnen. "Das kam schon alles wieder hoch. Das ist ja immer so, wenn man von früher erzählt. Aber es war ein herrliches Gefühl, sich mit der eigenen Familie und Geschichte zu beschäftigen", sagt sie. "Ich hatte mich erst gefragt: Wie wird das wohl jetzt? Interessiert die das vielleicht gar nicht? Aber wir haben uns ja auf Anhieb gut verstanden." 

"Emotionale Gespräche"

Ihre Erzählungen haben die beiden Schülerinnen sehr berührt: "Sie hat sehr offen gesprochen und wir hatten wirklich sehr emotionale Gespräche", berichtet Meyer. Und wie ihnen ging es auch den anderen Gruppen, wie Lehrer Tobias Romberg erzählt: "Am Anfang sind die Schüler nicht vor Begeisterung an die Decke gesprungen, aber nach dem ersten Gespräch sind sie alle sehr aufgeregt nach Hause gegangen."

Dass "so ein großes Projekt" daraus entsteht, hatte Sophia Grüdelbach vorher nicht geahnt. Als Theaterpädagogin des Theaters Osnabrück brachte sie mit Förderung der Klosterkammer Hannover im September "Crosscheck" ins Rollen. "Ziel ist es, verschiedene Gruppen zusammen zu führen, die sonst im Alltag wenig Berührungspunkte haben", erklärt sie den Gedanken dahinter. Ohne die Offenheit der Senioren und die Neugier der Schüler hätte das so nicht stattfinden können, so Grüdelbach.

Erzählungen sonst nur in Geschichtsbüchern

"Wir haben ja auch selbst Großeltern. Aber sonst redet man nicht wirklich darüber", sagt Schwill. Die Erzählungen der Senioren kannten die Schülerinnen bislang nur aus Geschichtsbüchern und Filmen. Deshalb schätzen sie diese Erfahrung umso mehr. 

Als Dankeschön für Anne-Marie Borgelt gab es zum Abschluss des Projekts von den beiden ein Buch über den Zweiten Weltkrieg und eine Packung Pralinen, "weil Sie uns ja auch immer Schokolade gegeben haben, als wir bei Ihnen waren".


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