„Gewalt hat ein Geschlecht“ Deutsch-polnisches Frauenforum erörtert häusliche Gewalt

Von Bettina Mundt

Eröffnet wurde das zweite deutsch-polnische Frauenforum der Landkreise Olsztyn und Osnabrück Freitagmorgen im Kreishaus Osnabrück. Von links: Maria Meyer von der Frauenberatungsstelle Osnabrück, Stellvertretende Landrätin Christiane Rottmann, die Stellvertretende Landrätin des Landkreises Olsztyn Joanna Michalska, die Vorsitzende des polnischen Vereins "Unser Dorf" ("Nasza Wies") Alicja Wasik, Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter, Landrat Dr. Michael Lübbersmann, Dolmetscherin Joanna Braksiek, Gleichstellungsbeauftragte Monika Schulte und Dolmetscherin Ewa Kaczynska. Foto: Bettina MundtEröffnet wurde das zweite deutsch-polnische Frauenforum der Landkreise Olsztyn und Osnabrück Freitagmorgen im Kreishaus Osnabrück. Von links: Maria Meyer von der Frauenberatungsstelle Osnabrück, Stellvertretende Landrätin Christiane Rottmann, die Stellvertretende Landrätin des Landkreises Olsztyn Joanna Michalska, die Vorsitzende des polnischen Vereins "Unser Dorf" ("Nasza Wies") Alicja Wasik, Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter, Landrat Dr. Michael Lübbersmann, Dolmetscherin Joanna Braksiek, Gleichstellungsbeauftragte Monika Schulte und Dolmetscherin Ewa Kaczynska. Foto: Bettina Mundt

Osnabrück. Miteinander und voneinander lernen: „Häusliche Gewalt“ lautet das Thema des diesjährigen deutsch-polnischen Frauenforums der Landkreise Olsztyn und Osnabrück.

Die Partnerschaft der Landkreise Osnabrück und Olsztyn besteht nun schon 20 Jahre. Ein spezielles Frauenforum wurde 2017 von polnischer Seite angeregt, um sie weiter zu verfestigen und zu bereichern. Die Idee wurde schnell in die Tat umgesetzt: Nachdem im Vorjahr eine Frauengruppe aus dem Landkreis Osnabrück nach Olsztyn reiste, stand nun der Gegenbesuch an.

Schwerpunkt „Häusliche Gewalt“

Randvoll ist das Programm, das der Landkreis Osnabrück für die 25-köpfige Besuchergruppe geplant hat. Vorträge und Diskussionen sowie Besuche der Ausstellung „Rosenstraße 76“, des Frauenortes Bad Iburg und der Diedrichsburg bei Melle sind unter anderem vorgesehen, aber auch Bummeln in Bad Essen. Inhaltlicher Schwerpunkt ist häusliche Gewalt, ein Thema, das über nationale Grenzen hinweg alle soziale Schichten betreffe, wie Landrat Michael Lübbersmann in einer kurzen Ansprache am Freitagmorgen hervorhebt. Statistisch habe der Landkreis Osnabrück im vergangenen Jahr die höchste Zahl an Fällen häuslicher Gewalt verzeichnet. Das könne auch damit zusammenhängen, dass sich mittlerweile mehr Frauen äußern: „Wenn das der Fall wäre, dann hätten wir schon viel bewegt.“

Die Situation in Polen

Im ersten Vortrag stellt Lidia Willan-Horla von der Universität Ermland-Masuren die Situation in Polen dar. Forschungen der Universität Warschau gehen davon aus, dass jede dritte Frau in Polen in ihrem Leben Gewalt erfahren hat, aber nur 30 Prozent dies melden. 400 bis 500 Frauen sterben dort jährlich infolge häuslicher Gewalt, bei sexueller Gewalt ist in 78 Prozent der Fälle der Ehemann der Täter. Willan-Horla konstatiert deshalb klipp und klar: „Gewalt hat ein Geschlecht.“

Als Hintergrund beschreibt sie ein fortbestehendes patriarchales Wertesystem, demzufolge sich die Frau dem Mann unterzuordnen habe, der Mann über die Besitzverhältnisse bestimme, Gewalt verharmlost werde, die Frau ihren ehelichen Pflichten nachzukommen habe. Der Frau bleibe nur die Scham, sagt Willan-Horla; oft wüssten Frauen gar nicht, dass sie Gewalt erfahren hätten, weil ihnen das Bewusstsein dafür fehle. Andere sagten nichts aus Angst vor der Reaktion. „Schmutzige Wäsche“ in der Öffentlichkeit zu waschen sei ein weit verbreitetes Tabu. Mit verschiedenen gesetzlichen Maßnahmen und gesellschaftlichen Kampagnen werde in Polen seit einigen Jahren versucht, solchen verfestigten Haltungen entgegenzuwirken.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter und Landrat Dr. Michael Lübbersmann freuen sich über die Gastgeschenke der polnischen Delegation, Kräuterkerzen aus Ermland. Foto: Bettina Mundt

Die deutsch-polnische Freundschaft pflegen 

Ein Vortrag über häusliche Gewalt in Deutschland, Themen-Tische, an denen die Arbeit von Frauenhäusern und der Osnabrücker Frauenberatungsstelle vorgestellt wird, sowie ein Referat der früheren Kriminalhauptkommissarin Monika Holtkamp erweitern das inhaltliche Programm. Ebenso geht es aber um den freundschaftlichen Austausch: „Das Thema ist ganz wichtig, es geht aber auch um das Miteinander, das deutsch-polnische Miteinander. Da entstehen auch Freundschaften“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte Monika Schulte.


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